Kurzgedichte

  • Die Bild hat mal wieder eines ihrer Pamphlete über die Gegenwartskunst veröffentlicht. Diesmal geht es um die Düsseldorfer Ausstellung „Diana und Actaeon – Der verbotene Blick auf die Nacktheit.“ Hier werden durchgehend Werke gezeigt, in denen nackte Frauen (von Männern war nichts zu sehen) in allen möglichen Formen und Farben dargestellt wurden. So weit so gut. Die Bild gibt sich jetzt aber ganz weltmännisch und verurteilt nicht etwa die Ausstellung an sich, was ja auch etwas seltsam gewesen wäre, wo… Read

  • Sarah Palin fürchtet allein für eine mögliche Niederlage der Republikaner bei der US-Präsidentschaftswahl verantwortlich gemacht zu werden – keine Angst, Joe den Klempner wird auch ein großer Teil der Schuld treffen, nur McCain nicht, der war den Wahlkampf über einfach nicht zurechnungsfähig. Finanzminister Steinbrück warnt angeschlagene Banken davor, sich aus Eitelkeit nicht aus dem Rettungspaket der Bundesregierung zu bedienen. Es sei doch viel besser, offen einzugestehen, dass man einen Fehler gemacht habe, als einfach alles hinzuschmeißen – Interessantes Statement für… Read

    1–2 Minuten
  • Ein Storch steht traurig auf dem Feld sein Vetter ist dort jüngst zerschellt. Er glaubte wohl, er lande weich, doch spielt ein Schild ihm einen Streich: Man sah darauf ein Feld voll Kissen, nur war der Storch nicht so gerissen, dies Schild, das Menschen wohl entwarfen als Weichspül-Werbung zu entlarven.  Nun wird ihn wohl sein Vetter rächen und einem Mensch den Schnabel brechen. Read

    1–2 Minuten
  • Ein Grizzly sitzt im grünen Gras und hat mit einem Pilz viel Spaß. Ein roter ist’s mit weißen Flecken, und der Bär lässt ihn sich schmecken, bis er selbst kein Bär mehr ist, sondern ein Pilz, der Bären frisst. Read

    1–2 Minuten
  • Wie man bei der Süddeutschen lesen kann, hat eine zwölfjährige Cellistin eine Zugbegleiterin in eine üble Lage gebracht. Nicht genug damit, dass sie sich mit einem Instrument durch den Zug bewegte, für das man eigentlich extra zahlen müsste, weil es mehr Platz wegnimmt als seine Trägerin, nein, die junge Dame besaß tatsächlich die Unverfrorenheit, ihren Geldbeutel zu vergessen. Auf den Kinder-Unschulds-Bonus vertrauend eröffnete sie der Zugbegleiterin ohne mit der Wimper zu zucken, dass sie keine Fahrkarte dabei habe. Sofort baten… Read

  • Beim Spiegel kann man heute lesen, dass ein paar wichtige Genforscher ihre eigenen Genom-Sequenzen im Netz veröffentlicht haben. Sie tun es, um dem Human Genome Project mehr Zulauf zu verschaffen, das auf die Gen-Sequenzen sehr vieler Menschen angewiesen ist, um alles Mögliche über Gene herauszufinden. Was findet man da eigentlich heraus? Tja, darum wird das ja erforscht, damit man solche Fragen später beantworten kann. Wer weiß vielleicht sagt mein Arzt in zwanzig Jahren zu mir: Wir haben ihre Gene analysiert… Read

    1–2 Minuten
  • Bei der Süddeutschen kann man gerade lesen, wie Frank-Walter Steinmeier die Wirtschaft retten will. Auf dem SPD-Sonderparteitag sagte er, man brauche nach dem Rettungsschirm für die Wirtschaft nun auch einen Schutzschirm für die Arbeitsplätze. Ja klar, möchte man da sagen. Die Manager dürfen wieder gut gelaunt mit einem tollen Fallschirm aus dem Flugzeug springen, wobei noch nicht gesagt ist, dass der auch wirklich aufgeht, wenn man an der Schnur zieht und die Arbeitnehmer? Die stehen dann vor ihrem Personalchef mit… Read

    1–2 Minuten
  • Es rollt ein Busch durch die Prärie. Ein Hirtenjunge schaut ihm nach. „So frei wie der werd ich wohl nie!“ seufzt er, wobei das Herz ihm brach. Es rollt ein Zug durch die Prärie. Ein Gleisarbeiter schaut ihm nach: „So frei wie der werd ich wohl nie!“ seufzt er, wobei’s im Herz ihn stach. Ein Büffel trabt durch die Prärie. Er denkt über die Menschheit nach: „So frei wie die werd ich wohl nie. So spar ich mir manch Ungemach.“ Read

    1–2 Minuten
  • Nach der üblichen Begrüßung zwischen Herrn Schmidt und den in seinem Garten landenden Aliens folgt diesmal dieser Dialog: – Tach Schmidtie! – Tach Aliens! – Und wie gehts? – Spitze! Es gibt Krieg! – Krieg! – Ja, haha! Jetzt können diese Kopfhöhrerkinder mal zeigen, was in ihnen steckt! – Was, die Andorianer? – Nein, nein. Die Kinder. Die dreißigjährigen Kinder, die mir sagen, ich sei ein böser Mensch, weil ich Vorurteile habe und selber Schuhe tragen, die arme Kinder zusammennähen… Read

    1–2 Minuten
  • Bei der Bild kann man heute einen atemlos entsetzten Artikel über eine blutige Inszenierung des „Fliegenden Holländers“ lesen. Es handelt sich wohl um eine jener modernen Inszenierungen, die nicht mit Schock-Effekten spart und nun zum Millionsten mal Gelegenheit zur Entrüstung bietet. Überraschend, dass sich überhaupt noch jemand darüber aufregt. Inzwischen müsste man doch auch im Theater völlig abgestumpft sein gegen so etwas. Und da kommen wir schon zum entscheidenden Punkt: Ich verstehe einfach nicht, wie man sich darüber aufregt, dass… Read

About the author