Der verdammte November

Der verdammte November ist vorüber. Der November, der mich echt an meine Grenzen brachte. Der November, der sagte: Ich habe mir eine Menge für dich überlegt… Es war ein guter November.
Ein November, den man in der Steppe an einer Bar trifft, der von alten Gefechten im Präriesand erzählt und einen dann mitnimmt auf ein neues Abenteuer. Und die ganze Reise über denkt man: November – auf wessen Seite stehst du? Und ganz am Ende, wenn man dann mehr tot als lebendig, aber dennoch lebendig in die Abendröte reiten darf, erkennt man: Er war die ganze Zeit auf meiner Seite.
Diesen November stellt man niemandem als Freund vor. Er ist der Typ, den man braucht, aber nicht gerne hat. Der in all seiner Härte aber ein gutes warmes Herz in sich trägt. Einer, der selber ein Pferd reitet, das alle anderen schon erschossen hätten.
Ob es wohl Leute gibt, deren November anders aussieht? Ein November, der durch den Regen tanzt? Kann ich mir nicht vorstellen. Mein November wäre zu schwer dafür. Aber vielleicht gibt es da draußen Leute, deren November sogar Drinks am Strand serviert. Den würde ich auch gerne mal treffen.
Ich denke, auf lange Sicht bleibe ich meinem November treu. Ich habe viel von ihm gelernt.

Storytelling oder der GG-Trick

Und noch eine neue Kategorie: Ich gebe seit einiger Zeit ein Seminar über Storytelling an der Uni Tübingen. Jetzt will ich auch hier mal ein bisschen Einblick geben in meinen Werkzeugkasten.
Eine der simpelsten Methoden, um in kürzester Zeit zu einer Geschichte zu kommen, nenne ich den GG-Trick. Sicher wissen die meisten, dass man für eine Geschichte große Gefühle braucht. Was man aber auch braucht, ist ein Thema, also einen Gegenstand. Und das ist der GG-Trick: Gefühl – Gegenstand.
Diese simple Kombination erzeugt immer den Ansatz zu einer Story, vor allem wenn man sie kreativ einsetzt. (Einen Rest Kreativität braucht man also auch mit so einem Trick, das kann ich niemandem nehmen.)
Nehmen wir zum Beispiel Eis. Wir alle mögen Eis. Man könnte also Eis mit Spaß kombinieren, aber das wäre ja langweilig. Also kombinieren wir Eis mit Angst. Wir erfinden eine Figur, die Angst vor Eis hat. Und schon haben wir die Geschichte: Sie kriegt Panik, wenn Eis in ihrer Nähe ist, der Sommer ist die schlimmste Jahreszeit für sie, als Kind war sie mal aus Versehen in einem Kühlhaus eingesperrt. Irgendwann verliebt sie sich in den Eismann und muss ihre Angst überwinden, sie stellt sich todesmutig dem Verspeisen einer Kugel Schokoladeneis.
Oder nehmen wir ein anderes Beispiel: Waschmaschine – verrückt. Die Waschmaschine spielt verrückt, weil sie sich zu viel gedreht hat, haha. Sie lässt Kleidungsstücke verschwinden, ändert die Farbe und geht nicht mehr auf. Der Waschmaschinentherapeut muss kommen, er redet mit ihr über ihre Kindheit, wie Vater Waschmaschine ihr zu früh den Turbowaschgang beigebracht hat etc.
Was geht noch? Natürlich die Liebe. Ladegerät und Smartphone lieben sich, aber sie können nur zusammen sein, wenn beim Smartphone der Akku leer ist. Es wird von den Menschen ausgenutzt. Smartphone und Ladegerät überlegen, was sie tun könnten, um öfter zusammen zu sein. Dann kommen sie darauf: Sie müssen den Akku von Smartphone so manipulieren, dass er immer schneller leer wird. Die Menschen wundern sich, warum sie das Smartphone immer häufiger aufladen müssen. Smartphone und Ladegerät freuen sich. Sie können jetzt immer öfter zusammen sein. Und schließlich gehen sie für ihre gemeinsame Liebe in den Tod…
Okay, ich gebe zu, nicht jede dieser Geschichten ist die ganz große Literatur, aber wenn man geschickt damit umgeht, funktioniert der GG-TRick und es kommt eine Story dabei heraus.

Morgengedicht

Der Morgen ists, wenn wir verdrängen,
wie unsre alten Wangen hängen,
wie grau die Wolken sich nun färben,
die Blätter an den Bäumen sterben.
Wenn wir erinnern: Es gab gestern
und ein Duell naht wie im Western
mit dem Tag, der nun beginnt,
an dem man selbst wie alles spinnt.
Dann wird uns selber jetzt auch klar,
dass eigentlich schon Mittag war.

Kürbissuppe 2.0

Ist dir das Leben gerade schnuppe,
koch dir eine Kürbissuppe.
Sie wärmt von innen, lässt dich dampfen,
man kann sie ohne Zähne mampfen.
Und ein Genuss, nicht zu verachten,
ist auch, den Kürbisleib zu schlachten.
Kein Tier muss dafür daran glauben,
wenn wir den Kürbis heut entlauben,
nicht jeden muss man damit quälen,
doch bei den meisten heißt es: Schälen.
Dies Schälen ist vielmehr ein Hacken,
und wenn wir dann den Kürbis backen
oder kochen und pürieren,
wird uns keiner mehr düpieren.
Und wer die Prüfung überstand
ist nun bekannt für starke Hand
Drum, weißt du nicht, was tun im Leben
lass dir so einen Brocken geben,
der dir die Hinrichtung verzeiht
und mache aus ihm Flüssigkeit.
Denn wenn dein Herz grad eher mürb is,
rettet dich der heiße Kürbis.

Der Panda-Bär

Liebe Kinder gebt schön acht,
dass ihr es später richtig macht,
wenn ihr ein Unternehmen steuert,
sonst werdet ihr dort schnell gefeuert.
Hört nun das folgende Gedicht,
ich hoffe, ihr vergesst es nicht:
Ein Panda-Bär saß im Büro
und spuckte schlecht gekautes Stroh.
„Zum Aufhörn taugt das ja wohl nicht!“
Er übte sich grad im Verzicht
aufs Bambus-Kauen, das er brauchte,
wie manch andrer gerne rauchte.
Die Sucht ließ ihn nicht lange warten
und hieß ihn schnell von Neuem starten
So fing er seufzend wieder an,
saß kauend bald im Bambus-Tann,
das Büro sah er nicht wieder,
dort sang man gut gelaunte Lieder.
Zwar ist der Panda schön und selten,
doch zählt in unsren Bürowelten
mehr guter Unternehmergeist
als dass man Stroh statt Bambus scheißt.