Das Wetter wechselt. Ich wechsle die Jacke. Das Wetter wechselt. Und zwar in einem Moment. Es ist gleichzeitig kalt und warm. Die Sonne scheint, der Wind weht arktisch. Das Wetter wechselt und ich wechsle die Aussicht. Zeit, neue Perspektiven einzunehmen. Zum Beispiel die des Baumes vor dem Fenster, der dich sieht, wie du schon wieder am Computer sitzt und denkt: Was muss der für Wurzeln haben!

Das Wetter wechselt und ich wechsle die Perspektive. Ich sehe mich mit den Augen meiner Mitmenschen und sehe: Wenig. So viel sieht man gar nicht von dem, was da in mir abgeht. Kein Mensch ahnt, welch Fantasien ich habe, wenn ich im Supermarkt an der Kasse stehe und Müsli kaufe.

Das Wetter wechselt. Es wechselt deine Währung. Dein Gemüt hat einen neuen Kurs, nur weil die Wolken heute anders ziehen. Wolken, Sonne, Hagel, egal. Du hast für jedes Wetter die falsche Jacke. Ist auch ein bisschen viel verlangt von einem Kleidungsstück, dein Leben perfekt zu machen.

Das Wetter wechselt. Ich bleibe unbeständig. Und die Welt bleibt es auch.

Zur Abwechslung mal wieder ein Tiergedicht. Heute über die von mir bisher sträflich vernachlässigte Gattung der Kühe und ihre Konsumgewohnheiten:

Ne Kuh steht traurig auf der Weide

und sagt: Wisst ihr, warum ich leide?

Das Gras hier ist nicht zu gebrauchen,

das kannst du in der Pfeife rauchen.

Weil es gerade so läuft mit den absurden Texten, hier noch einer. Wie immer gilt die Warnung: Wer auf Logik, Zusammenhang und so steht, könnte enttäuscht werden. Allen Anderen viel Spaß.

Die Rezension

Als sie meinen Körper fanden, war ich schon tot. Inspector Rotbutton beugte sich über mich und sagte: Es hat ihn also doch erwischt. Olga stand neben ihm und zitterte. Sie konnte nicht wissen, dass sie einem meiner Mörder gegenüberstand.

Alles hatte mit Enduricon angefangen. Ich hatte nach langen Recherchen ein Exemplar dieses prophetischen Textes auftreiben können und eine Rezension darüber verfasst. Einen Tag nach Erscheinen meines Texte im Journal für die apokryphen Texte der Saab, klopfte es an meiner Tür. Draußen stand ein Rabe. Ich wusste, dass sie diese Tiere einsetzten, aber ich hatte nicht erwartet, wichtig genug zu sein, um selber von einem aufgesucht zu werden.

Der Rabe sagte: „Sie haben ein Exemplar des Enduricon gelesen. Demnach kennen Sie die Botschaft, dass alles Leben nur lebenswert ist, wenn man sich dem Moment hingibt.“

„Das ist korrekt.“ sagte ich. Widerspruch war zwecklos. Die Raben waren bekannt dafür, einen Wahrheitssensor im Schnabel zu tragen.

„Ich muss sie defokussieren.“ sagte der Rabe. Kurze Zeit später fand ich mich in einem Trancezustand wieder, der mich gleichzeitig träumen und meinen Alltag wach erfahren ließ. Defokussierung war eine eigenartige Bestrafung. Sie schenkte einem die Gnade der Trance und ließ einen am Leben scheitern. Das war die Rache des Komittees. Sie ließen einen an der eigenen Philosophie scheitern.

Olga verzweifelte an mir. Ich ließ alles fallen. Teller, Tassen, ich war abwesend, wenn sie mit mir sprach. Der Rabe hatte nur einen schwarzen Punkt an unserem Türrahmen zurück gelassen.

„Was ist mit dir?“ fragte Olga. „Das kommt alles nur von den Büchern, die du immer liest.“ sagte sie.

Ich war längst in einer Sphäre des Geistes, die weit über das Lesen hinausging. Olga fuhr in Urlaub. Sie hielt es nicht mehr aus. Ich verhungerte. Unfähig, mir noch eine Mahlzeit zuzubereiten, oder das Haus zu verlassen. Ich schaffte es gerade noch, einen letzten Hinweis zu hinterlassen.

Ich schrieb „Pi“ auf einen Zettel als Hinweis auf meine eigentliche Lebendigkeit. Nach meinem Tod wurde mir bestätigt, dass die Konstrukteure ihn gefunden hatte.

Olga war schön, als sie weinte. Dieses Bild nahm ich mit in die letzte Galerie.