Warum überhaupt schreiben?

Warum überhaupt schreiben? Diese Frage stelle ich mir oft. Ich schreibe eigene Texte seit den bewegten Tagen meiner Jugend. Das sagt wohl so ziemlich jeder, der schreibt. Glaubt man gewissen Philosophen, besteht die Welt sogar in erster Linie aus „Geschriebenem“. Erst das Fixieren in einer Art von Schrift erzeugt demnach etwas, das wir Wirklichkeit nennen können. Man kann sich darüber streiten, ob das stimmt. Es gibt aber einen Hinweis darauf, welche Funktion das Schreiben für uns haben kann.
Das Schreiben hilft dabei, sich seine Welt zu konstruieren und gleichzeitig wird mir durch mein Schreiben erst sichtbar, wie ich meine Welt konstruiere. Das Schreiben zwingt mich, meine Gedanken in einer Reihenfolge zu bringen. Erst hier wird aus den Assoziationen eine Spur, der man folgen kann.
Nur warum tue ich das? Woher dieses Bedürfnis, sich immer wieder des eigenen Denkens zu versichern? Das hat ein Dozent uns schon am Anfang meines Philosophie-Studiums gefragt. Eine simple Antwort wäre vielleicht: Weil ich es kann. Andere machen vielleicht lieber ständig Fotos von sich, weil sie das können. Das ist eine andere Art, sich selbst zu reflektieren.
Die zweite Antwort wäre: Weil ich es nicht kann. Vielleicht sind Andere sich ihrer Sprache derart sicher, dass sie sich nicht weiter mit ihr beschäftigen müssen. Aber was heißt hier Andere? Alle schreiben ja irgendwie.
Schreiben, wie ich es begreife, ist ja eher kreatives Schreiben, ein Schreiben, das Mitteilung macht von den Geschichten, die ich mir ausdenke, von dem speziellen Blickwinkel auf die Welt, dessen Farbe ich für wertvoll halte.
Das mag narzisstisch sein. Doch wie sagte jemand mal so schön: You got to get in to get out. Dem Narzissmus entrinnt man vielleicht nur, wenn man sein Schreiben eben nicht für sich behält, wenn man den Spiegel, in dem man sich sieht, öffentlich macht.
Das Schreiben ist mein Anker in der Welt, auch wenn es oft den Anschein macht, als sei ein Schreibender der Welt abgewandt. Ich glaube, durch das Schreiben gewinnt man eine Welt. Und vielleicht bleibt man damit nicht allein.

Kunst und Geld I

„Ich muss ja auch davon leben!“ Diesen Satz sagen wir Künstler allzu gerne, wenn wir unsere Gagenforderungen begründen. Und es stecken einige traurige Wahrheiten in diesem Satz. Zum einen: Man muss von seiner Kunst leben. Muss man das? Kafka hat nicht von seiner Kunst gelebt. Das Geld, das er mit Büchern verdient hat, war nicht der Rede wert. Das Meiste wurde wohl nach seinem Tod erwirtschaftet. Dennoch hat wohl kaum ein Künstler so von der Kunst gelebt wie Kafka. Seine Nächte waren erfüllt vom atemlosen Schreibmarathon des Besessenen. Gar nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er damit aufgehört hätte.
Nur lebte Kafka in einer Zeit, in der man gar nicht unbedingt erwartet hat, dass ein Künstler von seiner Kunst lebt. So kommt es mir zumindest vor. Heutzutage hat man doch das Gefühl, wenn jemand sich Künstler nennen will, dann muss er oder sie auch davon leben können. Nicht ganz unlogisch. Man sagt ja auch nicht: Ich bin Schreiner! Und arbeitet in Wirklichkeit bei der Post.
Andererseits ist doch der Anspruch von Kunst, auszubrechen aus dem Zwang des Marktes. Warum muss mit etwas Geld verdient werden, das doch ein kleines Universum für sich selber sein soll, Ausdruck des Absoluten in Miniatur? So kommt es auch, dasss man mit seiner Kunst auch nicht allzu beliebig Geld verdienen darf. Wenn man Werbe-Spots dreht, darf man höchstens Schauspieler sein. Unvorstellbar, dass Gerhard Richter das neue Logo von H & M malt, um einfach Geld zu verdienen. Dabei wäre das vielleicht sogar ganz nett. Würde sicher interessant aussehen.
Man muss aber auch von seiner Kunst leben, weil man ja Kunst macht und nebenher nur schwer etwas Anderes machen kann. Es sei denn, man ist Kafka, aber der ist auch jung gestorben. Oder man beschränkt seine Kunst auf einen gewissen Zeitraum. Das wiederum gilt aber vielen dann nur als Hobby, was man gemeinhin auch als minderwertig ansieht.
So macht man dann eben doch Kunst, die Geld verdienen soll. Nur eben nicht gleich für H & M, sondern für kleinere unbekannte Unternehmen, wo es keiner mitbekommt. Oder man versucht einfach direkt, seine Kunst zu verkaufen. Nur wird sie dann zum Produkt und muss die gerade herrschenden Gesetze des Marktes erfüllen. Da macht man dann auch gerne Dinge mit seiner Kunst, die man selber gar nicht mehr gut findet, die aber Absatz garantiert.
Andererseits: Warum darf die Kunst nicht einfach schnöde kapitalistisch und kulturindustriell sein, um als wahre Kunst zu gelten? Sind die Erfinders der Bitcoins nicht auch irgendwie Künstler? Vielleicht mehr als Andere? Schließlich geht es bei ihnen nur noch um Geld. Das ist doch auch eine Art von Performance.
Ich weiß nicht. In mir schlummert trotz allem immer die Sehnsucht, Ausdruckstanz mit Rindenpercussion zu inszenieren. Oder mal ein Stück aufführen, bei dem niemand zuschauen darf. Und dann dafür extrem subventioniert werden. Ich verwickle mich in Widersprüche… Für die Kunst ist das sicher ein gutes Zeichen…
To be continued…

Werbung für sich selber machen

Nichts hasse ich mehr, als Werbung für mich selber zu machen. Als Künstler ist man einen Großteil seiner Zeit damit beschäftigt, sich anzupreisen. Ständig muss man verkünden: „Ich habe ein neues Projekt! Ein neues Buch! Einen neuen Auftritt! Und jetzt: Überraschung gibt es ein Comeback des alten Projekts/ Buchs/ Auftrittes, das ist ja noch viel toller! Und jetzt zeige ich euch mal die Sachen, die nur so mittel sind, das ist sowieso das Geilste! Und außerdem bin ich gerade total existent!“
Ich weiß: Anders geht es nicht. Die Leute müssen ja irgendwie erfahren, dass es einen gibt. Das allerschlimmste ist: Die meiste andere Werbung funktioniert bei mir gar nicht. Ich gehe so gut wie nie zu irgendeiner Veranstaltung, weil ich genau da hin will. Ich gehe zu einer Veranstaltung, weil ich Zeit habe. Das ist alles. Wenn ich frei habe, schaue ich in die Zeitung und überlege, an welchen Ort ich gehen will, wo irgendwas Kulturelles passiert. Und im Prinzip ist es mir egal, was es ist.
Also, ich will schon etwas sehen, was galaktische Qualitäten hat, aber ich weiß auch, dass sich hinter einer spektakulären Ankündigung oft Scheiße verbirgt und der lapidare Kommentar: „Kurt und seine Freunde machen Kunst.“ sich manchmal als die abgefahrenste Veranstaltung entpuppt, die ich je gesehen habe.
Vielleicht ist das auch das Problem: Ich finde es völlig ok, wenn das, was ich da sehe schlecht ist. So lange es auf eine Art schlecht ist, die echt einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlässt. Es gibt aber eben sehr viele Leute, die auf eine ganz nette Art unterhalten werden wollen, ohne postmodernes Kunstverständnis.
Diese Werbung! In dunklen Stunden wünsche ich mir eher so ein sozialistisches Modell von Kultur. Es gibt das zu sehen, was da ist. Man kann eine Karte fürs Theater kaufen, aber was da kommt, weiß man nicht, einfach Kunst, weil man ja ein Recht auf Kunst hat. Irgendwelche Leute führen irgendwas auf, weil irgendwer entschieden hat, dass sie jetzt die Künstler für den Abend sind. Punkt.
Das Problem bei einem solchen Modell wäre natürlich: Wer wählt dann die Künstler aus? Da müsste man dann trotzdem eine Form von Eigenwerbung betreiben. Und die wäre vielleicht noch viel anstrengender als die heutige.
Dann wurschtel ich mich vielleicht doch besser weiter so durch. Ich könnte alternativ auch alles schlecht machen: „Das ist echt das übelste Programm, das ich je gemacht habe! Da würde ich bestimmt nicht reingehen!“ Vielleicht strömen dann die Massen. Oder ich bekomme zumindest Besuch von Kurt und seinen Freunden.

Arbeitstreffen

„Wir treffen uns mal auf einen Kaffee!“ dieser Satz kann folgenschwer sein. Nicht selten in meinem Leben haben so Projekte angefangen, die mich jahrelang begleiteten. Man traf sich in einem Café oder Büro, saß dort rum redete, machte sich Komplimente, baute Gedankengebäude und war sich doch darüber im Klaren, dass das Treffen vor allem eines leisten musste: Stattfinden.
Selstsamerweise waren die Treffen zu guten Projekten meist die, bei denen gar nicht so viel über die Sache selbst gesprochen wurde. Es ging mehr so: Hey, auch gestern das Spiel gesehen, finde ich echt gut, was ihr da und dort gemacht habt… Und kurz vor Schluss dann: Jetzt zu dem Projekt – Machen wir, oder? – Alles klar. Rest klären wir dann später.
Wenn man hingegen sehr lange über etwas sprach, war es meistens zum Scheitern verurteilt. Man könnte fast die Regel aufstellen: Je ausführlicher das Vorgespräch, desto wahrscheinlicher, dass auch der Rest des Projektes vor allem aus viel Gespräch, Konzeption, Diskussion und Trara besteht.
Das gilt natürlich nicht für lang bestehende Projekte. Da kann natürlich alles passieren. Oft wird dann sehr pragmatisch eine Liste abgearbeitet. Wobei man sich die Information, dass morgen die Steuerfahndung, Polizei oder apokalyptischen Reiter kommen, dann doch immer für den Schluss aufspart.
Es scheint mir so, als wären die vielversprechenden Dinge immer eher die, die sich selber ihren Weg durchs Leben bahnen. Man steht nur als Wärter an der Schleuse des Schicksals und sagt: Ok, bevor der Fluss überläuft, machen wir mal auf.
Das Beschwören des Gelingens durch ausgiebiges Reden wirkt dagegen eher wie ein Regentanz in der Wüste.
Allerdings muss ich zugeben, dass dem gelingenden Treffen immer schon eine Menge Arbeit vorausging. So als hätten beide Seiten im Verborgenen auf diesen Moment hingearbeitet.
Was also tun? Heimlich viel arbeiten, bis aus völlig unklaren Gründen das Telefon läutet.

Nur Idioten singen noch selbst

Beim Spiegel kann man heute lesen, was die Musikindustrie neben dem Internet noch in den Abgrund führen wird: Das Programm Auto-Tune. Dieses Programm wurde urprünglich dazu verwendet, schlechten Gesang in guten zu verwandeln, indem jeder gesungene Ton der nächstliegenden passenden Note angeglichen wurde. Man kann nur mutmaßen, was alles so vom nölenden Badewannengeröchel zum Nummer-1-Hit wurde.

Es gibt nun aber eine Gruppe von Hip-Hop und R’nB Musikern, die sich ganz ungeniert dieses Mittels bedient. Kanye West, P. Diddy und andere folgen dabei dem Auto-Tune Guru T-Pain, der das Programm zwar nicht erfunden hat, aber als erster begann, dessen potential bis zur Vertrocknung auszuschöpfen.

Verändert man nämlich nicht nur die Tonhöhe, sondern auch noch die Geschwindigkeit des ursprünglich Gesungenen, so entsteht jene Roboterstimme, die uns inzwischen massenweise um die Ohren jault. Das kann man auch alles beim Spiegel lesen. Nur eine Frage, die er selbst im Titel stellt, beantwortet, der hier von mir ausgeschlachtete Artikel nicht: Warum wollen eigentlich inzwischen alle wie Roboter klingen? Weiterlesen „Nur Idioten singen noch selbst“

Liebe für Dummies – und für Boris Becker

„Ich wäre froh, wenn mir jemand die Liebe erklären könnte.“, sagt Boris Becker nach seiner letzten Beziehung, wie man beim Spiegel lesen kann. Er wüsste gerne, ob er nach dem Kopf oder den Gefühlen gehen soll. Den Geldbeutel hat er vergessen, den Körper sowieso. Ist natürlich schwierig, wenn man von so abstrakten Begriffen ausgeht.

Kopf und Gefühle, das kann ja alles bedeuten. Vor allem: nach welchem Kopf ihrem oder seinem? Oder müssen beide Köpfe von der Form her gut zusammenpassen? Von den Gefühlen wollen wir gar nicht reden. Liebe ist ja auch ein Gefühl, wenn man da nach dem Kopf geht, kann ja nichts dabei rauskommen.

Wagen wir es also: Lieber Boris Becker, Liebe funktioniert so: Die Liebe, ein seltsames Gerät aus allerlei Blumen und Wolken zusammengeschraubt, fährt so durch die Lande auf Schienen, die ein paar Engel für den göttlichen Subunternehmer verlegen. Da fährt sie unaufhaltsam auf ihrer Bahn und ab und zu passiert es, dass zufällig zwei Menschen gleichzeitig auf den Schienen stehen bleiben, weil sie Menschen sind und doof und blind. Daher auch der Spruch: Liebe macht blind. Das ist eine Kurzform des althergebrachten Sprichwortes: Die Liebe macht dem Menschen bewusst, dass er blind ist. Wir sehen ja alles mögliche nicht, dunkle Materie zum Beispiel oder eine schlechte Aura. Weiterlesen „Liebe für Dummies – und für Boris Becker“

Super 8 – Das Format der Homevideo-Pioniere

Beim Spiegel kann man heute was über Super 8 lesen, das legendäre Schmalfilmformat aus den 70ern für jedermann. Ich habe selbst mal für eine Veranstaltung einen Text über dieses Thema geschrieben, der offen gesagt selber nur eine Kompilation meines im Internet angelesenen Halbwissens ist, aber aus diesem Anlass stelle ich ihn jetzt mal hier rein:

Super 8
1965 brachte Kodak eine neue Art Film für den Heimgebrauch auf den Markt: Den Super 8 Film. Super war er, weil er das bis dahin gängige Normal 8 Schmalfilmformat ablöste.

Dieses Format sollte es gerade Privatleuten möglich machen, die schönsten Ereignisse ihres Lebens auf Zelluloid zu bannen, da es leicht in der Handhabung und relativ billig war. Eine neue Ära oder schlechthin die Ära des Amateurfilms brach an, da man nun Filme selber drehen konnte, ohne seine Privatyacht zu beleihen und sich nicht mehr mit einer Filmspule herumplagen musste, deren Einlegen alleine Material für ein paar Slapstick-Filme geliefert hätte. Jetzt ging alles ganz einfach dank einer Kassette, die man nur noch in die Kamera einlegen musste.

Ganz anders als heute, da man selbst Fotos nur noch im Netz abstellt und sich an Filmchen erfreut, die pixelig in einem kleinen Fensterchen des Rechnerbildschirms vor sich hin quaken, brachte man die damaligen Heimvideos noch mit einem Projektor in spektakulären Aufführungen auf eine extra aufgebaute Leinwand. Darüber hinaus konnte man auch ganze Spielfilme auf Super 8 erwerben. Einem Geburtstag räumte man so ähnlich viel Raum ein wie manchem Blockbuster und das, obwohl auf den meisten Familienfeiern eher selten etwas spektakulär in die Luft fliegt. Zu Anfangszeiten war man mit so einem Super 8 Film sogar noch gegenüber dem Fernsehen im Vorteil: Das war damals nämlich noch schwarz-weiß. Weiterlesen „Super 8 – Das Format der Homevideo-Pioniere“