StudiVZ – Jetzt auch mit Genen!

Beim Spiegel kann man heute lesen, dass ein paar wichtige Genforscher ihre eigenen Genom-Sequenzen im Netz veröffentlicht haben. Sie tun es, um dem Human Genome Project mehr Zulauf zu verschaffen, das auf die Gen-Sequenzen sehr vieler Menschen angewiesen ist, um alles Mögliche über Gene herauszufinden.

Was findet man da eigentlich heraus? Tja, darum wird das ja erforscht, damit man solche Fragen später beantworten kann. Wer weiß vielleicht sagt mein Arzt in zwanzig Jahren zu mir: Wir haben ihre Gene analysiert und haben herausgefunden: Sie sind ein Langschläfer! Sie hassen es, sich morgens aus dem Bett zu quälen! Und weil Sie es trotzdem tun, sind Sie immer so schlecht gelaunt, dass eigentlich keiner ernsthaft mit Ihnen zusammenarnbeiten kann! Danke, das weiß ich schon seit zwanzig Jahren, werde ich dann trocken bemerken. Einen Vorteil hätte das Ganze aber, ich könnte beweisen, dass es lebensnotwendig für mich ist auszuschlafen.

Mal schauen, was die Datenschützer unter uns zu dieser Aktion sagen. Glaubt man einem so guten Film wie „Gattaca“, den ich hier wärmstens empfehlen will, könnte unser Gencode Auswirkungen auf unsere Stellung in der Gesellschaft haben, angenommen. Mächte übernehmen die Kontrolle, die sich ausschließlich nach den Genen richten. So schlecht muss das aber nicht sein. Vielleicht erleben wir dann den Traum vom umfassenden Service: Wir müssen dann gar nichts mehr mühsam im Internet bestellen: Es wird uns genau zu dem Zeitpunkt geliefert, in dem wir den Wunsch hatten, es zu erstehen.

Man trägt dann einfach seinen Gencode auf dem T-Shirt mit sich spazieren und jeder weiß sofort, woran er ist: „Ah gat, tcc, atat! Den sprechen wir besser nicht an, ob er schlechte Laune hat…“

Dann wird man in StudiVZ nicht mehr mühsam irgendwelche Hobbies eingeben, sondern einfach seine Genom-Sequenz und die Gruppen da haben dann auch nur noch so Namen wie: Die obergeilen Doppel-Alphas im fünften Knoten! oder so…

So schreiten wir voran in Richtung einer immer kontrollierteren langweiligeren Welt und können nur hoffen, dass Folgendes passiert:

Das Human Genome Project ist extrem erfolgreich und die Wissenschaftler finden heraus: Die Gene sind nur die gröbsten Bausteine unserer DNA, wirklich entscheidend sind die noch viel kleineren Ginis, die man dann in hundert Jahren weiterer Forschung erkunden muss.

Ich werde jetzt etwas essen. Mein Magen hat so unvernehmlich geknurrt, dass ich nicht guten Gewissens zehn Jahre warten kann, um zu überprüfen, ob ich mit der Annahme recht habe, dass ich jetzt etwas essen sollte…

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