Wie man bei der Süddeutschen lesen kann, hat eine zwölfjährige Cellistin eine Zugbegleiterin in eine üble Lage gebracht. Nicht genug damit, dass sie sich mit einem Instrument durch den Zug bewegte, für das man eigentlich extra zahlen müsste, weil es mehr Platz wegnimmt als seine Trägerin, nein, die junge Dame besaß tatsächlich die Unverfrorenheit, ihren Geldbeutel zu vergessen.

Auf den Kinder-Unschulds-Bonus vertrauend eröffnete sie der Zugbegleiterin ohne mit der Wimper zu zucken, dass sie keine Fahrkarte dabei habe. Sofort baten Mitreisende ihre Hilfe an. Sieg auf der ganzen Linie für die juhendliche Delinquentin? Nein! Dank der pflichtbewussten Zugbegleiterin wurde Schlimmeres verhindert und das schusselige Gör des Zuges verwiesen. So konnte sich die Musikantin auf dem fünf Kilometerlangen Heimweg mal ein bisschen Gedanken machen. Die vergisst ihren Geldbeutel sicher nicht mehr so schnell.

Es erheben sich nun entsetzte Stimmen, die der Zugbegleiterin Herzlosigkeit vorwerfen. Das ist doch Quatsch. Dankbar müsste man ihr sein! Schließlich ist es eine hohe Ehre von der Deutschen Bahn befördert zu werden. Der Fahrpreis, den die Jugendliche dank fehlendem Portemonnaie nicht entrichten konnte ist ja eher als eine Art symbolischer Beitrag zu verstehen, der bei weitem nicht dem wirklichen Wert der fahrt entspricht.

Jetzt mal im Ernst: Die Geschichte ist so verrückt, dass ich sie erst für einen Aprilscherz gehalten habe. Was ich jetzt aber noch weniger verstehe: Wie schafft es eine Zugbegleiterin, ein Mädchen aus dem Zug zu schmeißen, ohne dass einer der Fahrgäste eingreift, die dem Mädchen doch vorher noch die Fahrkarte zahlen wollten? Situationen wie diese lassen mich ernsthaft daran zweifeln, dass die Welt da draußen nicht einsturzgefährdet ist.

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