Kunst und Geld I

„Ich muss ja auch davon leben!“ Diesen Satz sagen wir Künstler allzu gerne, wenn wir unsere Gagenforderungen begründen. Und es stecken einige traurige Wahrheiten in diesem Satz. Zum einen: Man muss von seiner Kunst leben. Muss man das? Kafka hat nicht von seiner Kunst gelebt. Das Geld, das er mit Büchern verdient hat, war nicht der Rede wert. Das Meiste wurde wohl nach seinem Tod erwirtschaftet. Dennoch hat wohl kaum ein Künstler so von der Kunst gelebt wie Kafka. Seine Nächte waren erfüllt vom atemlosen Schreibmarathon des Besessenen. Gar nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn er damit aufgehört hätte.
Nur lebte Kafka in einer Zeit, in der man gar nicht unbedingt erwartet hat, dass ein Künstler von seiner Kunst lebt. So kommt es mir zumindest vor. Heutzutage hat man doch das Gefühl, wenn jemand sich Künstler nennen will, dann muss er oder sie auch davon leben können. Nicht ganz unlogisch. Man sagt ja auch nicht: Ich bin Schreiner! Und arbeitet in Wirklichkeit bei der Post.
Andererseits ist doch der Anspruch von Kunst, auszubrechen aus dem Zwang des Marktes. Warum muss mit etwas Geld verdient werden, das doch ein kleines Universum für sich selber sein soll, Ausdruck des Absoluten in Miniatur? So kommt es auch, dasss man mit seiner Kunst auch nicht allzu beliebig Geld verdienen darf. Wenn man Werbe-Spots dreht, darf man höchstens Schauspieler sein. Unvorstellbar, dass Gerhard Richter das neue Logo von H & M malt, um einfach Geld zu verdienen. Dabei wäre das vielleicht sogar ganz nett. Würde sicher interessant aussehen.
Man muss aber auch von seiner Kunst leben, weil man ja Kunst macht und nebenher nur schwer etwas Anderes machen kann. Es sei denn, man ist Kafka, aber der ist auch jung gestorben. Oder man beschränkt seine Kunst auf einen gewissen Zeitraum. Das wiederum gilt aber vielen dann nur als Hobby, was man gemeinhin auch als minderwertig ansieht.
So macht man dann eben doch Kunst, die Geld verdienen soll. Nur eben nicht gleich für H & M, sondern für kleinere unbekannte Unternehmen, wo es keiner mitbekommt. Oder man versucht einfach direkt, seine Kunst zu verkaufen. Nur wird sie dann zum Produkt und muss die gerade herrschenden Gesetze des Marktes erfüllen. Da macht man dann auch gerne Dinge mit seiner Kunst, die man selber gar nicht mehr gut findet, die aber Absatz garantiert.
Andererseits: Warum darf die Kunst nicht einfach schnöde kapitalistisch und kulturindustriell sein, um als wahre Kunst zu gelten? Sind die Erfinders der Bitcoins nicht auch irgendwie Künstler? Vielleicht mehr als Andere? Schließlich geht es bei ihnen nur noch um Geld. Das ist doch auch eine Art von Performance.
Ich weiß nicht. In mir schlummert trotz allem immer die Sehnsucht, Ausdruckstanz mit Rindenpercussion zu inszenieren. Oder mal ein Stück aufführen, bei dem niemand zuschauen darf. Und dann dafür extrem subventioniert werden. Ich verwickle mich in Widersprüche… Für die Kunst ist das sicher ein gutes Zeichen…
To be continued…

Genanalysen – Viel Quatsch und ein bisschen Wahrheit

Manchmal beschleicht mich eine alte Angst, die jüngst in ganz modernem Gewand daherkommt: Dass der Tag, ja selbst die Sekunde meines Todes schon seit meiner Geburt feststehen. Der Film Gattaca zum Beispiel, den ich nur empfehlen kann, zeichnet ein düsteres Bild von einer Zukunft, in der man bei der Geburt einfach einen Papierstreifen aus einem ominösen Gerät laufen, auf dem man genau lesen kann, welche Krankheiten der kleine Knirps da mit welcher Wahrscheinlichkeit in seinem Leben noch bekommen wird.

Ein US-Forscher sagt jetzt: Alles Quatsch! Wir haben überhaupt nicht die Daten zur Verfügung, um solche Voraussagen machen zu können. Zum einen, weil viele Krankheiten glücklicherweise doch so selten vorkommen, dass es statistisch unmöglich ist, irgendwelche pauschalen Aussagen aus ihrer Verbreitung zu ziehen, zum anderen weil die gleiche Krankheit vielleicht bei jedem Kranken völlig unterschiedliche genetische Ursachen hat.

Ganz abgesehen davon gibt es ja auch noch andere Ursachen für Krankheit, die mit Genen überhaupt nichts zu tun haben. Erkältungen zum Beispiel, die bekommt man noch, weil man sich ansteckt. Kurios, aber wahr. Es ist also totaler Quatsch eine Firma, die eignene Gene analysieren zu lassen, um dadurch etwas über bevorstehende Krankheiten zu erfahren. Erst wenn die Analysen sich neuer Mittel bedienen wird das vielleicht möglich sein.

Viel wichtiger als ein Blick auf zukünftige etwaige Krankheiten bleibt sowieso der auf die echte akute Krankheit, mit der viele Menschen zu kämpfen haben. Da geht es wohl weniger um Analysen, sondern darum, wie man sich fühlt. Hier findet sich eine Seite, die versucht, das zu kommentieren, ins Leben gerufen von Christof Schlingensief. Da weiß man gar nicht mehr, was man selber noch zu sagen hätte.

Tim Mälzer packt aus

So könnte man den Artikel auch überschreiben, der heute beim Spiegel über den Kochstar zu lesen ist. Mälzer, der wohl gerade auf Werbetour für seine neue Sendung bei der ARD ist, erzählt vom Burn-Out, vor dem auch ein Koch nicht gefeit ist und zweifelt an seiner bisherigen Tätigkeit. Man habe es versäumt, die Zuschauer zum Kochen zu bewegen, obwohl es immer mehr Kochshows gebe.

Was soll ich sagen? Als ich noch einen Fernseher hatte, habe ich auch regelmäßig Tim Mälzer geguckt,aber es wäre mir im Traum nicht eingefallen, selber eine seiner Kreationen nachzukochen. Manche Anregung habe ich schon übernommen. So habe ich meine Pfanne nach Mälzers Ratschlägen erst mal ordentlich erhitzt, bevor das Tiefkühlgemüse reinkam. Einmal habe ich sogar ein Steak nur angebraten und dann eingewickelt in Alufolie im Ofen langsam durchgaren lassen. Das war schon toll.

Ich glaube aber gar nicht, dass Kochshows irgendwen zum Kochen bringen sollen. Mir ging es immer darum, eine schöne Kulisse zu haben, wenn ich meinen Tiefkühlkram in mich reinstopfe. Mit etwas Phantasie konnte man sich beim Essen sogar vorstellen, man verschlinge gerade das, was Mälzer da schnippelnd, trippelnd und dampfplaudernd zubereitete.

Wäre wohl auch eher schlecht, wenn uns das Fernsehen zu besonderen Dingen animieren würde. Es gehen ja schon genug Leute in Castingshows. Eine Koch-Castingshow, das wäre doch mal eine Idee! Mälzer lässt Jungköche zum Zwiebelschneiden antreten und scheißt sie zusammen, weil sie weinen müssen. „Du könntest nicht mal in einer Imbissbude arbeiten, ohne das Essen zu verderben! Und das geht eigentlich gar nicht!“

Wenn es mit der neuen seriösen Show in der ARD nicht klappt, gibt es also noch genug Arbeit in den Niederungen der Fernsehunterhaltung.

Cinemizer – Kino total

Das Rauchen in Kneipen ist inzwischen nur noch eingeschränkt erlaubt. Jetzt könnte ein neues Problem auftauchen – Filme gucken. Wie man heute bei Spiegel Online lesen kann, ist die Videobrille Cinemizer jetzt endlich wirklich benutzbar geworden. Es handelt sich tatsächlich um eine Brille, die man auf die Nase setzt, nur dass man damit nicht klarer, sondern Filme sieht.

Schon ein abgefahrenes Spielzeug. Zumindest den Leuten, die gerne im Zug Filme anschauen sei es wärmstens empfohlen. Es scheint ja inzwischen normal zu sein, einen ganzen Großraumwagen damit zu unterhalten, dass man sich gerade einen Film anschaut. Dass schon das bewegte Bild ziemlich nervig sein kann, wenn man danebensitzt, scheint die Leutre nicht weiter zu stören. Da sind mir die, die in aller Ruhe den Playboy auspacken noch lieber.

Den Notebookfilmjunkies würde ich so eine Brille gerne mal schenken, dann wär endlich Ruhe. Oder auch nicht, weil das Ding tatsächlich nicht nur nomrale Kopfhörer, sondern auch noch einen Lautsprecher hat, was ich ziemlich absurd finde, darf der kleine Bruder dann gnädigerweise wenigstens den Ton mithören oder was?
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Wir sind jung und brauchen das Geld

So der Titel eines ebenso wahnwitzigen wie hoffnungsvollen Projektes, das heute bei Spiegel Online neckische Erwähnung findet. Zwei Studenten haben sich ein recht sinnvolles Thema für ihre Diplomarbeit ausgedacht: Es geht schlicht und ergreifend darum, wer als erster Millionär wird. Fast jeder mögliche Weg, den ein unbedarfter junger Mensch ohne große Vorkenntnisse gehen kann, wird dabei von den beiden beschritten, außer Prostitution.

Sie verkleiden sich als Stofftiere, singen ohne großartig geübt zu haben, Lieder in der Fußgängerzone, verkaufen alten Scheiß bei Ebay, sammeln unermüdlich Flaschen und Altpapier, zocken bei Sportwetten und an der Börse und bewerben sich bei Quiz-Shows.

Nun gut, schaut man sich die Zahlen auf ihrer Website an, sieht man, dass es bis zur Million noch ein weiter weg ist. Trotzdem verbirgt sich hier vielleicht jetzt schon eine Fundgrube an Tipps und Tricks, die einem zumindest zu ein bisschen mehr Kohle verhelfen könnten. Wer also gerade nicht so ganz weiß, wie es weitergehen soll, weil er den Schreibtisch bei der Bank oder seinen Platz auf dem Börsenparkett räumen musste, dem sei diese Seite wärmstens empfohlen. Weiterlesen „Wir sind jung und brauchen das Geld“

Schock: Big Brother läuft ja immer noch

Ich habe mich mal wieder bei der Bildzeitung umgeschaut und festgestellt: Big Brother läuft immer noch. Ich erfahre über das aktuelle Fernsehprogramm ja nur noch aus der Online-Ausgabe der Bild. Ich habe seit ca. zwei Jahren keinen Fernseher mehr. Aus Faulheit. Die Mühe, mir einen neuen zu organisieren, nachdem der alte den Geist aufgegeben hatte, war mir einfach zu groß.

Mit einiger Entrüstung bemerkte ich dann, dass sich inzwischen auch seriösere Blätter nicht zu schade sind, die peinlichen Auftritte des Boulevard-Intellektuellen Marcel Reich-Ranicki zu kommmentieren, nur weil der ein besseres Fernsehprogramm forderte.

Ich schweife ab, hier darf man das ja noch. Zurück zum Thema. In der Bild las ich heute, dass ein gewisser Oli nach einem Gewaltmarsch durch irgendeinen Parcours mit 20 Kilo auf dem Rücken zusammengebrochen ist. Bei der Bundeswehr hätte er mehr Kohle für den scheiß gekriegt. Bei Big Brother bekam zumindest früher ja nur der Gewinner Geld, aber das war in den Anfangszeiten als auch noch sich selbst für gebildet haltende Leute wie ich, so was anschauen konnten. Ich habe auch Dschungel-Camp geschaut. Alles. Wenn man schon einen Fernseher hat, dann sollte man auch die richtigen Sendungen gucken. Sonst kann man ja gleich ein Buch lesen.

Mich wundert allerdings, dass es Big Brother immer noch gibt: Früher wusste man ja nicht, ob die Leute, die da reingehen, vielleicht wirklich berühmt werden und manche haben es ja sogar für ein paar Monate geschafft. Aber heute? Heute kann man doch einfach ein paar Videos aus der eigenen WG bei YouTube hochladen, dafür braucht man doch so eine Sendung nicht mehr. Es gibt nur eine Erklärung, warum Leute wie Oli da hingehen. Um ihrer Oma eine Freude zu machen, die noch gutes altes Fernsehen schaut und ihren Enkel da mal ordentlich kollabieren und masturbieren sehen will.