Collagen oder wie man Absätze macht

  • Ich fand die Figur, die ich mir da vorgestern ausgedacht habe, sehr lustig, deshalb gleich weiter im Text: „Mann, heute echt mal kurz den Dritten Weltkrieg abgewendet! Ich war gerade so unterwegs, einfach mal wieder die guten alten Reifen auf der guten alten Straße ausführen und mir den Fahrtwind um die Nase pfeifen lassen und den hab ich echt, wenn ich auf meinem Dreirad da angerauscht komme! Die ganzen Fahrradfahrer sind doch alles nur Angeber, von wegen, hey ich kann… Read

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  • Der Kiesweg Ein Reiseroman in der Tradition von Jack Kerouacs „On the Road“ aus der Sicht eines Vierjährigen, der mit seinem Roller einen Kiesweg entlangfährt: „Mann, Halme, Halme, Grashalme, ich sag dir, da überkam mich diese ganze Wir-sind-eins-mit-der-Natur-Sache so phänomenal, dass ich dem mexikanischen Sonnengott erst mal ein paar Ameisen mit meiner Lupe opferte. Dann Tina, Tina, Frau meiner Träume, Sandschaufel immer am Start, ich liebe Frauen, die immer ihre Sandförmchen parat haben, wenn es darum geht, so ein bisschen… Read

  • Es war ein wunderschöner Tag in der vierten Dimension. Alle freuten sich. Die Katzenhunde schleckten an ihren Dauerlutschern, die Kakteen spielten Mariachi-Weisen und hatten alberne Sombreros auf dem Kopf, die Dinger, die keinen Namen haben, aber an Amöben erinnern, erinnerten an Amöben und der Hyperraum hyperte so vor sich hin, es war also alles, wie es sein sollte. Nur einer strich wie immer kopfschüttelnd und miesepetrig durch die Asphaltpappelfelder und kotzte seinen Weltschmerz in die nach Veilchen und Thunfischpizza duftende… Read

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  • Okay, okay. Vorhin hatte ich schlechte Laune, aber eigentlich erwartet der Leser unter obigem Titel ja eher etwas Aufheiterndes, also zweiter Versuch: Der Krapfendieb Familie Klebstoff sitzt fröhlich um den Kaffeetisch, als Oma Uschi auffällt, dass ein Krapfen der Darreichungsschale aufs Infamste entwendet wurde. Gleich einer mutierten Miss Marple mümmelt sie sich gebissklappernd durch sämtliche Winkel des kleinen Familienhäuschens und verbreitet bei allen Schuldgefühle, nach einer Reihe von Geständnissen wie den diversen Fehltritten ihres Schwiegersohns, die zwar interessant sind, aber… Read

  • Der Trompetenmörder: Ein musikalischer Serienkiller tötet seine Opfer mit das Gehirn lahmlegenden Blitzimprovisationen. Ein Humphrey-Bogart-Verschnitt darf endlich das tun, was er kann: Nur noch mit melancholischem Blick in Bars rumhängen und Musiker in komische Dialoge verwickeln. Die Liebe kostet auch nicht mehr als die Heizung: Klara und Schorsch führen eine völlig normale Beziehung, sie haben sich wenig zu sagen und ihr Sex ist so unbeholfen, dass man nicht mal darüber lachen kann. Sie versuchen beide, sich zu betrügen, nur um… Read

  • Ich bin so durcheinander! Ich bin so durcheinander, ich binde mir die Schuhe mit den Zehen zu. Ich bin so durcheinander wie ein Magen, der sich nicht entscheiden kann, welche der 20 Sorten Alkohol in ihm er jetzt als erstes wieder loswerden soll. Ich bin so durcheinander, vorhin habe ich versucht, eine Dose mit dem Dosenverschließer zu öffnen. Ich bin so durcheinander, ich hab einem Sanitäter für den Notfall einen Zettel geschrieben, dass er zur Wiederbelebung die Herzmassage am Knie… Read

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  • Bei uns um die Ecke macht jetzt eine Großraumdisko auf. Das wird ein Riesenteil, da arbeiten am Abend angeblich 100 Leute oder so und es gibt unzählige Räume, in denen man alles mögliche machen kann. Was wohl? 100-Meter-Lauf? Bowlen? Tennis-Spielen? Massenkundgebungen? Ich bin ja so ein altmodischer Freund kleiner kuscheliger Klubs, in denen man sich so fühlt, als wäre man in den Untergrund abgetaucht und eine neue Identität angenommen. Anderen Leuten scheint es Spaß zu machen, sich massenweise mit musikalischer… Read

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  • Einen Baum pflanzen, ein Kind zeugen, ein Haus bauen – und zwar genau in dieser Reihenfolge, denn wer in unseren modernen Zeiten einen Baum pflanzen kann, der kriegt sicher auch alles andere auf die Reihe. Im weißen Haus anrufen und sich als der neue Präsidentenberater vorstellen. Den Job kriegt man bestimmt, müssen die jetzigen Berater auch so bekommen haben. Anders kann ich mir die meisten Aktionen dort nicht erklären. Nicht mehr so viel jammern. Entweder richtig ausflippen oder sich still… Read

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  • Was man an Weihnachten auch mal machen könnte: Sich den Familienkrach sparen und einfach zu Hause bleiben bei Leuten, die einen wirklich mögen. Mal die guten heidnischen Bräuche pflegen und unter dem Tannenbaum nicht nur Geschenke ablegen, sondern sie in einem großen Freudenfeuer den Göttern opfern. Sich auch mal so eine tolle Blinkedekoration ins Fenster hängen, aber eine die mit Starkstrom läuft und blinkt wie ein Stroboskop. Tannen pflanzen. Um 12 ein paar Feuerwerkskörper loslassen umd vorher auf Null runterzählen,… Read

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  • Ich komme nach Hause. Ich gehe ins Badezimmer, um nachzuschauen, ob mein Gesicht noch im Spiegel zu sehen ist. Der Boden ist nass. Es tropft. Ich fange an, ein bisschen zu zittern. Es tropft. Ich rede mir ein, dass das Tropfen gleich wieder aufhören wird. Es tropft. Ich schaue nach, wo das unheilvolle Tropfen herkommt. Es tropft. Unten aus dem Rohr am Waschbecken. Na ja, sage ich mir, dann tropft es halt ein bisschen, stellt man halt einen Eimer drunter.… Read

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