Schreiben wie Proust

Ich lese in letzter Zeit ein bisschen Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ und bin immerhin schon im dritten Band dieses Jahrhundertroman-Mammutwerks angekommen. Warum tu ich mir das an? Einen Roman lesen, der die Memoiren eines Typen wiedergibt, der sein Leben lang nur von einem Salon in den anderen zog, am Strand spazierte und seine Beziehungen verkomplizierte? Es ist die Sprache. Diese langen Sätze, die jeder einzeln eine philosophische Abhandlung sein könnten. Ich denke, ich sollte auch mal ausprobieren, so zu schreiben:

Ich saß vor meinem Schreibtisch, jenem alten Relikt aus Kindertagen, als mein Blick auf die neu erstandene Uhr fiel, die ich mich gekauft hatte, um nicht mehr ständig auf mein Mobiltelefon zu schauen und dachte: Die Zeit, sie geht dahin, steht still, mal lang, mal kurz und rinnt aus den Seiten meines Kalenders wie der Sirup der Ewigkeit, von dem wir Menschen nur Tropfen kosten dürfen, bis auch wir zum Tropfen werden, der im Ozean des Universums aufgeht.
Daneben ein paar Knopfzellen, Batterien, die Münzen gleichen und stets nur im falschen Format vorhanden sind, wie unsere Lebensenergie, das Temperament, das gerade dann ruht, wenn es toben sollte und wütet, wenn Ruhe angebracht.
So schien auch mein Kopf mir ein Akku zu sein, dessen Ladung die Zeit aufbrauchte, um sie im nächsten Moment unverhofft wieder mit Strom zu füllen, wie ein Tintenfass, in das ich die Feder tauchen konnte, mit der ich meine Biografie fortschrieb, um sie sogleich Wirklichkeit werden zu lassen.
Und in jenem Moment wurde ich wieder der Zeiger der Uhr gewahr, des Sekundenzeigers, der vorwärts sprang und Unaufhaltsamkeit rief, während ich mit den Zeilen hier dem Ewigen ein Scherflein abgerungen hatte, das nun frei von mir als Flaschenpost des Geistes durch die Virtualität schwamm wie ein Walfisch, der gerade erst geboren war.

Wieder da – Bücher, die man auch mal schreiben könnte

Bin gerade frisch aus dem Urlaub zurückgekommen und habe festgestellt: Es hat sich nicht viel getan. Russland macht immer noch komische Sachen und mein Blog hat auch niemand gehackt. Zeit, eine Rubrik wiederzubeleben und sich ein paar Bücher auszudenken, die man auch mal schreiben könnte:

Wanderer ins Jenseits

Ein Krimi, der auf dem Jakobsweg spielt. Immer wieder verschwinden Wanderer auf Nimmerwiedersehen und keiner mag den Botschaften glauebn, die sie auf Erden hinterlassen: Bin aufgefahren! Habe das Licht gesehen! Bin verdampft. Nach einiger zeit findet Inspektor Krummwinkel, ein alternder Clumbo-Kojak-Maigret-Verschnitt, heraus, dass alle Verschwundenen sich von der gleichen Firma über den Jakobsweg tragen ließen: Epos Dei. Diese Firma bietet allerlei Dienstleistungen im Bereich des Buße Tuens an, unter anderem den durch bezahlten Ablass immer noch als Wanderung geltenden Transport über den Jakobsweg. Schon bald kommt Krummwinkel dank seiner unglaublichen kombinatorischen Fähigkeiten darauf, dass „Epus Dei“ sich so ähnlich wie Opus Dei anhört, was ihm einen Mordversuch und einer Reihe schlimerer Probleme beschert, die ihn aber schließlich der Lösung des Falles näher bringt, wobei auch die geheimnisvolle Helferin Maria eine besondere Rolle spielt…

Reise um die Welt in 80 Jahren

Ein Roman über einen  Menschen, der versucht sich mit Google Earth in feinster Auflösung einmal um den Erdball zu klicken.

Der Stubenhocker

Ein Fantasy-Roman über Gundolf, der sich weigert, es seinen Vorfahren nachzumachen und die Welt der Orks und Borgs zu beabenteuern. Er sitzt zu Hause und erlebt die richtig üblen Sachen. Er muss seine Wohnung sauber halten, Geld verdienen und seine Kinder im Zaum halten. Irgendwann kommen all die andern Abenteurer zurück und erzählen ihre Stories von Ringen und Rabauken und er muss dabei sitzen und sich das alles anhören. Eines Tages hält er es nicht mehr aus und beschließt, auch mal ein bisschen auf den Putz zu hauen. Er organisiert ein Dorffest und geht in die Geschichte ein als „Der der den einfacheren Weg zum Spaß haben fand“. (Bisschen resignativ, diese Idee…)

Bücher, die man auch mal schreiben könnte – XX

Der Morgenmuffel

Gustav Trumpf steht auf und die Welt geht unter, zumindest für ihn und das jeden Morgen. Beim Aufstehen springt er auf der falschen Seite aus dem Bett und knallt in vollem Schwung gegen die Wand, wobei nur sein linkes Bein verschon bleibt, auf dem er dann in die andere Richtung davon Hüpfen kann, wobei er mit dem kleinen Zeh an jeder Ecke der Wohnung anstößt. Gustav ist glücklich. So einen schönen Morgen hat er schon lange nicht mehr erlebt. Sonst wacht er auch gerne mal in einem vollgpissten Bett auf, um dann festzustellen, dass er nicht mal selber sein Bett eingesaut hat, sondern sein Vermieter, der besoffen vor ihm steht und ihn Agathe nennt und ihn bittet, ihn mit dem Staubwedel zu bearbeiten, dann schlagartig wieder zu Bewusstsein kommt und ihn prompt beschuldigt, an allem Schuld zu sein. Eine seltene Krankheit sorgt dafür, dass Gustav stets nur den Morgen eines Tages wirklich beio vollem Bewusstsein erlebt. Er arbeitet als Schrankenwärter an einer Schranke, die auch ohne ihn funktioniert.

Das Wetter

Ein meterologisches Epos. Ein Buch für Menschen, die den Smalltalk lieben. Endlich nicht mehr nur sagen: Schöners Wetter was? sondern: Das ist jetzt ein bisschen wie auf Seite 213 von „Das Wetter“, wo die Kumuluswolke den Berggipfel streichelt und dann geteilt wird….

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Filme nachdrehen

Ich habe „Abgedreht“ ja leider nicht sehen können, weil ich in der cineastischen Provinz lebe, deshalb habe ich mir selber ein paar Gedanken gemacht, wie man bekannte Filme nachdrehen könnte.

„King Kong“ – Onkel Manfred einfach mal ohne Bademantel die Straße runterlaufen lassen, von der Körperbehaarung her müsste es ungefähr hinkommen.

„Casablanca“  – Ich wollte schon immer mal zu einem DJ sagen: „Ich hatte doch gesagt, du sollst dieses Lied nie mehr spielen.“

„Star Wars“ –  bei mir wären die Jedi-Ritter noch cooler: Sie könnten inzwischen so gut mit der „Macht“ umgehen, dass sie ihre Kämpfe nur noch telepathisch austragen und sich auf zwei Stühlen grübelnd gegenüber sitzen.

„Matrix“ – bei mir würde Neo die andere Pille schlucken und so weiterleben wie bisher.

„Ratatouille“ – Mit echten Ratten. Einfach im Hausgang gefangen und dann vor laufender Kamera genüßlich verspeist.

„Basic Instinct“ – im Sinne des Titels – ohne störende Handlung.

„Und täglich grüßt das Murmeltier“ – Ein Murmeltier und ein Kalender –  mehr brauchs nicht.

„Das Boot“ – ein Urlaubsvideo.

„Der Pate“ – so eine Taufe kann ganz schön spannend sein.

Man könnte auch zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, z. B. gleichzeitig „Der Marathon Mann“ und „Außer Atem“ drehen.

„Stirb langsam“ ist doch eigentlich auch nur ein Alternativtitel für „Das Meer in mir“.

Ich geh jetzt raus und genieße das schöne Wetter –  wenn ich mich dabei flme kommt wohl automatisch eine neue Version von „Das Böse unter der Sonne zustande.

Bücher, die man auch mal schreiben könnte VII

Der Anachronist

Ein Künstler-Roman, der im Jahr 2121 spielt und in dessen Zentrum Jochen Sempf steht, ein Künstler, der sich der Aufgabe verschrieben hat, klassische Methoden der Kunst wieder zum leben zu erwecken. Er beginnt damit, seine Exkremente auszustellen, was die Kritiker zunächst als entsetzlich altmodisch ablehnen. gegen Ende des Romans schafft auch er es, sich der neuen Kunst zu öffnen und schafft sein Lebenswerk, das ihn für immer unsterblich machen wird: „Die Arbeitsverweigerung“. Er fährt von Ausstellung zu Ausstellung, wo er von roten Kordeln umgrenzt mit verschränkten Armen beleidigt auf einem Stuhl sitzt, um immer gerade dann, wenn sich einige Leute versammelt haben, um ihn anzustarren, einfach zu verschwinden.

Hämorrhiden

Aufzeichnungen eines Weltmeisters im Pfahlsitzen Weiterlesen „Bücher, die man auch mal schreiben könnte VII“