Lampenfieber hatte ich ewig nicht. Heute doch ein bisschen. Mein erster Auftritt vor Publikum seit zweieinhalb Monaten stand an. Vielleicht war ich auch deshalb etwas überfordert vom Chaos des Vormittags. Der Sohn hatte mich schon rüde geweckt und rannte die ganze Zeit schreiend durch die Wohnung.

Es wurde etwas besser mit einem Pixie-Buch Vorlesemarathon. Die Mutter hatte dankenswerterweise für Nachschub gesorgt. Geschichten über Müllautos und Traktoren beruhigen einfach.

Nur die Tochter wollte sich nicht beruhigen. Sie beschloss, einfach mal gar nicht zu schlafen bis zum Nachmittag. Schließlich durfte sie mit Bruders Lego spielen. Duplo-Legosteine von einer grünen Platte reißen und rumwerfen. Das war ihr Ding.

Der Sohn schaute sich noch ein gelbes Auto an und sagte: „Das ist kein Taxi, das ist ein Dixie.“ Wenn er meint. Später passierte etwas Magisches. Alle wurden ruhig. Warum? Ich hängte Wäsche auf. Wäsche aufhängen finden beide super.

Und dann ging der Rest der Familie auf den Spielplatz. Ich durfte zum Balkontheater. Mein Lampenfieber war unberechtigt. Es war wie immer. Auch wenn ich es lange nicht gemacht habe, scheint es doch mein Beruf zu sein. Die Leute auf der Wiese und dem Balkon waren sehr dankbar und ich glücklich mal einen Teil der Kolleginnen und Kollegen wieder zu treffen. Es ging um Hölderlin, Wiedersehen im Western, Wiedersehen im Musical, Wiedersehen bei Schiller und Homeschooling.

Als ich beschwingt wieder heimkehrte, wurde ich vom Sohn filmreif begrüßt mit: „Da ist unser Papa!“ Da kann ich ihm auch verzeihen, dass er jetzt um halb elf nach wechselnden Versuchen beider Elternteile immer noch nicht schläft.

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