„Woahh!“ sagte meine Tochter plötzlich, als ich ihr die Flasche gab. Dann grinste sie mich an, so nach dem Motto: Na? Erschreckt? Ich hoffe, sie hat nicht schon wirklich rausgefunden, wie leicht ich zu erschrecken bin. Der Sohn verbrachte einen ganz beschaulichen Vormittag. Ich las ihm aber auch zwanzig Bobo-Geschichten vor.

Später durfte der Sohn auf dem Balkon sandeln, während ich die Tochter schlafen trug. Die zwei Gewitter überstanden beide ohne größere Panik. Wenn man seinen Papa erschrecken kann, braucht man Gewitter nicht mehr zu fürchten.

Zwischendurch durften die Kinder in Begleitung zum Spielplatz, wo sie leider „keine Kinder, die ich kenne“ trafen, wie der Sohn bilanzierte. Wieder zurück erzählte der Sohn von seinem „Mubi-Auto“ und sagte: „Wir brauchen noch ein Krokodil.“ Manchmal braucht man so was eben.

Er machte das Krokodil dann aus Knete und kochte mir im Anschluss daraus ein Frühstück. Das Frühstück bestand aus: Kaffee, Zitrone und Maultasche.

Nach dem etwas turbulenten Abendessen, bei dem der Sohn noch diverse Erdbeeren und Tomaten aus den Balkonkästen naschte, sagte ich spaßeshalber zu ihm: „Räum doch mal noch die Knete auf.“ Ich spülte das Geschirr, die Mutter brachte die Tochter ins Bett. Ich drehte mich um: Die Knete war perfekt aufgeräumt, strikt nach Farben getrennt. Und dann schlief der Sohn auch noch ohne Umschweife ein. Ich bin sprachlos.

Zum Aufstehen sprach der Sohn heute mit einer Staubflocke: „Hallo du, na na? Wer bist du denn?“ Ich klärte ihn über die Unbelebtheit derselben auf. Der Tag war durchaus belebt. Auf eine gute Art und Weise.

Während ich frühstückte spielte die Tochter mit Bechern. Der Sohn hing im Wäschezuber und trank seine geliebte Milch. Wenig später wurde ich schon abgelöst und die Kinder durften in Begleitung zu den Pfauen und Kühen.

So konnte ich dei Kinder später freudig wieder begrüßen und ankündigen, dass wir schon gleich den nächsten Ausflug auf den Spielplatz auf dem Programm hatten.

Vorher stärkten wir uns noch. Jedes Kind mit jeweils seiner eigenen Milch. Der Sohn lag unter dem kleinen Klettergerüst für die Wohnung, hatte einen Zipfel des Tragetuchs in der Hand und telefonierte: „Ja, Herr Doktor, hallo. Bis du krank? Ja, ich bin schon krank. Schon krank. Musst du zum Doktor gehen, der gibt dir ein Pflaster. Ja, genau…“

Kurze Zeit später hatten wir dann den Spielplatz erreicht, wo der Sohn seinen neuen Freund treffen konnte. Ihr Begrüßungs- und Spielritual besteht darin, rhythmisch zu quietschen und zu hüpfen. Das geht dann eine ganze Zeit so weiter: „Ein Bagger, quietsch, quietsch, der macht was!!!“ Außerdem kletterten sie ausgiebig Stege und Stufen hinauf und hinunter.

Wir büßten wie immer die Hälfte unseres Sandelzeugs ein. Es waren auch ein paar größere Kinder da, die die große Rutsche in Beschlag genommen hatten. Ich versuchte, den Kleinen zu erklären, dass sie nicht vor der Rutsche stehen bleiben sollten, weil sie sonst die Füße der Rutschenden ins Gesicht bekommen. Die Großen hatten auch einen schönen Dialog. Einer fragte: „Wie spät ist es?“ Der andere antwortete: „Gleich.“, was als Angabe der Uhrzeit wohl ausreichend war.

Wieder zu Hause wusch ich dem Sohn das Gesicht, der aussah, als hätte er Kohle gevespert. Ich telefonierte noch kurz, was der Sohn kommentierte mit: „Ich will auch irgendwo anrufen“ und dann war auch schon wieder die Mutter da und halbwegs entspanntes Abendessen angesagt.

Nach dem Essen hatten die Tochter und ich einen Aha-Moment. Ich fand heraus, dass sie einem jetzt freudig die Zunge rausstreckt, wenn man es ihr vor macht. Wir waren gut beschäftigt und sie im Glück.

Der Sohn war von dem Doppelausflug so geplättet, dass er nach zehn Minuten einschlief. Vielleicht ziehen wir einfach dauerhaft auf den Spielplatz um.

Der Sohn und die Tochter entdeckten heute morgen ein neues Spiel: Er stapelt Plastikbecher auf, sie wirft sie um. Sie waren beide im Glück. Die Tochter erfreut sich gerade an Zerstörung, das war schob beim Lego so. Zwischendurch putzte der Sohn ihr noch die Zähne. Zumindest rammte er ihr eine Zahnbürste in den Mund und sagte: „Sie putzt Zähne!“

Der Sohn durfte schon vorfahren zur Verwandtschaft, während ich alleine mit der Tochter Youtube-Tutorials guckte, bis sie einschlief. Nach einer halben Stunde erwachte sie wieder. Ich hielt sie im Arm und genoss, wie sie völlig fasziniert auf die weiße, von Sonne beschienene Wand des Hauses gegenüber starrte.

Der Sohn hatte einen spektakulären Tag: Er durfte Onkel und Opa mit seinen Cousins zum Tennis spielen begleiten. Als wir anderen drei ankamen, waren alle ins Wasserspiel vertieft. In einer Art Planschbecken waren Bahnen und Räder aufgebaut. Mein Sohn erfreute sich daran, eine Wasserpistole aufzufüllen.

Zum Abend gab es wirklich gutes Essen. Der Sohn und die Cousins schichteten Holz. Der Sohn sagte auf die Frage: „Warum stehst du denn so am Rand?“ „Ich bin der Dachdecker.“ Die Tochter durfte noch Brei essen und ihn auf Papa und sich selber verteilen.

Zu guter Letzt fuhren die drei Jungs mit allem was der Fuhrpark hergab: Dreirad, Bobby-Car und Mini-Traktor die kleine Böschung am Haus herunter. Besondere Freude kam auf, wenn sie „einen Unfall bauten“: Bin mal gespannt, wie das später so läuft mit dem Führerschein.

Lampenfieber hatte ich ewig nicht. Heute doch ein bisschen. Mein erster Auftritt vor Publikum seit zweieinhalb Monaten stand an. Vielleicht war ich auch deshalb etwas überfordert vom Chaos des Vormittags. Der Sohn hatte mich schon rüde geweckt und rannte die ganze Zeit schreiend durch die Wohnung.

Es wurde etwas besser mit einem Pixie-Buch Vorlesemarathon. Die Mutter hatte dankenswerterweise für Nachschub gesorgt. Geschichten über Müllautos und Traktoren beruhigen einfach.

Nur die Tochter wollte sich nicht beruhigen. Sie beschloss, einfach mal gar nicht zu schlafen bis zum Nachmittag. Schließlich durfte sie mit Bruders Lego spielen. Duplo-Legosteine von einer grünen Platte reißen und rumwerfen. Das war ihr Ding.

Der Sohn schaute sich noch ein gelbes Auto an und sagte: „Das ist kein Taxi, das ist ein Dixie.“ Wenn er meint. Später passierte etwas Magisches. Alle wurden ruhig. Warum? Ich hängte Wäsche auf. Wäsche aufhängen finden beide super.

Und dann ging der Rest der Familie auf den Spielplatz. Ich durfte zum Balkontheater. Mein Lampenfieber war unberechtigt. Es war wie immer. Auch wenn ich es lange nicht gemacht habe, scheint es doch mein Beruf zu sein. Die Leute auf der Wiese und dem Balkon waren sehr dankbar und ich glücklich mal einen Teil der Kolleginnen und Kollegen wieder zu treffen. Es ging um Hölderlin, Wiedersehen im Western, Wiedersehen im Musical, Wiedersehen bei Schiller und Homeschooling.

Als ich beschwingt wieder heimkehrte, wurde ich vom Sohn filmreif begrüßt mit: „Da ist unser Papa!“ Da kann ich ihm auch verzeihen, dass er jetzt um halb elf nach wechselnden Versuchen beider Elternteile immer noch nicht schläft.

Heute kaufte ich groß ein für die Familie, das Wochenende und alles, was noch kommen mag. Wenn die Leute den Einkaufswagen sehen, denken die sicher: „Der ist aber spät dran mit hamstern.“ Nach dem Supermarkt war noch ein Besuch im Baumarkt dran.

Der Sohn durfte heute ein bisschen hämmern. Ich hatte im Kaufrausch auch gleich noch eine Säge eingepackt, bis mir wieder einfiel, dass das Kind doch erst zweieinhalb ist, aber ich genoss es einfach so, draußen unterwegs zu sein. Es beruhigte mich etwas, dass neben den Hämmern gerade ein Junge im Schulalter über seiner kleineren Schwester eine Axt aus dem Regal zog. Also gleich zwei Sägen mitgenommen.

Das Hämmern löste einen kleinen Begeisterungssturm aus. Nicht nur beim Sohn, sondern auch bei der Tochter, die jeden Hammerschlag lachend in ihrer Wippe kommentierte. Der Sohn fand es toll, immer mehr Nägel im Holz verschwinden zu sehen. Vor allem, wenn der Papa sie reinschlug. Nach dreißig Nägeln, sägte ich ihm zur Entspannung noch ein bisschen was vor.

Die kleine Schwester spuckte irgendwann noch ihren Schnulli aus. Der Sohn sagte: „Sie hat ihren Schnulli rausgebläst und zu uns geschmisst.“ Vielleicht hat das Hämmern ein bisschen das Sprachzentrum beeinträchtigt.

Zum Abendessen bewies der Sohn doch wieder Scharfsinn. Ich fragte ihn: „Soll ich dir das Fischstäbchen durchschneiden?“ Er zerteilte es mit seinem Löffel und sagte: „Durchlöffeln!“