Die Liebe zum Absurden

Was das Schreiben und Lesen angeht, habe ich eine Schwäche: Ich liebe das Absurde. Es gibt nichts Schöneres für mich als eine Geschichte über einen Hydranten zu lesen, der auf Wanderschaft geht, um das olympische Feuer zu interviewen.
Mir ist klar, dass viele Menschen angesichts eines solchen Szenarios die Augenbrauen hochziehen und sagen: Okay, alles klar… und einen dann in die Kategorie „bekloppt“ einordnen.
Woher diese Lust am Abgefahrenen? Dieses Suchen des Abwegigen? Was mich begeistert an solchen Geschichten oder sagen wir besser Bildern ist gerade ihre Unkonventionalität. Ich habe eine Menge Bücher gelesen, Filme gesehen, Literatur studiert und was soll ich sagen: Ich kann nachvollziehen, warum man sich eine stringente Geschichte, ein klares Thema, eine Bezug zur Realität wünscht.
Ich aber suche eine Herausforderung in der Literatur. Etwas, das jenseits der ausgetretenen Pfade liegt. Sicher lese auch ich gerne mal ein normales Buch. So ein bisschen Realitätsbezug schadet bestimmt nicht. Den größten Eindruck auf mich machen aber die Bücher, die im Kopf einen Sturm von verwirrenden Bildern auslösen, die einen mir einem großen „Hä?“ zurücklassen.
Die Suche nach dieser Verwirrung, diesem Moment, in dem man wirklich gar nichts mehr versteht, ist gerade der Reiz dieser Geschichten. Seien es Kurzgeschichten von Borges, Romane von Pynchon, das große Wagnis „Naked Lunch“ von William S. Burroughs. – Diese Werke haben mir viel Freude und Verstörung gebracht.
Vielleicht ist es nur der Ausflug in eine Absurdität, die sich selbst genügt, während unser Leben, dieser Alltag auf ganz andere Art und Weise absurd sein kann. Das Genießen von absurder Kunst ist vielleicht eine radikalere Herangehensweise an den Satz von Rilke: „Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein. „

Wo geht die Reise hin?

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Diese Frage stelle ich mir oft in dieser Zeit. Ich befinde mich an einem Punkt der Weichenstellung und kann noch nichts dazu sagen. So wie auch diese Artikel hier auf nichtssagende Weise vielseitig sind.
Oft frage ich mich, ob die Frage, wo es hingeht, sich nicht immer stellen müsste. Es ist ja so: Man weiß nie, was passiert. Oder wie Wittgenstein sagte: „Dass die Sonne morgen aufgehen wird, ist eine Hypothese; und das heißt: wir wissen nicht, ob sie aufgehen wird.“
Genau genommen könnte jederzeit alles passieren. Die Frage, wo es hingeht, was man tun soll, stellt sich nur manchmal mehr oder weniger. Sie steht dann auf einmal im Raum wie ein unpassendes Möbelstück, das man all die Jahre ignoriert hat.
Ich weiß nur eines: Es wird etwas mit Sprache zu tun haben. Die Wörter gehen mir nicht aus. Ich könnte zum Beispiel einen super Roman schreiben über den Tag, an dem die Worte ausgingen. Der Anfang ginge so: „Und dann gingen auf einmal allen die Wörter aus…“ Der Rest schreibt sich dann von selber.
Man könnte auch sagen: Ist doch albern, sich diese Fragen zu stellen und daraus so ein Ding zu machen. Im Supermarkt verfällt man ja auch nicht in philosophische Betrachtungen darüber, welche Schlange man wählen soll. Wobei, wenn ich es mir recht überlege, könnte das schon sein.
Ich sollte einkaufen gehen….

Warum überhaupt schreiben?

Warum überhaupt schreiben? Diese Frage stelle ich mir oft. Ich schreibe eigene Texte seit den bewegten Tagen meiner Jugend. Das sagt wohl so ziemlich jeder, der schreibt. Glaubt man gewissen Philosophen, besteht die Welt sogar in erster Linie aus „Geschriebenem“. Erst das Fixieren in einer Art von Schrift erzeugt demnach etwas, das wir Wirklichkeit nennen können. Man kann sich darüber streiten, ob das stimmt. Es gibt aber einen Hinweis darauf, welche Funktion das Schreiben für uns haben kann.
Das Schreiben hilft dabei, sich seine Welt zu konstruieren und gleichzeitig wird mir durch mein Schreiben erst sichtbar, wie ich meine Welt konstruiere. Das Schreiben zwingt mich, meine Gedanken in einer Reihenfolge zu bringen. Erst hier wird aus den Assoziationen eine Spur, der man folgen kann.
Nur warum tue ich das? Woher dieses Bedürfnis, sich immer wieder des eigenen Denkens zu versichern? Das hat ein Dozent uns schon am Anfang meines Philosophie-Studiums gefragt. Eine simple Antwort wäre vielleicht: Weil ich es kann. Andere machen vielleicht lieber ständig Fotos von sich, weil sie das können. Das ist eine andere Art, sich selbst zu reflektieren.
Die zweite Antwort wäre: Weil ich es nicht kann. Vielleicht sind Andere sich ihrer Sprache derart sicher, dass sie sich nicht weiter mit ihr beschäftigen müssen. Aber was heißt hier Andere? Alle schreiben ja irgendwie.
Schreiben, wie ich es begreife, ist ja eher kreatives Schreiben, ein Schreiben, das Mitteilung macht von den Geschichten, die ich mir ausdenke, von dem speziellen Blickwinkel auf die Welt, dessen Farbe ich für wertvoll halte.
Das mag narzisstisch sein. Doch wie sagte jemand mal so schön: You got to get in to get out. Dem Narzissmus entrinnt man vielleicht nur, wenn man sein Schreiben eben nicht für sich behält, wenn man den Spiegel, in dem man sich sieht, öffentlich macht.
Das Schreiben ist mein Anker in der Welt, auch wenn es oft den Anschein macht, als sei ein Schreibender der Welt abgewandt. Ich glaube, durch das Schreiben gewinnt man eine Welt. Und vielleicht bleibt man damit nicht allein.

14 Jahre Poetry Slam Tübingen

Zur Abwechslung mal wieder ein ganz normaler Veranstaltungshinweis: Am Mittwoch wird der Poetry Slam Tübingen 14 Jahre alt und das feiern wir um 20 Uhr im Schlachthaus mit großartigen Gästen. Mit dabei sind diesmal unter anderen Marius Loy aus Esslingen, Lisa-Marie Olsakiewicz und Kai Bosch aus Stuttgart und der Special Guest Yannick Steinkellner aus Bochum.


Für mich wird es ein ganz besonderer Abend, weil ich langsam rausrotiere aus dieser Slam-Geschichte. Also ich werde auch danach nicht komplett für immer weg sein, aber deutlich seltener da, mal schauen, wie sich das entwickelt…
Ich werde einen tränenreichen Text über die 14 Jahre vortragen, in dem natürlich klargestellt wird, dass schon der Titel falsch ist: Slam gibt es in Tübingen nämlich schon seit ca. 22 Jahren, nur kann man das nicht so genau sagen, weil in der Anfangszeit im Blauen Salon noch keiner Buch geführt hat und wir noch nicht dabei waren. Konnte ja keiner ahnen, dass aus so einer Studenten-Jux-Veranstaltung so ein Kulturphänomen werden würde.
Also: 20 Uhr, Schlachthaus, Schlachthausstr. 9, Tübingen. Türöffnung: 19 Uhr.

Neue Website

Hey, ich habe eine neue Website! Wie immer am Anfang des Jahres dachte ich: Man könnte ja mal wieder die Website aktualisieren. Und siehe da: Es ist getan. Ist ja auch kein Kunststück auf so einer WordPress-Seite mal das Theme zu wechseln.
Nur frage ich mich: Was bedeutet das eigentlich? Neue Website? Irgendwie ist das heutzutage ein Ereignis, obwohl sich am Inhalt der Seite ja gar nichts ändert. Es sieht hoffentlich irgendwie besser und aktueller aus. Wenn ich sehr kritisch wäre (was ich nur teilweise bin), würde ich sagen: Was ist das für eine Welt, in der man ständig eine neue Website braucht? Man sagt ja auch nicht: Hey, sorry, du hast immer noch den selben Körper wie vor zwei Jahren, dich anzuschauen, lohnt sich nicht. Wobei mir Leute einfallen, die das bestimmt ab und zu zu anderen sagen.
Der Vergleich mit dem Körper hinkt natürlich. Der Körper verändert sich tatsächlich. Nur altert er meistens und wird nicht immer aktueller. Insofern ist das mit der Homepage vielleicht so wie der Wunsch nach der ewigen Jugend.
Neue Website – neues Leben, so fühlt sich das an. Tatsächlich schaue ich auch immer bei allen möglichen Leuten, Künstlern, Ärzten, Handwerkern, Sporttrainern, auf die Homepage und gebe meistens dem den Vorzug, dessen Seite am besten aussieht. Was soll ich auch sonst machen? Von der Materie verstehe ich ja meist nichts.
Insofern ist es gar nicht so blöd, die eigene Homepage zu erneuern. Wenn die virtuelle Welt immer mehr Einfluss hat auf die Welt da draußen, die echte, oder wie auch immer man sie jetzt noch nennen soll, dann müsste jetzt auch meine reale Existenz eine spektakuläre Erneuerung erfahren. Und tatsächlich fühle ich mich schon ganz anders. Außerdem ist es gerade dunkel geworden, wenn das mal nichts mit der Website zu tun hat…