Poetry is back (?)

Hey Poesie, wo hast du dich versteckt?
Hab lange nicht meine Metren gecheckt.
Zu lange blieben die Blätter hier weiß,
jetzt weiß ich wies geht, doch jetzt bin ich ein Greis.
Ich laber, wird dieses Wort noch benutzt?
Möglich, dass mancher Jüngere stutzt.
Der Slang ist verbraucht und die Jacke ist out,
dafür hab ich etwas aus Pappe gebaut,
ich habe jetzt Hobbys, die kannte ich nicht.
Ich tu keinem weh, ich tu meine Pflicht.
Doch eine Sache wird niemals aussterben:
Das Reimen mit Nomen und aktiven Verben,
die Sprüche, auch wenn sie im Vorort verhallen,
ich spreche noch deutlich wenn andere lallen.
Schau wieder vorbei. Ich frage wie wär’s?
Und widme dir manchen echt unreinen Vers.

Die Liebe zum Absurden

Was das Schreiben und Lesen angeht, habe ich eine Schwäche: Ich liebe das Absurde. Es gibt nichts Schöneres für mich als eine Geschichte über einen Hydranten zu lesen, der auf Wanderschaft geht, um das olympische Feuer zu interviewen.
Mir ist klar, dass viele Menschen angesichts eines solchen Szenarios die Augenbrauen hochziehen und sagen: Okay, alles klar… und einen dann in die Kategorie „bekloppt“ einordnen.
Woher diese Lust am Abgefahrenen? Dieses Suchen des Abwegigen? Was mich begeistert an solchen Geschichten oder sagen wir besser Bildern ist gerade ihre Unkonventionalität. Ich habe eine Menge Bücher gelesen, Filme gesehen, Literatur studiert und was soll ich sagen: Ich kann nachvollziehen, warum man sich eine stringente Geschichte, ein klares Thema, eine Bezug zur Realität wünscht.
Ich aber suche eine Herausforderung in der Literatur. Etwas, das jenseits der ausgetretenen Pfade liegt. Sicher lese auch ich gerne mal ein normales Buch. So ein bisschen Realitätsbezug schadet bestimmt nicht. Den größten Eindruck auf mich machen aber die Bücher, die im Kopf einen Sturm von verwirrenden Bildern auslösen, die einen mir einem großen „Hä?“ zurücklassen.
Die Suche nach dieser Verwirrung, diesem Moment, in dem man wirklich gar nichts mehr versteht, ist gerade der Reiz dieser Geschichten. Seien es Kurzgeschichten von Borges, Romane von Pynchon, das große Wagnis „Naked Lunch“ von William S. Burroughs. – Diese Werke haben mir viel Freude und Verstörung gebracht.
Vielleicht ist es nur der Ausflug in eine Absurdität, die sich selbst genügt, während unser Leben, dieser Alltag auf ganz andere Art und Weise absurd sein kann. Das Genießen von absurder Kunst ist vielleicht eine radikalere Herangehensweise an den Satz von Rilke: „Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein. „

Wo geht die Reise hin?

DSC00027
Diese Frage stelle ich mir oft in dieser Zeit. Ich befinde mich an einem Punkt der Weichenstellung und kann noch nichts dazu sagen. So wie auch diese Artikel hier auf nichtssagende Weise vielseitig sind.
Oft frage ich mich, ob die Frage, wo es hingeht, sich nicht immer stellen müsste. Es ist ja so: Man weiß nie, was passiert. Oder wie Wittgenstein sagte: „Dass die Sonne morgen aufgehen wird, ist eine Hypothese; und das heißt: wir wissen nicht, ob sie aufgehen wird.“
Genau genommen könnte jederzeit alles passieren. Die Frage, wo es hingeht, was man tun soll, stellt sich nur manchmal mehr oder weniger. Sie steht dann auf einmal im Raum wie ein unpassendes Möbelstück, das man all die Jahre ignoriert hat.
Ich weiß nur eines: Es wird etwas mit Sprache zu tun haben. Die Wörter gehen mir nicht aus. Ich könnte zum Beispiel einen super Roman schreiben über den Tag, an dem die Worte ausgingen. Der Anfang ginge so: „Und dann gingen auf einmal allen die Wörter aus…“ Der Rest schreibt sich dann von selber.
Man könnte auch sagen: Ist doch albern, sich diese Fragen zu stellen und daraus so ein Ding zu machen. Im Supermarkt verfällt man ja auch nicht in philosophische Betrachtungen darüber, welche Schlange man wählen soll. Wobei, wenn ich es mir recht überlege, könnte das schon sein.
Ich sollte einkaufen gehen….

Warum überhaupt schreiben?

Warum überhaupt schreiben? Diese Frage stelle ich mir oft. Ich schreibe eigene Texte seit den bewegten Tagen meiner Jugend. Das sagt wohl so ziemlich jeder, der schreibt. Glaubt man gewissen Philosophen, besteht die Welt sogar in erster Linie aus „Geschriebenem“. Erst das Fixieren in einer Art von Schrift erzeugt demnach etwas, das wir Wirklichkeit nennen können. Man kann sich darüber streiten, ob das stimmt. Es gibt aber einen Hinweis darauf, welche Funktion das Schreiben für uns haben kann.
Das Schreiben hilft dabei, sich seine Welt zu konstruieren und gleichzeitig wird mir durch mein Schreiben erst sichtbar, wie ich meine Welt konstruiere. Das Schreiben zwingt mich, meine Gedanken in einer Reihenfolge zu bringen. Erst hier wird aus den Assoziationen eine Spur, der man folgen kann.
Nur warum tue ich das? Woher dieses Bedürfnis, sich immer wieder des eigenen Denkens zu versichern? Das hat ein Dozent uns schon am Anfang meines Philosophie-Studiums gefragt. Eine simple Antwort wäre vielleicht: Weil ich es kann. Andere machen vielleicht lieber ständig Fotos von sich, weil sie das können. Das ist eine andere Art, sich selbst zu reflektieren.
Die zweite Antwort wäre: Weil ich es nicht kann. Vielleicht sind Andere sich ihrer Sprache derart sicher, dass sie sich nicht weiter mit ihr beschäftigen müssen. Aber was heißt hier Andere? Alle schreiben ja irgendwie.
Schreiben, wie ich es begreife, ist ja eher kreatives Schreiben, ein Schreiben, das Mitteilung macht von den Geschichten, die ich mir ausdenke, von dem speziellen Blickwinkel auf die Welt, dessen Farbe ich für wertvoll halte.
Das mag narzisstisch sein. Doch wie sagte jemand mal so schön: You got to get in to get out. Dem Narzissmus entrinnt man vielleicht nur, wenn man sein Schreiben eben nicht für sich behält, wenn man den Spiegel, in dem man sich sieht, öffentlich macht.
Das Schreiben ist mein Anker in der Welt, auch wenn es oft den Anschein macht, als sei ein Schreibender der Welt abgewandt. Ich glaube, durch das Schreiben gewinnt man eine Welt. Und vielleicht bleibt man damit nicht allein.