Der Sohn legte heute Abend einen neuen Rekord hin in Sachen Wutanfall: „Ich will noch Zähne putzen! Ich will noch einen Film gucken!“ „Ach komm, jetzt gehen wir mal ins Bett, morgen treffen wir auch jemand und gehen spazieren!“ „Nein! Ich will zu Hause! Bleiben! Ich will den ganzen Tag Zähne putzen!“ So ging das eine halbe Stunde lang. Nachdem es vorher auch schon etwas schwierig war.

Zum Glück schlief er kurz später ein. Morgens hatte er noch Lego im Bad gespielt, während seine Schwester sich am Boden wälzte und seine Eltern sich für den Tag frisch machten. Der Tag war lang und ereignisreich. Der Sohn durfte aufs Land und seine Cousins besuchen.

Ich durfte den Wocheneinkauf machen, während meine Frau die Tochter spazieren trug, um andere lebenswichtige Dinge zu besorgen. Zum ersten Mal seit Wochen war wieder weniger los. Ein Herr im dm fragte eine Verkäuferin: „Sie machen doch im Radio Werbung für Schutzmasken. Wo haben Sie die denn jetzt?“ Ich hätte mich gefreut, wenn die Verkäuferin gesagt hätte: „Ja, wir machen im Radio Werbung für Masken, aber in Wirklichkeit haben wir die gar nicht.“, aber sie war nett und zeigte es ihm.

Zu Hause demonstrierte die Tochter ihre Fähigkeiten in Sachen Lautstärke und fasste sich immer wieder an den Mund. Sieht schwer nach Zahnen aus. Zahnen ist ein Mysterium. Man sagt bei jedem Schrei: „Bestimmt die Zähne.“, aber bis die Zähen kommen, weiß man das nicht. Erst wenn dann nach Monaten Zähne kommen, kann man sagen: „Siehst du, ich wusste es doch: Die Zähne!“

Abendessen gab es in guter Gesellschaft mit thailändischer Küche. Der Sohn spielte mit seiner Puppe. Er hatte sie in mehrere Lagen Decken eingepackt und murmelte: „Und jetzt in den Rettungswagen…Dann kommt die Feuerwehr…Und das Päckle muss wieder zum Bahnhof.“

Wahrscheinlich wäre am besten da schon schlafen gegangen.

„Was willst du denn zum Frühstück?“ fragten wir den Sohn. „Nudeln!“ war die eindeutige Antwort. Er aß mit volle Ernst Nudeln zum Frühstück. Drei. Mehr feste Nahrung nahm er erstmal nicht zu sich. Dafür aß er Mittags eine wilde Mischung aus Keksen, Mangomus und einer Brezel zum Nachtisch. Kinder haben irgendwie einen anderen Magen als Erwachsene.

Seine Schwester zog er noch an den Haaren, was uns aber mehr ausmachte als ihr. Sie durfte Mittags auch noch Mangomus essen, nachdem der erste Versuch mit Brokkoli-Kartoffel-Brei gescheitert war. Sie aß Mangomus und schnappte sie wie immer den Löffel, um ihn nie nie mehr loszulassen, was dazu führte, das ihre Hände voller Magomus waren und später auch ich.

Die Arme bekommt aber wohl wirklich Zähne, zumindest ihrer Laune nach zu urteilen. Der Sohn ließ mich noch verschiedene Fahrzeuge für ihn malen, wobei er mir den Stift wegnahm und sagte: „Ich mach es besser.“

Später durfte ich zur Arbeit. Zum zweiten Mal schon nach der Pause durfte ich draußen Theater spielen. Wenn auch vor begrenzter Zuschauerzahl und mit einem Visier zum Singen. Mit so einem Visier fühlt man sich wie mit einem Brett vorm Kopf, nur einem aus Plastik.

Der Tontechniker starb mehrere Tode am Mischpult, aber den Leuten schien es trotzdem zu gefallen. Wir spielten auf dem Parkplatz des Theaters. Der Vorhang wehte uns manchmal in den Nacken, einmal glaubte ich, das Piepsen einer Waschmaschine aus dem Nebenhaus zu hören, aber es war trotzdem ein schöner Abend.

„Knuspermüsli! Ich will Knuspermüsli!“ schrie der Sohn unter Tränen, als hinge sein Leben davon ab. Also gaben wir ihm Knuspermüsli und schlagartig war alles wieder gut.

Nach dem Früstück erklärte er mir, welche Namen seine Autos haben: „Chok, Linan, Perlenauto und Mannschaftswagen.“ Das hob meine Laune beträchtlich und ich war bereit, fünfzig Bobo-Geschichten vorzulesen.

Die Tochter machte sich später über das Lego des Sohnes her, indem sie ein Stück nach dem anderen von der Unterlage abriss. Der Sohn quittierte es mit völligem Desinteresse. Zerstörung ist für Kinder normal.

Der Sohn selber erzählte noch eine Horrorgeschichte anhand seines Playmobil-Katalogs, der für ihn so was ist wie das Buch der Bücher: „Die Geistermonster essen dieses Gespenst auf.“ Und er fügte als Steigerung hinzu: „Und dieses Gemonster.“ John Carpenter wäre stolz gewesen.

Ich ging mit den Kindern noch auf den Spielplatz, während die Mutter zu Hause am Rechner schuften durfte. Der Sohn kann inzwischen fast überall hochklettern, was es manchmal spannend, aber auch entspannter macht, weil ich ihn nicht mehr überall hochhieven muss.

Wir trafen seinen Freund, der einen Bagger dabei hatte. Der Sohn fand den Bagger sehr gut, der Freund wollte ihn aber auch haben. Der Wutanfall war unausweichlich. Nachdem beide Kinder abwechselnd geschrien hatten, gingen wir nach Hause.

Beim Abendessen erfuhren wie, wie unser Sohn Bier nennt: „Schaumisaft“. Es gab noch ein Bad für beide Kinder, was die Tochter wieder mit freudigem Strampeln im Wasser begleitete. Der Sohn durfte seinen Schlafanzug anziehen und bemerkte dabei: „Ich habe lange Beine. Ein Vogel Strauß hat auch lange Beine.“

„Woahh!“ sagte meine Tochter plötzlich, als ich ihr die Flasche gab. Dann grinste sie mich an, so nach dem Motto: Na? Erschreckt? Ich hoffe, sie hat nicht schon wirklich rausgefunden, wie leicht ich zu erschrecken bin. Der Sohn verbrachte einen ganz beschaulichen Vormittag. Ich las ihm aber auch zwanzig Bobo-Geschichten vor.

Später durfte der Sohn auf dem Balkon sandeln, während ich die Tochter schlafen trug. Die zwei Gewitter überstanden beide ohne größere Panik. Wenn man seinen Papa erschrecken kann, braucht man Gewitter nicht mehr zu fürchten.

Zwischendurch durften die Kinder in Begleitung zum Spielplatz, wo sie leider „keine Kinder, die ich kenne“ trafen, wie der Sohn bilanzierte. Wieder zurück erzählte der Sohn von seinem „Mubi-Auto“ und sagte: „Wir brauchen noch ein Krokodil.“ Manchmal braucht man so was eben.

Er machte das Krokodil dann aus Knete und kochte mir im Anschluss daraus ein Frühstück. Das Frühstück bestand aus: Kaffee, Zitrone und Maultasche.

Nach dem etwas turbulenten Abendessen, bei dem der Sohn noch diverse Erdbeeren und Tomaten aus den Balkonkästen naschte, sagte ich spaßeshalber zu ihm: „Räum doch mal noch die Knete auf.“ Ich spülte das Geschirr, die Mutter brachte die Tochter ins Bett. Ich drehte mich um: Die Knete war perfekt aufgeräumt, strikt nach Farben getrennt. Und dann schlief der Sohn auch noch ohne Umschweife ein. Ich bin sprachlos.

Zum Aufstehen sprach der Sohn heute mit einer Staubflocke: „Hallo du, na na? Wer bist du denn?“ Ich klärte ihn über die Unbelebtheit derselben auf. Der Tag war durchaus belebt. Auf eine gute Art und Weise.

Während ich frühstückte spielte die Tochter mit Bechern. Der Sohn hing im Wäschezuber und trank seine geliebte Milch. Wenig später wurde ich schon abgelöst und die Kinder durften in Begleitung zu den Pfauen und Kühen.

So konnte ich dei Kinder später freudig wieder begrüßen und ankündigen, dass wir schon gleich den nächsten Ausflug auf den Spielplatz auf dem Programm hatten.

Vorher stärkten wir uns noch. Jedes Kind mit jeweils seiner eigenen Milch. Der Sohn lag unter dem kleinen Klettergerüst für die Wohnung, hatte einen Zipfel des Tragetuchs in der Hand und telefonierte: „Ja, Herr Doktor, hallo. Bis du krank? Ja, ich bin schon krank. Schon krank. Musst du zum Doktor gehen, der gibt dir ein Pflaster. Ja, genau…“

Kurze Zeit später hatten wir dann den Spielplatz erreicht, wo der Sohn seinen neuen Freund treffen konnte. Ihr Begrüßungs- und Spielritual besteht darin, rhythmisch zu quietschen und zu hüpfen. Das geht dann eine ganze Zeit so weiter: „Ein Bagger, quietsch, quietsch, der macht was!!!“ Außerdem kletterten sie ausgiebig Stege und Stufen hinauf und hinunter.

Wir büßten wie immer die Hälfte unseres Sandelzeugs ein. Es waren auch ein paar größere Kinder da, die die große Rutsche in Beschlag genommen hatten. Ich versuchte, den Kleinen zu erklären, dass sie nicht vor der Rutsche stehen bleiben sollten, weil sie sonst die Füße der Rutschenden ins Gesicht bekommen. Die Großen hatten auch einen schönen Dialog. Einer fragte: „Wie spät ist es?“ Der andere antwortete: „Gleich.“, was als Angabe der Uhrzeit wohl ausreichend war.

Wieder zu Hause wusch ich dem Sohn das Gesicht, der aussah, als hätte er Kohle gevespert. Ich telefonierte noch kurz, was der Sohn kommentierte mit: „Ich will auch irgendwo anrufen“ und dann war auch schon wieder die Mutter da und halbwegs entspanntes Abendessen angesagt.

Nach dem Essen hatten die Tochter und ich einen Aha-Moment. Ich fand heraus, dass sie einem jetzt freudig die Zunge rausstreckt, wenn man es ihr vor macht. Wir waren gut beschäftigt und sie im Glück.

Der Sohn war von dem Doppelausflug so geplättet, dass er nach zehn Minuten einschlief. Vielleicht ziehen wir einfach dauerhaft auf den Spielplatz um.