Ich habe mir gerade fast einen Hexenschuss geholt, als ich die Seite hier mal wieder überarbeitet habe. Wahrscheinlich sind weder mein Stuhl, noch mein Tisch, noch mein Rechner besonders geeignet, meinem Rücken gut zu tun.
Nun habe ich mich wieder an das Stehpult gestellt, das ich seit einiger Zeit mein eigen nenne. Es ist nichts besonderes, aber es erfüllt einigermaßen seinen Zweck. Was es aber nicht kann: Die Versuchung des Sitzens aufheben.
Sobald ich an diesem Ding stehe, habe ich wilde Assoziationen von Stühlen, Sesseln, Fauteuils, in denen ich wunderbar lümmeln könnte, ja ein Stuhl erscheint mir dann fast verlockender als ein Bett.
Woher nur diese Begeisterung für das Sitzen? Angeblich ist diese für uns so typische Körperhaltung ja völlig unnatürlich. Ich frage mich nur: Wenn das Sitzen unserer menschlichen Natur so zuwiderläuft, warum tun wir es dann mit solcher Konsequenz und Begeisterung? Müsste uns Sitzen dann nicht widerlich vorkommen?
Sicher könnte man sagen: Wir sind Opfer des Systems, das uns Sitzen lehrt, oder noch extremer: Opfer der Sitzverschwörung. Man will nicht, dass wir stehen, damit wir nicht auf den Gedanken kommen, auch in anderen Kontexten aufzustehen. Nur ein sitzender Konsument ist ein guter Konsument. Er wird träge und immer bereiter, sich alles reinzuziehen.
So wäre dann das Disruptivste, was man derzeit tun könnte: Aufstehen. Insofern kann ich mich trösten, dass mein Leiden am Stehpult ein wahres revolutionäres Potential hat.

Ganz schnell schreibe ich in einer Lücke zwischen den Zeiten. Ich denke an Zenon von Elea und seine Paradoxa. Wenn man die Zeit immer mehr unterteilt, vermehrt sie sich. Das ist meine These.
Gerade jetzt hätte ich wohl gar nicht geschrieben, wenn ich nicht schlicht versuchen würde, eine kleine Lücke in der Zeit zu finden, ein Fenster zwischen Mittagessen und Familienspaziergang.

Zwei Haikus dazu:

Ich habe keine
Zeit. Ich schaffe Zwischenraum.
Vakuum im All

Schon fragt die Welt nach
mir. Sie zieht mich nach draußen.
Das Drinnen kommt mit.

So, mehr Zeit ist nicht.
Aber ich persönlich finde, ich habe die zwei Minuten, die ich jetzt hatte, gut genutzt. Wenn man jede Minute sparen würde, in der man sonst sinnlose Dinge tut, wie den täglichen Coffee to go kaufen, um die Hälfte dann wieder wegzuschütten und dabei nicht zu trinken, sondern noch etwas Anderes zu tun, dann wäre man steinreich. Und das ganz ohne an Geld denken zu müssen.

Der Morgen ists, wenn wir verdrängen,
wie unsre alten Wangen hängen,
wie grau die Wolken sich nun färben,
die Blätter an den Bäumen sterben.
Wenn wir erinnern: Es gab gestern
und ein Duell naht wie im Western
mit dem Tag, der nun beginnt,
an dem man selbst wie alles spinnt.
Dann wird uns selber jetzt auch klar,
dass eigentlich schon Mittag war.

Heute wieder passiert: Eine Studentin fragt mich nach dem Weg zum Bahnhof. Ich weiß nicht, ob das bei anderen auch so ist, aber ich werde wirklich oft nach dem Weg gefragt. Vielleicht weil ich einigermaßen harmlos aussehe.
Wenn ich dann zur Wegbeschreibung ansetze, ändert sich der Eindruck immer. Ich neige dazu, dann in eine Art atemlosen Vortrag auszubrechen, wo es jetzt lang geht, wobei ich immer rechts und links verwechsle, also jeden zweiten Halbsatz verbessern muss mit: „Und dann recht, nein links, also links, ja links, oder nein rechts!“. Außerdem beschreibe ich die örtlichen Gegebenheiten gerne genau. „Da ist so ein Spielplatz und dann kommt ein Glascontainer und dann dieses verbeulte Schild und dann muss man rechts, nein links…“
Am Ende der Beschreibung bin ich mir immer sicher, dass die Person nur noch schnell weiter will und auf jeden Fall nochmal jemand nach dem Weg fragt, weil es so konfus war. Es tut mir echt leid. Geografie und räumliche Orientierung sind einfach nicht meine Stärke. Wobei ich mich selber selten verlaufe. Ich weiß ja, wo das verbeulte Schild, der Spielplatz und der Baumstumpf sind, an denen ich vorbei muss.
Andererseits finde ich es toll, dass Menschen überhaupt noch nach dem Weg fragen, anstatt immer nur auf ihr Smartphone zu schauen. Vielleicht denken sie auch: „Ah, der sieht verrückt aus, mal schauen, was er für eine Wegbeschreibung zu bieten hat.“ Das wäre sowieso mal eine Idee: Einfach Leute nach dem Weg fragen. Wahllos. Und dann alle Beschreibungen nebeneinander legen. Man könnte seine Stadt ganz neu kennen lernen. Und die Menschheit. Und den Unterschied zwischen links und rechts.

Es geht wieder los – Die neue Saison steht vor der Tür und ich frage mich, was sie wohl bringen wird. Ich frage mich auch, ob das in anderen Berufen ähnlich ist. Sagen zum Beispiel die Leute im Supermarkt: Na, jetzt wollen wir doch mal sehen, was dieses Jahr neu in den Regalen steht! Und dann die Leute, wir haben einen neuen, der mit sich selber redet und immer nur Gummibärchen kauft, habe ich gehört, bin gespannt, wann er bei mir an der Kasse vorbei kommt.
Ich werde laut Kalender vor allem eines tun: Improvisieren. Ich werde mich der Kunst hingeben, Dinge aus dem Stegreif zu erfinden. Schon seltsam, dass diese Kunstform bei mir so dominant geworden ist, wo ich doch gerne schreibe, was ja wohl eher das Gegenteil des Improvisierens ist. Wobei ich zugeben muss, dass auch das hier gerade ziemlich improvisiert ist.
Ich wäre sehr interessiert daran, auch einmal noch andere Formen der Improvisation kennen zu lernen. Also nicht Impro-Theater, sondern zum Beispiel auch Impro-Literatur, also ein Format, in dem man instantan für das Publikum schreibt. Das hätte durchaus seinen Reiz, glaube ich. In der Schweiz gibt es so etwas. Existiert das vielleicht auch irgendwo hier in meiner Nähe?
Ansonsten gibt es die ein oder andere geheime Nebentätigkeit, von der ich noch nichts verraten kann. Es ist weniger mysteriös, als es sich anhört. Wir werden sehen…
Am besten sind ja immer die Dinge, die noch nicht im Kalender stehen. Oder eben, wenn im Supermarkt mal etwas gar nicht ins Regal passt. Gab es nicht mal früher einen, wo man einen Elefanten kaufen konnte? So etwas sollte es wieder geben. Nur vielleicht nicht mit Elefanten. Eher schöne Träume…