Shitstorm Therapie

Der Shitstorm tobt, die Welle rollt,
fast schon egal, wer welchem grollt.
Du loggst dich ein und ziehst’s dir rein,
dann denkst du: Ach, ich armes Schwein,
die andern liked man, hier nur Hater
nur weg hier, zwei Sekunden später,
schaust du noch mal, ein Hoffnungsschimmer
und dann ist es noch viel schlimmer.
Da bleibt nur eins: Realität,
das Internet ist auf Diät.
Und du kommst runter in den Garten,
wo ungelikte Pilze warten,
die in den untern Erdgefilden
ihr eignes feines Netzwerk bilden.
So haust du nach der Online-Panne
nun endlich auch wen in die Pfanne.

Poetry is back (?)

Hey Poesie, wo hast du dich versteckt?
Hab lange nicht meine Metren gecheckt.
Zu lange blieben die Blätter hier weiß,
jetzt weiß ich wies geht, doch jetzt bin ich ein Greis.
Ich laber, wird dieses Wort noch benutzt?
Möglich, dass mancher Jüngere stutzt.
Der Slang ist verbraucht und die Jacke ist out,
dafür hab ich etwas aus Pappe gebaut,
ich habe jetzt Hobbys, die kannte ich nicht.
Ich tu keinem weh, ich tu meine Pflicht.
Doch eine Sache wird niemals aussterben:
Das Reimen mit Nomen und aktiven Verben,
die Sprüche, auch wenn sie im Vorort verhallen,
ich spreche noch deutlich wenn andere lallen.
Schau wieder vorbei. Ich frage wie wär’s?
Und widme dir manchen echt unreinen Vers.

Kabel sind gefährlich

Gestern Nacht schaute ich beim schreiben so auf meinem Schreibtisch herum und stellte fest: Wenn ich eines besitze, sind es Kabel. Ich habe ein Smartphone-Ladekabel, zwei Kamera-Ladekabel, mehrere Kopfhörer mit Kabeln, Boxen, die man mit einem Kabel an den Rechner anschließt, mehrere USB-Kabel, mit denen man wiederum Festplatten, MP3-Player oder so anschließen kann, außerdem diverse Kabel für Musikinstrumente und am Ende natürlich auch noch die guten alten Stromkabel.
Ich kann mich nicht an dem Moment in meinem Leben erinnern, in dem ich dachte: Wenn es eines gibt, das ich auf dieser Welt wirklich im Überfluss haben will, dann sind das Kabel! Nein, ich bekenne: Ich habe ein völlig langweiliges normales Konsumentenleben geführt. Und selbst die Geräte, die an den Kabeln hängen habe ich zu großen Teilen nur gekauft, weil man so etwas heute eben braucht.
Jetzt sitze ich hier und fummele aus dem Kabelhaufen, wobei man es eher einen Kabelwust nennen müsste, das eine Kopfhörerkabel heraus, mit dem ich am Rechner Musik hören kann. Es ist ja nicht so, als wären die Kabel universell einsetzbar, für jedes Gerät gibt es ein eigenes Kabel. Selbst wenn es sich um eigentlich universell einsetzbare USB-Kabel handelt, haben die gerne am kleineren Ende alle unterschiedliche Formen, damit man ja nicht auf die Idee kommt, die Kamera mit dem gleichen Kabel wie das Smartphone anzuschließen.
Dazu kommt noch: Kabel sind ja nicht etwa besonders ästhetische Gegenstände, sondern einfach nur abgrundtief hässlich. Meine sind fast alle schwarz, das finde ich immer noch besser als dieses Weiß, das nach drei Tagen immer aussieht, als hätte man es durch einen brackigen Tümpel gezogen. Ich habe einen Kollegen, der sich zumindest immer farbige Gitarrenkabel kauft, damit seine von Technik erfüllte Welt nicht ganz so trist ist. Mir fehlt die Zeit, ich bin damit beschäftigt, meine Kabel zu entwirren. Und ich bin zu faul, Kabelbinder zu benutzen.
Worüber beschwere ich mich? ich könnte der Technik entsagen und im Wald leben. Ich könnte alle Kabel durch bunte in Filz verpackte Kabelkunstwerke ersetzen. Ich haber bleibe ein postpostmoderner Konsument und beschwere mich lieber über den Abfall, den meine verschwenderische Existenz mit sich bringt. Da wäre es mir echt lieber, alles würde durch irgendeine Art Kraftfeld miteinander verbunden. Das würde dann wahrscheinlich Kabel in meinem Kopf wachsen lassen, aber die sind da, wie man sieht, ja ohnehin schon.

Sex – von Spaß war nie die Rede II

SEXII_Cover_V2.inddSo heißt die großartige Anthologie, die dieser Tage erscheint und in der sich neben Texten von so tollen Leuten wie Horst Evers, Jess Jochimsen, Martina Brandl, Ahne und Volker Surmann auch eine Story von mir findet. Ein Buch voller wahnwitziger Geschichten über Sex und seine Kollateralschäden. Ich freue mich, dabei zu sein.

Sommerpause

Der Schweiß fließt von dir wie in Bächen,
die Sonne scheint sich grimm zu rächen,
dass du sie sonst so oft verschmähtest
und stets im Dunkeln, wenn es spät ist,
auf wohl versteckte Bühnen stiegst.
Du, der du nun darnieder liegst:
Die Stimme schwach, die Haut verbrannt,
das Publikum schon weggerannt.
Ach, wenn doch nur schon Winter wär!
Seufzt du beim Sommer-Open-Air.

Monsterwellen

Der Spiegel schreibt heute über Monsterwellen.
Meine Lieblingsmonsterwellen:
– Die Krümelmonsterwelle: Die Welle, die dafür verantwortlich ist, dass die mitgebrachten Kekse am Strand aufweichen.
– Die Zwergmosnterwelle: Ist zwar nicht hoch, durchfährt einen aber recht ordentlich, wenn sie beim ins Wasser gehen unerwartet, nicht mehr nur die Knie benetzt, sondern bis in Hüfthöhe schwappt.
– Die Monsterwelle unter dem Bett: Schenk deinem Kind kein Wasserbett!
– Die Westerwelle: Kein Kommentar.

Genosse Steinmeier und sein Plan

So, jetzt ist es passiert. Die SPD hat mal was Anderes gemacht, als sich selbst völlig zu blamieren. Sie hat ihr Wahlprogramm vorgestellt: Deutschland soll sich in blühende Landschaften voller Öko-Zeugs verwandeln und damit auch noch fett Kohle machen. Klar, das mit den blühenden Landschaften kennen wir vom alten CDU-Zentralkommiteevorsitzenden Helmut Kohl, aber diesmal geht es wohl um noch größere Wolkenschlösser.

Schon tönt es aus den Reihen der anderen Parteien: Das sei ja schlimmste Planwirtschaft! Abgesehen davon, dass ich die formulierten Ziele auch für ziemlich illusorisch halte, muss man aber eines festhalten: Sozialistische Zustände herrschen hier schon, zumindest, wenn ich es richtig verstanden habe.

Der Staat hat sich doch noch und nöcher an allen möglichen Banken etc. beteiligt und die Leute mit der Abwrackprämie geradezu genötigt, neue Autos zu kaufen. Gut, im Sozialismus hat man jahrelang auf ein Auto gewartet und letztendlich ist die staatliche Beteiligung dann wohl doch noch etwas anders gestrickt.

Trotzdem finde ich es seltsam, dass die gleichen Leute, die die ganze Zeit flöten, die Krise sei ja längst vorbei und Deutschland bei stagnierendem Wachstum auf dem besten Weg zum zweiten Wirtschaftswunder nun auf einmal behaupten, Steinmeiers Pläne seien völlig illusorisch.

Hach, der Wahlkampf! Ein Fest für uns Freunde der Spitzfindigkeit!