Liebe mich! Das scheint die Botschaft unserer Zeit zu sein. Das fällt mir gerade zwischen zwei Atemzügen wieder ein. Immer mehr scheint unser Leben, oder zumindest das von vielen, die ich kenne, sich darum zu drehen, geliebt zu werden.
Klar, man kann sagen: War das nicht schon immer so? Sehnten nicht auch die Bauern auf den Feldern des Mittelalters sich nach jemandem, der bemerkte, das sie arbeiteten? Ich denke, sie waren froh zu überleben. Schon gut, dass wir nicht mehr so ums Überleben kämpfen müssen, aber warum dieser irrsinnige Wunsch nach Bestätigung, dem ich ja auch nachgehe, indem ich das hier schreibe?

Liebe in kleinen
Dosen aus dem Cloud-Regal.
Wir sind da – echt jetzt.

Ich existiere
nur durch andere, deren
Blick und Klick mich schafft.

Liebe mich! Es ist ein zu großes Wort. Wirklich geliebt werden wollen wir nicht. Das würde ja heißen, jemand will sein Leben mit uns teilen. Es ist nur dieser kleine Kick, den man spürt, wenn die Userzahlen steigen, wenn unter dem Bild eine größere Zahl von Daumen und Herzen steht. Es heißt: Wir finden das gut, was du da machst. Und damit auch irgendwie dich. Und wir belügen uns automatisch. Wir glauben es. Dabei war ja immer nur das Bild gemeint.
Wir müssten es schaffen, uns auch noch diese Zuneigung einzubilden. Insofern wäre die alte Idee von Berkeley interessant: Was, wenn wir uns all diese Follower, Freunde, oder wie auch immer unsere Internet-Gruppe nun heißt, wenn wir uns all diese Wesen nur einbilden?

Ich klicke hier, ich klicke da,
ich like und du schreist: Hurra!
Hurra! schallt es von mir zurück.
Ja, so einfach ist das Glück.

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