All die Gefühle

die Gefühle sind zu viel. Und es werden immer mehr. Jedes Jahr, jeden Tag ein neues Gefühl, für das man nur halbherzig Worte findet.

Schon ein Wort für ein Gefühl zu haben, heißt, es ein Stück weit zu bändigen.

Man ordnet die Gefühle in Kategorien ein:

Ich war total aufgebracht.

Ich war total aufgebracht, als es im Supermarkt keinen Parmesan mehr gab.

Aber ehrlicher wäre es doch zu sagen:

Ich hatte das kein.Parmesan-mehr-da-Gefühl. Hatte Entzugserscheinungen.

Dieses Gefühl, dass ich jetzt nicht diesen salzigen Kick haben werde beim Essen,

sondern meine Nudeln mit Tomatensoße einfach nach Nudeln mit Tomatensoße schmecken.

Was soll ich machen? Schokolade drüber raspeln?

Stattdessen sagt man dann: Ich war total aufgebracht.

Und das schreibt man dann in die Beschwerde-Mail.

Nicht, dass ich der Typ wäre, der Beschwerde-Mails schreibt.

Ich bin viel zu träge für so was.

Beim Lesen würde mich meine Beschwerde wohl eher zum Lachen bringen.

Vielleicht sind auch all diese Bewertungen, die man im Internet lesen kann, gar nicht ernst gemeint.

„Wenn man das Licht im Hotelzimmer ausgemacht hat, war es auf einmal dunkel! Unglaublich!“

„In der Dusche war es nach dem Duschen total nass!“

„Wenn man das Fenster aufgemacht hat, kam auf einmal ohne Absprache Frischluft ins Zimmer!“

Nur so ein Gefühl,

wie das Gefühl, wenn mein Rechner anzeigt:

„Ihre Outlook-Einstellungen sind veraltet.“

Wie fühle ich mich denn da?

Überrascht? Verärgert? Schmutzig?

Diese ganzen Geräte und Programme drängen einem Gefühle auf, die sie selber gar nicht haben.

Maschinen sind da echt im Vorteil.

Aber sie fühlen sich davon auch nicht besser.

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