Ich war im Kino und habe es bitter bereut. Habe mir „Burn after Reading“ das neueste Machwerk der Coen-Brüder angeschaut. Damit wir uns nicht falsch verstehen. Viele ihrer Filme liebe ich. „Teh Big Lebowski“ hat mich so manchen White Russian schlürfen lassen, um noch mehr an seiner wundervollen Welt teilhaben zu können, „Barton Fink“ war einfach nur eine Erleuchtung und für „No Country for old men“ haben die Coens völlig zu Recht den Oscar bekommen.

„Burn after Reading“ erscheint dagegen nur wie der Versuch, ein paar Stars ein bisschen Blödsinn machen zu lassen und damit viel Kohle abzusahnen. Das wird vor allem an Brad Pitt deutlich, der hier einen geistig eher simpel entwickelten Fitnesstrainer spielt. Wenn man mal außer Acht lässt, dass es sich hier um niemand geringeren als seine Star-Majestät Brad Pitt handelt, erscheint die Figur sehr bald sehr unglaubwürdig und nicht einmal besonders witzig.

Den ganzen Film über hat man das Gefühl, es wird immer genau dann geschnitten, wenn mal etwas Aufregendes passieren könnte. Ich muss natürlich sagen, dass es auch Leute gibt, die von diesem Film begeistert sind und gerade diese Verweigerung der Eskalation als genial ansehen, mir hat er trotzdem nicht gefallen. Das Eindruck, man werde hier unterschätzter Zuschauer eines sinnlosen Starreigens wird noch verstärkt durch das völlige Fehlen einer Hauptfigur.

Zur Rettung des Filmes ließe sich höchtens noch mein Verdacht anbringen, dass vielleicht die Synchronisation mangelhaft ist, was sich in einer der ersten Szenen beobachten lässt, in der John Malkovich optisch völlig ausflippt, während seine deutsche Stimme ganz getragen rezitiert, dass das doch so alles nicht sein könne.

Was man dem Film nicht vorwerfen kann, ist Langeweile. Durch die ständigen Sprünge zwischen den Personen ist immer was los, nur dass ich mir öfters mal ein Verweilen gewünscht hätte, um mal einen echten Ausbruch beobachten zu können und nicht diese wohldosierten Halbpointen.

Im Nachhinein fühlte ich mich fast als Opfer eines Hypes, der diesem Film sogar eine ganze Seite Interview in der Printausgabe der Zeit einbrachte. Auf jeden Fall hatte der Film eine so kathartische Wirkung auf mich, dass ich mich nun wieder neuen frischen Entdeckungen des europäischen Kinos zuwenden kann, bis mich meine irrationale Verehrung für Hollywood wieder in so einen Schinken treibt.

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