Die armen armen Kinder

Auf Spiegel online las ich gerade, dass in einem neuen Unicef-Bericht steht, arme Kinder in Deutschland würden ausgegegrenzt und hätten es auch ansonsten schwerer als Kinder reicher Eltern. Was für eine Erkenntnis! Und ich dachte immer, arm sein sei total angesagt!

In meiner Phantasie sah ich das immer so: Es klingelt zur großen Pause. Die Kinder strömen schreiend auf den Pausenhof. Auch heute wird wieder das härteste Kind gewählt. der arme Paul will seinen Titel verteidigen. Er wohnt mit seiner 5köpfigen Familie in einem Umzugskarton vor der Bahnhofsmission und trägt nichts am Leib außer zwei unterschiedlichen Turnschuhen, einem Lendenschurz und seinen Schulbüchern, die er sich immer mit einer Kordel um den Leib bindet, um es wenigstens ein bisschen wärmer zu haben. Timmy hat ihn herausgefordert. Timmy ist der erste Junge an der Schule, dem alle Zähne ausgefallen sind, weil es bei ihnen zu Hause nur noch Brei zu essen gibt, den seine Mutter aus den Resten geschenkter Essensreste kocht – über einem Lagerfeuer natürlich.

In einer Ecke des Scholhofes drücken sich die Reichen Kinder herum. Verzweifelt verssuchen sie, ihre glänzenden Markenstiefel dreckig zu machen aber aus Bosheit polieren die armen Kinder sie immer wieder, damit man die Reichen auch noch von weitem erkennt. Die Mülleimer vor der Schule quellen über von teuren Spielzeugen, die keiner haben will, um nicht ausgegrenzt zu werden.

Paul verteidigt seinen Titel, nachdem bekannt wird, dass sein Vater kein Hartz IV mehr bekommt. Das Amt erwischte ihn beim Verrichten seiner Notdurft auf einer Wiese und schloss daraus, dass er als Düngerlieferant schwarz arbeite.

Ja, das stimmt natürlich alles gar nicht. In Wirklichkeit gehen die reichen Kinder nicht mal auf eine Schule mit den armen. In Deutschland wird Intelligenz ja gerne Mal am Beruf der Eltern fest gemacht. Was tun? Vielleicht sollte man armen Kindern zu einer zweiten Identität verhelfen. So ähnlich wie bei Kronzeugen. Immer noch besser als sie später als echte Kronzeugen gegen das organisierte Verbrechen im Gerichtssaal begrüßen zu müssen. Da hat man als Armer in Deutschland immer noch die meisten Aufstiegschancen. Hat zumindest einen Vorteil: Unser organisiertes Verbrechen wird in Zukunft auch sehr ordentlich organisiert sein. Soll ja alles seine Ordnung haben.

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Ein Kommentar

  1. buchstaeblich · Juni 11, 2008

    Paul hat eine Kordel? Pah! Wir früher hatten nicht einmal Kordeln.

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