Stau vor Santiago

Gerade las ich in der Netzeitung, dass Hape Kerkerlings Bestseller-Wanderbericht: „Ich bin dann mal weg.“ für einen Pilger-Boom gesorgt hat. Man stelle sich vor: Ein einst beschaulicher Pfad, auf dem nur Mancher eine spirituelle Erfahrung in der Abgeschiedenheit suchte, wird nun zum Highway der Erleuchtung.

Am Beginn des Pfades richtet man eine Schranke ein, die dafür sorgen soll, dass nicht zu viele den heiligen Pfad betreten. Der ein oder andere pilgert auch gar nicht mehr selbst, sondern wird von seinen Kräftigeren Gesinnungsgenossen durch die Gegend geschoben. Die ersten Würstchenbuden zur Verpflegung der pilgernden Massen werden aufgebaut und zum Gebet stehenzubleiben, wird verboten, damit der Fluss nicht ins Stocken kommt.

Komisch, diese Entwicklung. Ich dachte immer, man läse solche Bücher, um über etwas Bescheid zu wissen, was man selbst niemals tun würde. Fährt ja auch nicht jeder gleich ins Dschungelcamp, nur weil er sich gerne die Fernsehsendung anschaut. Schlimm, dieser Vergleich. Wenn das so weitergeht, wird Fernsehen vielleicht bald zur Beschäftigung der wahrhaft Erleuchteten, die abseits vom großen Strom der Verblendeten, teilhaben wollen am Licht der Wahrheit.

Der Weg nach Santiago de Compostela teilt nun das Schicksal vieler Indy-Bands und abgefahrener Sportarten. Er ist Kult geworden und droht nun, seinen Zauber zu verlieren. Fragt sich nur, ob sich Hape Kerkerling nun über diese Entwicklung ärgert oder sich heimlich ins Fäustchen lacht, weil er als Medienprofi diese Entwicklung schon kommen sah.

Ich werde vielleicht mal ein Buch darüber schreiben, dass es zur seelischen Reinigung führt, in Zelten zu leben. Dann kann ich vielleicht bald für weniger Miete in einer wesentlich besseren Wohnung wohnen.

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Ein Kommentar

  1. thewritingfranz · Mai 22, 2008

    Entsetzlich, das mit den Würstlbuden. Als nächstes kommen wohl die Prostituierten auf den einzelnen Stationen. Da lobe ich mir den Öleusweg zu Ehren des Gottes Oleus auf Kreta. Da findet ihr auf meiner Seite einiges dazu. Der JAKOBSWEG IST OUT; ES LEBE DER öLEUSWEG:

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