Börsencrash II

Dem Typ, dem vorgeworfen wird die Société Générale in den Ruin getrieben zu haben, wird jetzt nachgesagt, er hätte gigantische Wetten auf den Dax abgeschlossen. Das bestärkt mich in meiner Theorie, dass diese ganze Börsensache nichts anderes als Monopoly für Erwachsene. So schlecht wäre das gar nicht, mein Bruder war in Monopoly früher ein As, vielleicht gehört unserer Familie bald die halbe Weltwirtschaft, wenn ich ihn mal darauf ansetze…

Trotzdem, jetzt mal ganz ernsthaft. Da sitzt einer in seinem Büro und schließt Wetten ab mit dem Vermögen des von ihm verwalteten Unternehmens oder so und wenn es gut genangen wäre, hätte man wahrscheinlich nur gesagt: Na ja, der Mann hat halt seinen Job gemacht.

Irgendwie kommt es mir so vor, als wären wir Normalsterblichen, die nicht mit ihren Goldbarren in ihren Büros Türmchen bauen und sie, wenn sie fast unter Decke angekommen sind, wieder einstürzen lassen, einfach selber daran Schuld, dass wir das alles so ernst nehmen und denken, diese ganzen Spielereien hätten etwas mit hartem Kapital zu tun, das einen klar definierbaren materiellen Wert hat. Die obersten Kapitalisten scheinen demnach diejenigen zu sein, die als erste durchschaut haben, dass der Kapitalismus in Wirklichkeit ganz großer Schwachsinn ist und während wir uns noch irgendwie damit auseinandersetzen, zocken die einfach schwachsinnig vor sich hin. Am Ende sind die ganzen Geschichten von Wirtschaftsbossen und Betriebsräten, die sich vollgekokst mit ein paar Gespielinnen durch teure Hotelzimmer wälzen nur die offizielle Version von dem, was da wirklich abläuft. Die nehmen kein Koks, die nehmen LSD und die Gespielinnen sind am Ende die, die den Laden wirklich am Laufen halten und sich ein paar fertige Wirtschaftsbosse aufs Zimmer bestellen.

Vielleicht sollte man einfach mal in eine der Chefetagen schlendern, sich da in eins von den leeren Büros hocken und warten, bis jemand einen bemerkt und dann erklären: Ja hi, ich bin der Neue, könnt ihr mir mal nen Wagen Koks hier reinschieben und nen großen Aschenbecher, ich will nur ein paar Millionen verbrennen… Die lassen sich da am Ende drauf ein und man kann dann ein bisschen was von ihrem Spielgeld abzweigen und es Leuten schicken, die mit Geld noch etwas anfangen können, außer es zu verzocken.

Diese ganzen Börsenberichte und die ernste Atmosphäre da, alles Quatsch. Da laufen hinter den Kulissen die selben schmierigen Buchmacher rum, die unsereins nur von der Pferderennbahn kennt. „Hey, ich hab nen ganz heißen Tip: Siemens stürzt heute ab, jemand hat dem Vorstandsvorsitzenden K.O.-Tropfen in seinen Hafer gemischt!“ Mir tun die armen Irren leid, die dann auch noch BWL studieren, um später was in der Wirtschaft zu machen. Ja, tut mir leid Jungs, da wärt ihr mal besser regelmäßig ins Casino gegangen.

Eines ist an der ganzen Sache natürlich dann besonders interessant: Bekanntlich verdienen die Kasinos selbst das meiste am Glücksspiel. Wer also wirklich Kohle machen will, der sollte wohl eine Börse aufmachen.

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