Ich muss zum Amt. Das ist in der Liste der mich in Panik versetzenden Dinge der absolute Super-GAU! Wenn ich zu irgendeinem Amt gehe erwarte ich immer, dass man mir sagt: Ja, Herr Kienzler jetzt ist Schluss, so jemand wie Sie dürfte es eigentlich gar nicht geben, ihr gesamtes Lebenskonzept verstößt gegen alle Vorschriften, die es gibt. Sie sind so ein nichtswürdiges Subjekt, dass wir Ihnen sogar den Führerschein abnehmen müssen, obwohl Sie gar keinen haben und genau das ist das Problem, Sie produzieren Widersprüche, wo es gar keine geben dürfte. Wir werden Sie jetzt sofort in die nächste geschlossene Anstalt überführen und hoffen, dass Sie sich dort wenigstens den Verhaltens- und Denkweisen Ihrer Mitgefangenen, äh Mitpatienten anpassen, im Vergleich zu Ihrem jetzigen Zustand wären Sie dann sogar annähernd normal. Solche Schreckensvisionen im Geiste trabe ich dann durch die unwirtlichen Flure der Verwaltungsanstalt und es tut dem Wuchern meiner panischen Spekulationen nicht besonders gut, dass man dann meistens noch zwei Stunden ein Nummernzettelchen hoffnungsvoll in der Hand zerknitternd auf dem Flur warten muss, bis man dann endlich eines der heiligen Büros betreten darf, wo sich dann heraus stellt, dass man dort falsch ist und vor einem anderen Büro noch mal zwei Stunden warten darf. Ich glaube, manche Beamte wissen gar nicht, in welcher Gefahr sie schweben, wenn Sie mich dann mit der ihnen einzigartigen Mischung aus aufgesetzter Höflichkeit, Verachtung und schlechter Laune bazufertigen versuchen. Ich bin jedes Mal wieder erleichtert, wenn ich dann wieder in Freiheit bin, sich alle angeblich unlösbaren Probleme in Luft aufgelöst haben und ich es wieder einmal geschafft habe, doch nicht Amok zu laufen, aber der nächste Ämtergang kommt bestimmt …

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One response to “Ämter”

  1. Sehr gut. Mir geht es auf dem Amt immer genauso. Ich habe ständig das Gefühl, das man mir irgendwann auf die Schliche kommt.

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