Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich immer dann am besten arbeite, wenn ich eine Sache gar nicht so wichtig nehme, also mir sage: Ach, diese Arbeit, die ich da schreiben muss, das ist doch alles nur so intellektuell angehauchtes Geschwafel, da schüttel ich mir schon irgendwas aus dem Ärmel! Bei einer wichtigen Besprechung denke ich, ach ich hab ja eh keine Ahnung, worum es geht, ich tue einfach mal so, als hätte ich Ahnung, mal schauen wie weit ich damit komme. Das funktioniert! Wenn ich im Gegenteil denke: Ja, dieser Text, das ist ja die künstlerische Ambition hoch zehn, dann schmeiß ich ihn am Ende immer weg, weil ich selber gar nicht mehr verstehe, was ich da eigentlich schreiben wollte. Ich darf also einfach nicht so hohe Erwartungen haben. Ich werde mich eines Tages in die Frau verlieben, bei der ich meine Brötchen kaufe, weil ich mit ihr zufällig ein Gepräch über das Wetter anfange, das sich dann unverhofft zu einem wahren Gewitter der Leidenschaft entwickelt und wenn wir dann heiraten und es heißt, dass wir uns treu sein sollen, bis dass der Tod uns scheidet, dann werde ich denken: Ach nö, nö, so wild ist das alles gar nicht, das sind ja nur Floskeln, wenn ich mal ein bisschen fremdgehe ist das auch nicht schlimm und die Liebe na ja.. und genau das wird dann die perfekte Ehe sein! Ich werde sie nie betrügen, weil ich ja mit mir ausgemacht habe, dass ich das durchaus könnte und dann hab ichs nicht mehr nötig. Und wenn wir dann Kinder haben, werd ich auch nur sagen, ach der Kleine hat sich einen Flammenwerfer zum Geburtstag gewünscht, na ja so schlimm ist das gar nicht, kriegt er halt ein Feuerzeug…

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