Ich habe ein Problem: Wenn ich abends weggehen will bin ich selten dafür in Stimmung. Ich will zu Hause in Matratzenbergen versinken, Musik hören und Bücher über Abenteuer in fernen Ländern lesen. Ich will etwas erleben, aber zu hause erlebt man nichts, man ist alleine und kocht sich dauernd Tee oder isst irgendwas, was man nicht essen sollte, dann geht man doch noch weg aber zu spät und teilt sich einen Tresen mit Alkohol und Alkoholikern. Ich gehe also doch weg und denke, die Stimmung kommt schon noch und der Abend wird lustig und ich tanze ganz viel und trinke viel und rede viel und habe auf dem Heimweg das Gefühl, dass trotzdem nicht mehr passiert ist als zu Hause. Vielleicht wäre arbeiten besser, pausenlos arbeiten, auch abends, immer etwas Sinnvolles machen, Geld anhäufen und sich niemals die Frage stellen zu müssen, wozu das alles? So mache ich das: Ich arbeite ganz viel und verdiene Massen an Geld, pausenlos und stelle mir die Frage: Wozu das alles? Ich ignoriere die Frage, ich hinterfrage gar nichts mehr. Ich antworte nur noch. Ich bin die Antwort auf alle Fragen. Ich sage: Ja und nein und Kartoffelsalat. Ich antworte so lange, bis keiner mehr Fragen stellt. Bis alles gesagt ist. Alles geklärt. Noch Fragen? Nein. Ich fange wieder an zu fragen, damit irgendjemand fragt. Damit sich jemand interessiert. Ich bin interessant. Sonst könnte ich mich nicht fragen: Sag mal, warum hast du eigentlich so lustige Socken? Sag mal: Warum gehst du nicht was trinken? Sag mal: Kennst du den schon? Sag mal: Hörst du auch so Musik? Sag mal: Ist dir schlecht? Ich weiß es nicht. Ich werde die Antwort suchen. Draußen.


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