Heute habe ich ein PDF erstellt. Dabei fragte ich mich: „Erstellt“? Gut, ein PDF „machen“ wäre wohl zu naiv gewesen. Also habe ich es „erstellt“. „Hergestellt“ habe ich es auch nicht, das macht ja der Computer, oder ein Programm, oder …?
Wir erstellen immer mehr Dinge: Tabellen, Konzepte, Doodles. Das Wort scheint sich eher auf Abstraktes, Ungreifbares zu beziehen. Ich stelle eine Datei nicht hin, ich stelle sie nicht ab, ich stelle sie nicht aus, ich stelle sie höchstens irgendwo ein.
„Erstellen“ – nur einen Buchstaben entfernt vom „Verstellen“, „Herstellen“, nur „Zerstellen“ gibt es noch nicht. Oft ist mit „erstellen“ eine Art Umwandlungsprozess, oder Ordnungsvorgang gemeint.
Daten werden in etwas eingefügt, das „erstellt“ wird. Wie viel schöner wäre es, wenn man sagen könnte: „Ich habe ein PDF gebaut.“ oder: „Ich habe eine Tabelle gezimmert.“ oder: „Ich habe ein Doodle gedrechselt.“ Das weist darauf hin, dass wir uns weiter vom Handwerk entfernen und immer mehr nur noch im Virtuellen tun. Bald werden wir vielleicht nichts mehr „erstellen“, sondern nur noch „ersetzen“.
Dann sagt man nur noch: „Heute habe ich einen Film ersetzt.“
Vielleicht sollte ich es nicht so pessimistisch sehen. Ich plädiere dafür, inflationär Gebrauch von alten Worten des Handwerks zu machen:
„Heute habe ich eine Notiz gehämmert.“ „Morgen hobele ich eine Akte.“ „Gestern habe ich einen Post gepflanzt.“ Das könnte unsere moderne Sprache doch bereichern. Zumindest habe ich jetzt mal wieder einen Beitrag gestrickt.