Du redest,

die ganze Zeit redest du. Ich weiß alles über deine Vorliebe für Koala-Bären, dein Projekt, bei dem ihr Filmszenen mit Waschmaschinen nachstellt, diese Heldenreise durch die Kanalisation, die echt teuer war und deine selbst gebastelte Eingangstür.

Die ganze Zeit, während ich dir zuhöre, frage ich mich: Wer bist du?

Was ist passiert, mit dir, mit mir, dass wir glauben, nichts wert zu sein, ohne mindestens erzählen zu können, dass man jetzt auch diese neue Batterien-Diät macht?

Wo sind die unbedarften Gespräche meiner Jugend?

„Hast du gestern ‚Wetten dass…‘ gesehen?“

„Ja.“

„War langweilig, oder?“

„Hmm, ich hol mir ne Cola beim Bäcker.“

„Geile Idee!“

Unsere Gespräche waren Mist, selbst wenn sie tiefgründig waren, aber wir hatten füreinander Bedeutung.

Irgendwo auf dem Weg ging die Begeisterung für Bullshit verloren.

Ich würde lieber ein Gespräch wie dieses führen:

„Komisches Wetter heute.“

„Wetter? Wie geil ist das denn, du redest über Wetter!“

„Ja, ich wollte nur ein Gespräch anfangen.“

„Ein Gespräch! ich feier dieses Gespräche-Ding! Ich sag auch mal was: Was! Haha!“

„Wir können auch über was Anderes reden…“

„Was für ne Idee! Anderes! Geht das überhaupt?“

„Klar, die Einrichtung hier ist toll.“

„Ja! Die Stühle sind so retro. Und die haben echt an einer Wand eine andere Farbe als an der anderen!“

So könnte das für mich ewig weitergehen.

„Ewig! Weitergehen! Abgefahren!“

Heute habe ich ein PDF erstellt. Dabei fragte ich mich: „Erstellt“? Gut, ein PDF „machen“ wäre wohl zu naiv gewesen. Also habe ich es „erstellt“. „Hergestellt“ habe ich es auch nicht, das macht ja der Computer, oder ein Programm, oder …?
Wir erstellen immer mehr Dinge: Tabellen, Konzepte, Doodles. Das Wort scheint sich eher auf Abstraktes, Ungreifbares zu beziehen. Ich stelle eine Datei nicht hin, ich stelle sie nicht ab, ich stelle sie nicht aus, ich stelle sie höchstens irgendwo ein.
„Erstellen“ – nur einen Buchstaben entfernt vom „Verstellen“, „Herstellen“, nur „Zerstellen“ gibt es noch nicht. Oft ist mit „erstellen“ eine Art Umwandlungsprozess, oder Ordnungsvorgang gemeint.
Daten werden in etwas eingefügt, das „erstellt“ wird. Wie viel schöner wäre es, wenn man sagen könnte: „Ich habe ein PDF gebaut.“ oder: „Ich habe eine Tabelle gezimmert.“ oder: „Ich habe ein Doodle gedrechselt.“ Das weist darauf hin, dass wir uns weiter vom Handwerk entfernen und immer mehr nur noch im Virtuellen tun. Bald werden wir vielleicht nichts mehr „erstellen“, sondern nur noch „ersetzen“.
Dann sagt man nur noch: „Heute habe ich einen Film ersetzt.“
Vielleicht sollte ich es nicht so pessimistisch sehen. Ich plädiere dafür, inflationär Gebrauch von alten Worten des Handwerks zu machen:
„Heute habe ich eine Notiz gehämmert.“ „Morgen hobele ich eine Akte.“ „Gestern habe ich einen Post gepflanzt.“ Das könnte unsere moderne Sprache doch bereichern. Zumindest habe ich jetzt mal wieder einen Beitrag gestrickt.