Social Media und Faulheit

Ich habe wirklich lange nichts mehr geschrieben hier. Das hat Gründe. Oberflächlich betrachtet, könnte man sagen: Ich war einfach zu faul. Bei näherer Betrachtung würde ich sagen: Ich war zu beschäftigt. Ich bin da bei, einige neue Projekte vorzubereiten, über die ich noch nicht so viel verraten will.
Außerdem lese ich mal wieder viel über Marketing und Social Media. Da steht dann immer: Man muss regelmäßig posten. Und dann bekomme ich immer ein schlechtes Gewissen, weil ich so lange nichts gepostet habe. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Qualität meiner Beiträge steigen würde, wenn ich ständig etwas veröffentlichen würde. Vielleicht habe ich da auch einen überzogenen Anspruch.
Was auch immer in diesen Büchern und Blogs steht: Man soll den Menschen etwas geben. Nicht immer nur erwarten, dass alle das egozentrische Geschreibsel lesen, das man so absondert, sondern den Menschen etwas geben, womit sie etwas anfangen können.
In diesem Sinne möchte ich allen sagen, die das hier vielleicht lesen und manchmal selber von Zweifeln und Gewissensbissen befallen werden: Ihr seid nicht allein. Zumindest ein anderer hat dieses Problem auch.
Und ich finde, diese Zweifel sind auch wertvoll. Das Netz ist viel zu voll von Datenmüll, der nur verbreitet wird, weil alle glauben, ständig etwas posten zu müssen. Wenn gerade wir, die wir das manchmal vielleicht zu wenig tun, mit unserem hohen Anspruch an uns selbst und unsere Texte häufiger etwas von uns geben, kann diese Welt eine bessere werden.

Die Liebe zum Absurden

Was das Schreiben und Lesen angeht, habe ich eine Schwäche: Ich liebe das Absurde. Es gibt nichts Schöneres für mich als eine Geschichte über einen Hydranten zu lesen, der auf Wanderschaft geht, um das olympische Feuer zu interviewen.
Mir ist klar, dass viele Menschen angesichts eines solchen Szenarios die Augenbrauen hochziehen und sagen: Okay, alles klar… und einen dann in die Kategorie „bekloppt“ einordnen.
Woher diese Lust am Abgefahrenen? Dieses Suchen des Abwegigen? Was mich begeistert an solchen Geschichten oder sagen wir besser Bildern ist gerade ihre Unkonventionalität. Ich habe eine Menge Bücher gelesen, Filme gesehen, Literatur studiert und was soll ich sagen: Ich kann nachvollziehen, warum man sich eine stringente Geschichte, ein klares Thema, eine Bezug zur Realität wünscht.
Ich aber suche eine Herausforderung in der Literatur. Etwas, das jenseits der ausgetretenen Pfade liegt. Sicher lese auch ich gerne mal ein normales Buch. So ein bisschen Realitätsbezug schadet bestimmt nicht. Den größten Eindruck auf mich machen aber die Bücher, die im Kopf einen Sturm von verwirrenden Bildern auslösen, die einen mir einem großen „Hä?“ zurücklassen.
Die Suche nach dieser Verwirrung, diesem Moment, in dem man wirklich gar nichts mehr versteht, ist gerade der Reiz dieser Geschichten. Seien es Kurzgeschichten von Borges, Romane von Pynchon, das große Wagnis „Naked Lunch“ von William S. Burroughs. – Diese Werke haben mir viel Freude und Verstörung gebracht.
Vielleicht ist es nur der Ausflug in eine Absurdität, die sich selbst genügt, während unser Leben, dieser Alltag auf ganz andere Art und Weise absurd sein kann. Das Genießen von absurder Kunst ist vielleicht eine radikalere Herangehensweise an den Satz von Rilke: „Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein. „