Über die Unmöglichkeit, Musik zu machen

Mein Leben lang versuche ich Musik zu machen. Als Kind bin ich bei unseren Nachbarn immer ein bisschen Gitarre und Schlagzeug spielen gegangen. Und ich war echt gut. Alle waren mega-begeistert. Kein Wunder, ich war ja auch erst drei oder so.
Dann habe ich ab der Grundschule 13 Jahre lang klassische Gitarre gelernt. Das war durchaus schön, ich durfte mit einem Gitarrenquartett und einem Jugendorchester Stücke aus der Renaissance spielen. Irgendwann hat mich meine Lehrerin sogar an ihre Laute gelassen. Und so eine Laute ist echt ein wertvolles Instrument.
Es war nur etwas frustrierend, weil ich zwar super spielen konnte, aber eben nur Stücke aus Renaissance, Barock und Romantik, was am Lagerfeuer oder im Pausenhof wirklich niemand hören will.
Ich habe natürlich auch gelernt, wie man Stücke begleitet, aber in meiner speziellen Situation saß ich vor so einem Song wie das ewige „House of the Rising Sun“ und dachte: Echt jetzt? Diese immergleichen Akkorde soll ich jetzt fünf Minuten lang spielen? Es kam mir wirklich total blödsinnig vor, so Musik zu machen.
Im Studium habe ich dann gar nicht mehr gespielt und war mit anderen Dingen beschäftigt. Erst danach habe ich wieder zur Klampfe gegriffen. Ich hatte das ganze Klassik-Zeug verlernt und war nun endlich in der Lage, mich daran zu erfreuen, ein Drei-Akkord-Lied spielen zu können.
Ich hege große Hoffnungen, dass ich irgendwann wieder in dem Zustand ankomme, in dem ich mit drei Jahren war. Natürlich werde ich das nie wieder sein. Ich habe ja nicht alles vergessen. Aber vielleicht kann ich einen Zustand gebildeter Naivität erreichen. Etwa so wie Wittgenstein im Tractatus sagt: Die Leiter wegwerfen, nachdem man sie hinaufgestiegen ist. Und wieder runter. Zumindest in meinem Fall.

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