Ich bin eine erfundene Person – zumindest online. Je länger ich mich auf irgendwelchen Portalen bewege, Dinge über mich und mein Leben poste und teile, desto mehr frage ich mich: Was hat das mit mir zu tun? Ich stelle immer häufiger fest: Gar nichts. Aufgrund von Persönlichkeitsrechten, meiner Höflichkeit und Paranoia teile ich dir Privaten Dinge im Netz überhaupt nicht mit.
Das Interessante ist: Die Beiträge anderer Personen nehme ich immer für bahre Münze. Ich kann gar nicht anders. Wenn jemand schreibt: „Krass, Waschmaschine kaputt! Superfail!“ Dann ist das für mich der Typ mit der Waschmaschine. Wenn er sonst nicht viel schreibt, definiert das sogar seinen Charakter für mich. Ich sehe Herbert, oder wen auch immer, wie er Tag für Tag weinend vor seiner Waschmaschine sitzt.
Nur was, wenn es gar nicht stimmt? Wenn jemand nur über seine Waschmaschine postet, um sich interessant zu machen. Damit andere denken: Wow, ein Waschmaschinenproblem, wie authentisch!
Ich selber teile irgendwelche Veranstaltungen, bei denen ich auftrete, poste Vierzeiler. Was in meiner Beziehung abgeht, weiß online kein Mensch. Das will ich auch gar nicht, Wäre auch ganz schön Psycho, wenn ich jeden Tag online berichten würde, wie es gerade so läuft.
Das führt aber doch dazu, dass alle, die mich eher aus dem Netz kennen, ein völlig verschobenes Bild von mir bekommen. So als würde ich nichts Anderes tun, als ständig irgendwo aufzutreten und Witze zu machen.
Das Problem ist: Wenn ich jetzt anfangen würde, mein Leben zu teilen, wie manche Menschen das ja machen, wäre auch das nicht mehr echt. Dann wäre es wieder nur Teil der Strategie, mich irgendwie interessant zu machen.
Gut, im echten Leben spielt man auch eine Rolle. Ich bin auch nicht so intelligent wie ich es in irgendwelchen Seminaren, die ich leite, vorspiele. Trotzdem setze ich mich da immerhin der Gefahr eines Versprechers aus. Da trete ich noch körperlich auf.
Was tun? Vielleicht einfach mehr im realen Leben erscheinen. So lange es noch eines gibt.

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