Super 8 – Das Format der Homevideo-Pioniere

Beim Spiegel kann man heute was über Super 8 lesen, das legendäre Schmalfilmformat aus den 70ern für jedermann. Ich habe selbst mal für eine Veranstaltung einen Text über dieses Thema geschrieben, der offen gesagt selber nur eine Kompilation meines im Internet angelesenen Halbwissens ist, aber aus diesem Anlass stelle ich ihn jetzt mal hier rein:

Super 8
1965 brachte Kodak eine neue Art Film für den Heimgebrauch auf den Markt: Den Super 8 Film. Super war er, weil er das bis dahin gängige Normal 8 Schmalfilmformat ablöste.

Dieses Format sollte es gerade Privatleuten möglich machen, die schönsten Ereignisse ihres Lebens auf Zelluloid zu bannen, da es leicht in der Handhabung und relativ billig war. Eine neue Ära oder schlechthin die Ära des Amateurfilms brach an, da man nun Filme selber drehen konnte, ohne seine Privatyacht zu beleihen und sich nicht mehr mit einer Filmspule herumplagen musste, deren Einlegen alleine Material für ein paar Slapstick-Filme geliefert hätte. Jetzt ging alles ganz einfach dank einer Kassette, die man nur noch in die Kamera einlegen musste.

Ganz anders als heute, da man selbst Fotos nur noch im Netz abstellt und sich an Filmchen erfreut, die pixelig in einem kleinen Fensterchen des Rechnerbildschirms vor sich hin quaken, brachte man die damaligen Heimvideos noch mit einem Projektor in spektakulären Aufführungen auf eine extra aufgebaute Leinwand. Darüber hinaus konnte man auch ganze Spielfilme auf Super 8 erwerben. Einem Geburtstag räumte man so ähnlich viel Raum ein wie manchem Blockbuster und das, obwohl auf den meisten Familienfeiern eher selten etwas spektakulär in die Luft fliegt. Zu Anfangszeiten war man mit so einem Super 8 Film sogar noch gegenüber dem Fernsehen im Vorteil: Das war damals nämlich noch schwarz-weiß.

Zwar ließen sich auf einer Kassette zum Selber Filmen nur ca. 3 Minuten Film unterbringen, was den Geburtstagsfilm aber auf ein annehmliches Maß begrenzte. Darüber hinaus waren die meisten Filme zunächst stumm, da die Vertonung recht kompliziert und an so etwas wie Synchronie dabei nicht ernsthaft zu denken war.

Super 8 hatte eine andere Optik als die heutigen Filme. Die Farben sind weniger grell und auch die Räumlichkeit erlebt man anders. Der schnuckelige Retro-Look entsteht auch, weil der Film stets etwas wackelig und unscharf ist, da er bei der Belichtung in der Kamera nicht von einer Andruckplatte aus Metall fixiert wird, sondern nur von einem Stück Plastik, das zur Kassette gehört.
Mit der Einführung des Video-Formates endete um 1980 der Super 8 Boom und die schicken Kameras wurden zum Liebhaberobjekt, während die meisten sich nun an endlosen Filmen mit Tonspur erfreuten, die man nicht mehr in einer großen Show an die Wand warf, sondern einfach auf der heimischen Glotze guckte.

Der heutige Super 8 Pabst Jürgen Lossau und Chefredakteur der Zeitschrift „Schmalfilm“ glaubte denn auch nicht daran, dass sich noch irgendwer für sein Buch über Super 8 interessieren würde, weshalb er ihm konsequenterweise die Widmung „Für mich“ voranschickte, als er von Zuschriften aus der ganzen Welt überschwemmt wurde. Ihn erreichten massenweise Pläne und Verbesserungsvorschläge, offenbar hatte er ein Buch geschrieben, das einem heimlichen in dunklen Kellern verschollenen Hobby zu neuer Öffentlichkeit verhalf.

Filmemacher schätzen das Format nach wie vor. Man sieht es in Werbespots oder als Stilmittel in richtigen Spielfilmen und mancher hat auch selbst mit Super 8 angefangen. Peter Jackson drehte zum Beispiel sein erstes leider verschollenes Remake von „King Kong“ im Alter von 12 Jahren mit der Super 8 Kamera seines Vaters.

Es gibt eine sehr vitale Szene von Sammlern und Künstlern, die das Format nach wie vor am Leben hält. So werden nach wie vor Filme auf Super 8 gedreht, wie wir heute sehen werden und mancher vom Aussterben bedrohte Fotohändler hat sich inzwischen auf die Entwicklung von Super 8 spezialisiert. Einige dieser Händler stehen inzwischen sogar mit Japan in engem Kontakt, wo sich ein ähnlicher Kult rankt um das Konkurrenzprodukt der Firma Fuji zu Super 8 aus den Siebzigern, das Format Single 8, das dem Super 8 Film eigentlich technisch überlegen war, sich aber aufgrund dessen früherer Verbreitung bei uns nie durchsetzen konnte.

Wer jetzt denkt: Jaja alles ganz lustig, aber das ist doch Schnee von gestern, dem sei gesagt: Zwar muten die alten Filmbänder gegenüber unseren schicken Silberscheiben von heute etwas kompliziert an, sie halten allerdings wesentlich länger als DVDs und so könnte es sein, dass man in ferner Zukunft unsere Epoche vor allem von solchen kleinen Filmchen her kennt, während die neuesten digitalen Errungenschaften längst in Vergessenheit geraten sind.

Gesammelte Links zu Super 8:

http://film.fluter.de/de/137/film/4574/
http://www.zeit.de/2002/31/Film_ohne_Ende?page=all
http://www.super-8-hobby.de/rezent-a.htm
http://www.planet-wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,C9195CE3D1ED2D7BE030DB95FBC3300F,,,,,,,,,,,,,,,.html
http://www.isuper8.de/
http://www.super8site.com/

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