Pizza im Elfenland

Ria erwachte. Mit einem schlürfenden Geräusch sog die kleine Elfe den Schleim wieder ein, der ihr wie üblich im Schlaf aus dem Mundwinkel gelaufen war. Die Vögel sangen und Moni, die sich gerade aus ein paar Seidendecken wurschtelte, brummelte: Gebt den Scheißviechern doch endlich mal vergiftete Meisenknödel zu essen! Jeden verkaterten Morgen derselbe Scheiß!“ Günni sagte gar nichts. Er war tot. Zumindest sah er so aus.

Ria griff wie so oft die Initiative in der kleinen Clique und gab das Vorhaben vor, das diesen leuchtenden Tag krönen sollte: „Lasst uns ne Pizza besorgen.“ „Pizza?!!!“ antworteten die beiden anderen gleichzeitig so ungläubig, als hätte man ihnen vorgeschlagen, mal eine Woche lang halb abstinent zu leben. „Ja, ich will Pizza!“

Pizza galt im Elfenland als Delikatesse, vor allem, weil es fast unmöglich war eine zu bekommen. Die größten Pizzavorkommen lagerten in der Höhle des Schreckens, die vom dreiköpfigen Hundemonster bewacht wurde.

Unter Heulen und Zähneklappern und den entschiedenen Worten Rias machten sich die drei auf den Weg. Sie konnten nicht anders. Die Lust nach Pizza hatte von ihnen Besitz ergriffen un Elfen waren ihrer Lust stets so hilflos ausgeliefert, dass jeder Hedonist sich neben ihnen wie ein Mönch mit Keuschheitsgürtel ausnahm. „Pizza!“ flüsterten sie und ihre Stimmen waren belegt vor Erregung.

Nach einer langen Reise durch den Dunkelwald, bei dem sie drei Trolle mit Zenonischen Mathematikparadoxien so verwirrten, dass diese glatt vergaßen, sie zu fressen und einen Dämon zum taoistischen Glauben bekehrten, kamen sie an der Höhle des Schreckens an.

Sofort stürzte der dreiköpfige Hund hervor, bereit sie zu zerfleischen. Günni und Moni reagierten geistesgegenwärtig und ergriffen die Flucht. Nur Ria lag noch vor der Höhle und sah nun in die feurigen Augen des dreiköpfigen Hundes, der sich anschickte, ihr den Kopf abzubeißen. Ria verabschiedete sich von ihrem lustvollen Leben, als der Hund plötzlich zu jaulen begann und knurrte: „Es geht einfach nicht! Diese Schmerzen!“

Ungläubig lugten Moni und Günni wieder aus dem Gebüsch hervor und Ria rappelte sih langsam wieder auf. „Was ist denn mit dem los?“ fragte Günni. Der Hund selbst jaulte: „Die Zahnspangen! Diese festen Zahnspangen! Sie tuen so schrecklich weh!“ und tatsächlich sah man in seinen drei Mündern jene kleinen Metallplättchen aufblitzen, die schon manches junge Leben vorschnell der Lächerlichkeit preisgaben.

„Ach du Armer“ seufzten die Elfen wie im Chor. „Das muss ja fürchterlich weh tun! Wir sollten dir helfen!“ hauchten sie und näherten sich dem Hund und seiner Höhle.

„Ja helfen sollten wir dir! Mitfühlend sein! Dich von deinem Leid erlösen und dich streicheln und dir nette Lieder vorsingen. – Machen wir aber nicht! Wir sind wegen der Pizza hier und nicht um blöde Monster zu bemitleiden!“ udn mit diesen Worten stürmten si am dreiköpfigen Hund vorbei, schleppten alles an Pizza aus der Höhle, was sie tragen konnten, gingen an ein paar anderen Monstern und Geisterbäumen  vorbei nach Hause und schlugen sich den Bauch voll, bis sie kotzen mussten. So ging ein weiterer schöner Tag im Elfenland zu Ende und voller Grauen sahen sie dem nächsten Morgen entgegen, da sie etliche Flaschn Schnaps getrunken hatten um ihre schmerzenden Mägen zu betäuben.

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