Verdammt, ich hab mal vor einiger Zeit hier ein bisschen über den Bahnstreik geschrieben, da dachte ich noch: Ja klar, das läuft wie immer bei so Streiks heutzutage, die Gewerkschaft macht ihr Angebot, die Arbeitgeber machen ihr Angebot, dann beschimpfen sie sich ein bisschen, die Gewerkschaft droht pro Forma mit Streik und die beiden Parteien treffen sich in der Mitte und das wars dann auch schon wieder.

Aber diesmal ist alles anders. Man fühlt sich um 20, 30 Jahre zurückversetzt, als Streik noch ne richtig heiße Sache war, als Firmenchefs noch zitternd vor ihren Gebäuden standen und schließlich die Streikenden aussperrten und man sich immer freute, wenn es wenigstens keine Verletzten gab und man hatte immer das Gefühl, dass man am Ende des Streiks immer gerade so um zwei Tage an der bevorstehenden Weltrevolution vorbeigeschrammt war. Nur dass diesmal nicht halb Deutschland streikt und sich jeder mit jedem solidarisiert, sondern eine verhältnismäßig kleine Gruppe, die Lokführer, mit denen sich nicht mal die eigenen Kollegen Zugbegleiter immer solidarisieren, sondern auf die Nachfragen der verzweifelten Fahrgäste, wie es denn jetzt weitergehe, meistens auch nur antworten: „Ach, ich hab auch keine Ahnung, was die da treiben“ oder so ähnlich.

Der Bahnstreik wird immer mehr zu einer beeindruckenden Demonstration der Sturheit, wobei wohl keiner so genau weiß, wer es hier eigentlich schlimmer treibt, die Gewerkschaft, deren Vorsitzender nebenher noch mal schnell in Urlaub fährt, was entweder ein Super-GAU der Öffentlichkeitsarbeit ist oder anders gesehen schon wieder zu cool um wahr zu sein, oder der Bahnchef, den schon allein aufgrund seiner Position niemand wirklich leiden kann.

Für die Bahn tut es einem fast ein bisschen leid. Hatte sie es doch gerade geschafft, mit neuen günstigen Tarifen ihr Image ein bisschen aufzupolieren, ist zumindest mein Vertrauen inzwischen so getrübt, dass ich mich schon freue, wenn ein Zug überhaupt noch fährt, Verspätungen sehe ich inzischen als naturgesetzliche Konstante an. Wenn das so weitergeht, erübrigt sich der Streit vielleicht, weil einfach kein normaler Mensch mehr mit der Bahn fährt, sondern die vielleicht schon bald zu einem Großunternehmen ausgewachsene Mitfahrzentrale nutzt.

Ehrlich gesagt habe ich die Hoffnung auch so langsam aufgegeben, dass da überhaupt noch eine Einigung bei herauskommt. Am Ende wird wohl einer von beiden gehen müssen, die Lokführer, was wohl ein bisschen unwahrscheinlich ist, oder der Bahnchef.

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