„In diesem Haus lebt ein wildes Tier!“ „Was für eins?“ „Ein Dino!“ Dieser Dino verteidigte sein Haus auf dem Spielplatz sehr eindrucksvoll mit Fauchen und gelegentlichen Attacken. Der Dino war mein Sohn, der gerade seinen Kindergarten-Vormittag hinter sich hatte. 

Der Vormittag war für mich geprägt von der Herausforderung, erst die Tochter in die Kita und dann den Sohn in den Kindergarten zu bringen. Die Mutter hatte Abends zuvor schon für uns gepackt und half uns auch beim Aufbruch, was dem Sohn und mir gleichermaßen half, weil wir die beiden Morgenmuffel der Familie sind. Immerhin war ich um sieben aufgestanden, was ich in meinem früheren Leben eher selten tat. Es ging alles glatt. Der Sohn war etwas irritiert, als wir zuerst in seine alte Kita gingen. Die Tochter stürzte sich beiläufig zum Abschied winkend ins Getümmel. Beim Sohn ging es später im Kindergarten auch besser als die letzten Male.

Ich hatte kurz zwei Stunden Zeit, um mein Seminar morgen vorzubereiten und ein paar Mails zu beantworten. Danach holte ich den Sohn ab und wir gingen auf den Spielplatz. Es war sehr kalt, aber mit dem wilden Dino an meiner Seite war es erträglich. Der Sohn fuhr tapfer mit dem Laufrad nach Hause. Ab und zu musste ich ein bisschen schieben. 

Zu Hause durfte ich ihm alle Lego-Autos zur Reparatur in seine Werkstatt bringen. Er war ein sehr geschäftstüchtiger Mechaniker. Erst sagte er: „Bei den Autos müssen wir die Räder austauschen.“ nachdem das getan war, also Autos samt Fahrgestell gewechselt, sagte er fachmännisch mit so einem leichten Seufzer: „Ja, und jetzt müssen wir noch die Krosserie austauschen.“ Er meinte die Karosserie. Die Autos wurden also genau genommen komplett ausgetauscht, aber in mehreren Schritten.

Im Anschluss holten wir die Tochter in der Kita ab. Kommentar der Erzieherin: „So frech wie immer! Sie wär auch noch fünf Stunden geblieben.“ Gut zu wissen. Zu Hause musste ich dann beiden Kindern sehr viel vorlesen. Zwischendurch ging die Tochter ihrer neuesten Beschäftigung nach und lief mit der surrenden Bohrmaschine des Sohnes durch die Gegend.

Mit dem Sohn schaute ich noch das wirklich schlimmer Feuerwehrmann-Sam-Wimmelbuch an. Die Mutter hatte es mit dem Sohn in einer Zu-Verschenken-Kiste gefunden. Auf einem Bild musste man einen Teddybär suchen. Allerdings waren drei Kinder auf dem Bild. Der Sohn sagte: „Aber das ist ja nur ein Bär für drei Kinder!“ Ich sagte: „Ja, das geht doch auch.“ Er dachte sehr angestrengt nach und fragte dann: „Können die dann zusammen kuscheln?“ Ich bejahte und er war beruhigt.

Die Mutter kehrte heim. Wir aßen geschenktes Gulasch, die Tochter kletterte nach dem Essen noch zehn Mal auf den Stuhl des Sohnes und wedelte mit den Armen. Der Sohn schaute mit beiden Eltern nochmal das Wimmelbuch an und nach zwei Versuchen schlief auch er ein.

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