Morgens rätselten wir, ob es vielleicht gelingen könnte, die Tochter in der Kita abzugeben, obwohl der Sohn krank zu Hause bleibt. Und siehe da: Es war gar kein Problem. Die Erzieherinnen sahen es völlig entspannt. So hatte ich also einen Tag exklusiv mit dem Sohn, was sehr lustig war.

Unter anderen Umständen hätte es mir vielleicht etwas ausgemacht, zwanzig mal hintereinander zu spielen, dass er einen Unfall hatte und ich ihn mit dem Arztkoffer behandeln muss. Aber nachdem ich ursprünglich dachte, ich müsste beide Kinder betreuen, war das ein Spaziergang.

Ich verarztete also ausgiebig den Sohn mit seinem Arztkoffer, der neben diversen Cremes auch ein Brillenetui enthält, das als Ultraschallgerät fungiert und eine extra Spritze, die nur dazu dient, scharfe Medizin zu entschärfen.

Ich wurde vom Sohn genau angewiesen, wie man eine Verletzung an Arm, Bein oder Bein zu behandeln hat: Eincremen, Medizin geben, die man entschärft, in die Ohren gucken und ganz wichtig zu Schluss immer per Ultraschall feststellen, dass der Patient ein Baby im Bauch hat.

Mittags gingen wir in die Stadt, um zwei Pakete abzuholen, die an die Mutter adressiert waren. Die Leute auf der Post lachten sehr, als wir mit dem Kinderwagen auftauchten und sagten: „Der wird nicht reichen!“ Die Pakete waren so groß, dass wir morgen noch mal mit dem Auto wiederkommen dürfen. Ich gab noch ein Buch am Rückgabeautomaten der Bücherei ab und der Sohn gab mir einen Tipp, wie wir den Rest des Tages verbringen könnten: Mit neuer Knete. Ich besorgte ihm ein bisschen neue Knete.

Zu Hause durfte ich dann Bananen, Blaubeeren, Zwiebeln, Orangen, Paprika und Erdbeeren kneten. Wobei der Sohn zu den Erdbeeren sehr treffend sagte „Sind wohl doch eher Tomaten.“ Das Ganze wurde dann begutachtet und dann durfte ich die Knete wieder in ihre Ursprungsform zurückbringen und in die Packung räumen.

Wir gingen noch Kita-Einkauf machen und holten die Tochter ab. Sie hatte ihren ersten Kita-Tag so ganz alleine ganz gut überstanden. Nur die Fitness ließ etwas zu wünschen übrig, so dass sie morgen wohl auch zu Hause bleiben wird. Aber da sind wir Eltern immerhin zu zweit.

Zu Hause wollte die Tochter natürlich nur eines: Die Knete ihres Bruders. Sie durfte stattdessen mit seiner alten Knete spielen. Außerdem kann sie jetzt auf den Sessel im Wohnzimmer klettern, wie ich leicht panisch feststellte. Ich sprang also den Rest Nachmittags zwischen beiden Kindern hin und her, schnitt Knete für den Sohn und fing die Tochter auf.

Die Mutter kehrte heim, es gab schnelles Essen. Der Sohn schlief noch am Tisch fast ein und wurde schnell ins Bett befördert. Die Tochter zierte sich noch etwas, war dann aber auch müde genug. Und so hatten wir Eltern sogar noch ein bisschen Zeit, uns zu unterhalten. 

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