Zu Hause – Tag 190

Ich dachte: „Süß, die Tochter spielt mit dem Bärenspiel!“, also einem Gesellschaftsspiel für Kinder mit Bärenfiguren, bis sie auf einmal den Würfel im Mund hatte. Sie spuckte ihn zum Glück gleich wieder aus. Man sieht sein Kind in solchen Momenten ja immer kurz vor dem Erstickungstod, auch wenn es immer glimpflich abläuft.

Der Sohn war früh schlafen gegangen und fit genug, um einigermaßen normal in die Kita zu gehen, auch wenn ich wieder so tun musste, als würden wir gleich ohne ihn aufbrechen. Nach Bärenspiel und anderem ging ich mit der Tochter in die Stadt. Schuhe kaufen.

Der Kinderschuhverkäufer legte sich echt ins Zeug, was die Ablenkung und Bespaßung der Tochter anging. Sie war begeistert. Ihre ersten Schuhe sind auf jeden Fall super bio und können im Prinzip komplett gegessen werden, ohne dass dem Kind davon schlecht wird.

Die Tochter entwickelte im Laufe des Tages noch ein neues Verhalten: Den Papa ins Gesicht kneifen und sich dann kaputt lachen. Sie hat das schon früher ab und zu gemacht, aber da wirkte es wie Zufall. Jetzt weiß ich, dass es Absicht ist.

Eigentlich hätte ich noch Ablösung gehabt, aber daraus wurde leider nichts. Zum Glück hatte ich beim Einkauf in der Stadt vorgesorgt, um für den Sohn noch Programm in petto zu haben: Klebstoff in vielen Formen und buntes Papier. Wir holten den Sohn aus der Kita und dann wurde gebastelt. Wobei basteln gerade noch heißt: Er nimmt sich ein Blatt und klebt es auf ein anderes. Ich ging irgendwann dazu über, ihm Schnipsel vorzuschneiden, die er auf ein anderes Blatt kleben konnte. Es sah aus wie abstrakte Kunst.

Kunst machen durfte ich Abends auch noch ein bisschen, Ich fuhr zu „Poesie und Pommes“ nach Reutlingen, dem dortigen Poetry Slam. Es war wie immer gerade etwas seltsam: Ein Häuflein Menschen sitzt in Pärchen aufgeteilt an auf Abstand stehenden Tischen, bis man die Bühne betritt muss man einen Mundschutz tragen, jeder bekommt sein eigenes Mikrofon… Aber immerhin durfte ich ein Säckchen Kartoffeln und eine Flasche Wein mit heim nehmen. Ich gewann den kleinen Wettbewerb mit Texten aus diesem Zyklus hier.

Ansonsten lernte ich viel über Chemie, das Reisen, das Los der Künstler, Gespräche in der Fußgängerzone und freute mich über die ausgefeilte Moderation und die musikalische Untermalung durch den Pianisten, den es so wohl nur beim Reutlinger Slam gibt.

Die Kinder waren wohl auch gut ins Bett gegangen. Ich folge ihnen bald.

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