Der Morgen war ein Traum. Der Sohn stand zwar langsam, aber gut gelaunt auf, ließ alles mit sich machen und stürmte in der Kita zum Spielen und hätte fast vergessen, sich von mir zu verabschieden. Ich war so euphorisch, dass ich mir endlich mal Zeit nahm, mit meiner Tochter zu rappen.

Ich packte den Sequenzer aus, ließ den Beat laufen und flowte mit ihr durch den Flur. Zwischendurch wagte ich es, mich an den Rechner zu setzen, aber inzwischen bewegt sie sich so schnell fort, dass man sie immer kurz suchen muss, wenn man sich wieder umdreht.

Später holten wir zusammen den Sohn von der Kita ab. „Er ist gebissen worden!“ sagte die Erzieherin. Ihm war’s egal. Er hatte beste Laune. Wir gingen zu dritt in die Stadt. Leider regnete es. Ich hatte in einer Hand den Schirm, schob mit der anderen den Kinderwagen und hatte die Tochter im Tragetuch. Ich denke dann immer: „Das geht doch gar nicht!“, aber irgendwie geht es dann doch.

Der Sohn durfte im Drogeriemarkt mit Kindereinkaufswagen einkaufen. Er machte das so professionell, dass man ihn fast schon alleine losschicken kann. Er muss nur noch lernen, nicht alle zwei Meter jemand in die Haxen zu fahren.

Die Tochter hatte sich von unserer Morgenmusik inspirieren lassen und sang den ganzen Heimweg über sehr laut, was sich eher anhört wie eine Art glückliches Geschrei. Außerdem schaute sie dabei immer zum Regenschirm hoch. Ich hatte also ein Kind umgebunden, das mit zurückgeworfenem Kopf in Richtung des Regenschirms und meines Gesichts laut: „Daaa! Daaa! Daaaa!“ rief. Wir waren die beste Unterhaltung für alle Passanten.

Nach dem Abendessen fragte die Mutter den Sohn: „Willst du deiner Schwester mal ‚Gute Nacht‘ sagen?“ Der Sohn antwortete: „Ich bin beschäftigt.“ Er machte gerade ein Puzzle.

Der Sohn krönte den Abend noch mit Seifenblasen. Er hatte unbemerkt die Seifenblasendose aufgeschraubt, hielt mir das Teil hin, mit dem man die Seifenblasen macht, während er selber noch den Behälter mit der Flüssigkeit in der Hand hatte. Dann sagte er mit weit ausholender Bewegung: „Mach Seifenblasen da hin!“ Und somit landete die gesamte Seifenblasenflüssigkeit auf dem Küchenboden. Es sah so lustig aus, dass ich ihm nicht böse sein konnte.

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