Zu Hause – Tag 94

Morgens lief der Sohn in seinem Schlafsack durch die Wohnung. Das macht er gerne. Er sieht dabei immer so aus wie eine Mischung aus Gespenst und Pinguin. Er weigerte sich wie immer, den Schlafsack auszuziehen. Irgendwie kriegten wir es hin.

Die Mutter hatte die rettende Idee: Sie statte den Sohn mit einem Zollstock aus. Offenbar ein Universalspielgerät. Der Sohn baute zuerst eine Sonne daraus und fragte: „Wie fährt man des wieder ein?“ Danach war der Zollstock ein Flugdinosaurier. Zwischendurch wurde er auch zum Messen benutzt. Ich fragte den Sohn: „Und? Wie lang ist dein Klettergerüst?“ Die Antwort kam prompt: „30 Grad.“

Danach wurden wir alle mit dem Zollstock „gelagert“. Der Sohn pikste die Mutter mit dem Ding und sagte: „Mama wird gelagert.“ Die Laune war gut und ich konnte mein Seminar online geben. Wieder zehn kleine Rechtecke vor mir, denen ich Sachen erzähle. Ich ließ sie Gruppenarbeit machen.

Der Gesangsunterricht später war super, wenn auch mit etwas Tumult im Hintergrund. Später durfte der Sohn zum ersten Mal seit langem ins Turnen. Ich durfte die Tochter rumtragen, bis sie schlief. Drei mal.

Als Mutter und Sohn vom Turnen zurückkamen, hatte der Sohn seine blaue Brotdose auf dem Kopf und sagte: „Ich bin der Topfgucker.“ War also gut beim Sport. Später rief ich ihn zum Hände waschen. Er murmelte nur: „Ich muss noch meinen Gecko ausschalten.“ Ich weiß nicht, wer oder was der Gecko ist. Es könnte die Stehlampe im Schlafzimmer sein.

Nach dem Abendessen packte der Sohn noch den Staubsauger aus. Ich wusste nicht, dass er da kann, aber er trug tatsächlich das ganze schwere Ding durch die Wohnung und verkündete: „Ich muss jetzt saugen!“ Wir ließen ihn saugen und gingen dann langsam ins Bett. Der Sohn brauchte noch eine Stunde. Die Tochter zwei. Sie ist jetzt Brei. Das scheint ihr Schlafverhalten zu beeinflussen.

Abends hörten wir noch die offizielle Nachricht, dass die Kitas jetzt wirklich Ende Juni wieder öffnen sollen. Ich glaube es erst, wenn ich den Sohn da wieder über die Schwelle trage.

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