Als mein Sohn die Riesenschildkröte über sich hinweg schwimmen sah, hatte ich kurz Angst, er könnte vor Begeisterung einen Anfall bekommen. Was war passiert? Von Anfang an. Der Tag begann mit dem versuch, mit zwei Kindern das Haus zu verlassen. Was sich einfach anhört, erweist sich regelmäßig als Ding der Unmöglichkeit.

Vor allem wenn man zu einer bestimmten Zeit das Haus verlassen will, um zu Besuch an den Bodensee zu fahren. Wir verpassten unsere geplante Abfahrtszeit nur um 20 Minuten. Rekord.

Die Autofahrt war völlig unspektakulär, niemand schrie oder hatte auf einmal Hunger. Angekommen trafen wir unseren hoch geschätzten Gastgeber, der sich über Enkelbesuch freute und gingen ins Sea-Life, eine Art Ansammlung von Aquarien. Für Erwachsene ist es sicher ganz nett, sich ein paar exotische Fische anzuschauen. Für einen Zweijährigen war es offenbar unglaublich.

Der Sohn war schon von den heimischen Karpfen die ganz am Anfang der Ausstellung kamen so geplättet, dass ich kurz überlegte, ob ihn der Rest nicht überfordern könnte. Wir lustwandelte an den Aquarien vorbei, die der Sohn mit einem eigens auleihbaren Hocker besichtigen konnte und sagten Dinge wie: „Guck mal, ein Zackenbarsch.“

Die Fische waren schon unglaublich, aber ganz am Ende kamen dann auch noch Eselspinguine. Und die wurden dann auch noch gefüttert. Genauer gesagt waren es Eselspinguine und der älteste von ihnen hier „Sir Edward“. Danach flanierten wir am Konstanzer Hafen entlang. Der Sohn war hin und weg von den Booten, „die sogar Rettungsringe“ an Bord hatten.

Auf dem Spielplatz, auf dem übrigens von Social Distancing nicht die Rede sein konnte, fand die Begeisterung ihren Höhepunkt und es wurde geradezu philosophisch. Ich schuckte meinen Sohn in der Schaukel an und er sagte: „Ein Mensch sitzt in der Schaukel.“

Beim Besuch zu Hause wurden wir großartig bekocht. Der Sohn spielte und erfand spontan die Yogafigur „Erde lachen“: Die Tochter quietschte vor Begeisterung über alles den halben Wohnblock zusammen. Selbst als der Sohn sich am Stuhl anstieß, sagte er nur auf die Frage „Ist es schlimm?“ – „Es blutet nicht.“

Es gäbe noch viel mehr zu erzählen, aber mir fehlen etwas die Worte. Wir kamen gut wieder zu Hause an, nach einer Heimfahrt, die die Hinfahrt an Ruhe noch übertraf. Zu Hause lernte ich noch etwas. Ich schaute ins Yakari-Pixie-Nuch und sagte: „Ah, ein Waschbär.“, aber mein Sohn verbesserte mich: „Das ist doch kein Waschbär. Das ist ein Katzchenfrettchen.“ Mit dieser Erkenntnis kann man doch schlafen gehen.

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