Morgens stand der Sohn überraschend gut auf. Er stolzierte ins Wohnzimmer, baute sich demonstrativ vor seiner Schwester auf und verkündete: „Ich bin aufgestanden!“ Sie freute sich und spielte weiter mit seinem Playmobil-Feuerwehrauto.

Den Rest des Tages bekam ich nicht so viel von den Kindern mit. Ich durfte Seminar geben und die Studierenden mit einer Präsentation über die Heldenreise quälen. Zwischendurch trug ich noch ein bisschen die notorisch unzufriedene Tochter durch den Flur. Wie auch ihren Bruder beruhigt sie das Banksy-Plakat im Flur. Immerhin sind drei Affen darauf.

Später übte ich im Gesangsunterricht, meine Töne an der Wirbelsäule zum Steißbein hinunter rutschen zu lassen und danach hatte ich sogar noch ein wenig Zeit, in „Gegen den Tag“ ein Kapitel über verrückte sich duellierende Mathematiker in Göttingen zu lesen.

Zum von mir sehr schnell gekochten Abendessen kehrte auch der Rest der Familie vom Spiellatz zurück. Der Sohn telefonierte mit dem Tragetuch und fragte immer wieder: „Bist du etwa dran?“, so als wäre er selber verwundert, das sich jetzt an dem Stoffzipfel wirklich jemand gemeldet hatte. Danach benutzte er das Ding noch, um bei seiner Schwester ausgiebig Fieber zu messen. Ein echtes Universalgerät, so ein Tragetuch.

Beim Abendessen stellt der Sohn noch fest: „Der Papa trägt eine Brille. Eine Festbrille. Die ist fest.“ Ich halte sie immer fest, wenn er sie klauen will – oder seine Schwester. Er guckte unvermittelt seine Mutter an und fragte „Bist du müde?“, was sie nur lachend bejahen konnte. Als die Mutter weg war, schaute der Sohn mich an und sagte: „Ich bin auch müde.“ Und, um jedes weitere Gespräch damit zu beenden: „Ich sag nix.“

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