Zu Hause – Tag 24

Heute mal wieder Steuer gemacht. In Zeiten wie diesen hat das auch was Erdendes. Wenn man mal zwischendurch was Anderes macht, als Kinder betreuen, fragt man sich, wie das vorher alles zusammen funktioniert hat.

Der Nachmittag brachte dafür eine ausgedehnte Tour ins Tübinger Hinterland. Unser erstes Ziel war ein kleiner Stall mit Pferden neben der Bahnstrecke. Sensationellerweise teilen sich die Pferde ihren Stall mit Hühnern, was meinen Sohn zu dem kritischen Kommentar veranlasste: „Alles durcheinander.“

Super war, dass wir dann noch einen ausrangierten Traktor vor einem Gewächshaus fanden, in dessen verrosteter Schaufel sich Regenwasser gesammelt hatte, was der Sohn treffend mit: „Da sind Tiere drin.“ beschrieb.

Auf dem Schwärzlocher Hof sagten wir kurz den Kühen hallo und machten uns dann auf die Suche nach den Hasen. Draußen waren sie nicht, dafür aber im Käfig. Mein Sohn sagte: „Hallo ihr Hasen! Was macht ihr?“ Die Hasen schwiegen.

Und dann wollte ich mich eigentlich auch schon wieder auf den Heimweg machen, aber ich hatte die Rechnung ohne den Motorroller gemacht, der an uns vorbeifuhr. Dem mussten wir natürlich ein Stück nachlaufen, während mein Sohn wie im Delirium, Sätze wie diese wiederholte: „Wenn ich groß bin….auch ein Roller…einen Riesenroller hab ich dann.. wenn ich groß bin…ein Roller…nicht mehr lang….“

Das Ganze wurde noch von zwei jungen Männern mit Bierflaschen in der Hand die Rap hörten und Boule spielten. Mein Sohn blieb verzaubert stehen, bis sie ihn fragten, ob er mitspielen wolle. Das verneinte er zwar schüchtern, aber ich weiß jetzt: Er ist auf dem richtigen Weg.

In der niedriger stehenden Sonne dann noch ein philosophischer Moment: Mein Sohn entdeckte seinen Schatten. „Das ist meiner“ sagte er mir drohend, nur für den Fall, dass ich auf die Idee käme, seinen Schatten zu entwenden. Ich erklärte ihm dann, dass jeder seinen eigenen Schatten habe und dieser einen auch immer begleitet. Er probierte es gleich aus.

An einem Zaun wurden dann „Enten gefüttert“. Es waren zwar keine Enten da, aber auch imaginäre Enten kann man eine halbe Stunde lang füttern. Ich ließ ihn gewähren, der Wutanfall vom Vortag war mir genug. Immerhin hatte ich so Gelegenheit, seine kleine Schwester, die übrigens auch dabei war, aus dem Tragetuch zu befreien und zum ersten Mal in ihrem Leben in den Kinderwagen zu setzen. Für sie war es augenscheinlich ein echter Triumph.Dem Gesichtsausdruck nach muss es besser gewesen sein als die Mondlandung.

Erschöpft aber glücklich erreichten wir unsere Wohnung. Ich erfuhr noch ein interessantes Detail über meine Tochter. Sie war müde. Mein Sohn wollte mit ihr spielen. „Ich glaube, sie ist müde.“ sagte ich. „Ja, aber hier ist doch ihr Gerät!“ sagte mein Sohn und schaltete sie mit ein paar unsichtbaren Knöpfen in der Tischplatte wieder an. Schön, dass wir das geklärt haben.

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