Zu Hause – Tag 23

Der Tag beginnt mit einer Kissenschlacht. Zumindest der Teil des Tages, der nach wickeln frühstücken und zehn Puzzlen kommt. „Kissenschlacht“ heißt: Mein Sohn räumt Kissen aus dem kleinen Kinderbett, das er nie benutzt heraus, läst sie mich wieder aufsammeln und in die Zimmerecke schmeißen, wo er sie wieder einsammelt, um sie wieder ins Bett zu werfen und mir dann wieder auszuräumen. Alle begleitet von den begeisterten Schreien meiner Tochter, die ich dabei im Arm habe.

Zum Runterkommen spielen wir noch ein bisschen Fußball in der Wohnung. Und ich bekomme Nachhilfe in Sachen Gender Studies. Ich habe es gewagt, meine Tochter als „Mädchen“ zu bezeichnen. Mein Sohn stellt trocken fest: „Das ist kein Mädchen. Das ist ein Baby.“

Die Tochter macht sich übrigens auch bemerkbar, indem sie sich auf einmal dreht und die Puzzles ihres großen Bruders auseinander nimmt. So wie sie sowieso alles schnappt, was ihr in den Weg kommt. Sie hat einen ausgeprägten Jagdinstinkt. Bücher lesen mit ihr auf dem Arm geht schon lange nicht mehr, weil sie sich sofort auf die Seiten stürzt, um sie sich einzuverleiben oder ordentlich durchzuknittern.

Noch eine Anmerkung zur kindlichen Sprachtheorie. Es geht bei meinem Sohn oft nur darum, dass ich wiederhole, was er sagt:

„Ich habe es aufgemacht!“

„Ja, du hast es aufgemacht.“

„Papa, ich hab es aufgemacht.“

„Ja genau, du hast es aufgemacht.“

„Ich hab es aufgemacht!“

„…“

„Papa?“

„Ja ja, du hast es aufgemacht! Sag ich doch!“

„Ich hab es aufgemacht, haha!“

So kann das stundenlang weiter gehen.

Nach einem langen Heimweg und einem schönen Ausflug an den See zu den Haubentauchern, dann pünktlich vor dem Abendessen, der Super-GAU. Mein Sohn bekommt einen infernalischen Wutanfall, weil ich ihn nicht alleine den Abhang zu den Enten hinunter rennen lasse. Und dann, nach ungefähr hundert begleiteten Rennen den Hügel hinunter, bei denen er immer durch meine Hand an seiner Kapuze gerade so noch vor dem Wasser zum Stehen kommt, fällt mir tatsächlich ein, dass wir jetzt nach Hause gehen, um zu essen, zu trinken und zu schlafen.

Der Heimweg ist ein einziger Ringkampf, bei dem Autos einen großen Bogen um uns machen, weil es mehrmals danach aussieht als würden wir im Hand- und Schreigemenge auf der Straße landen. Passanten gehen an uns vorbei und lächeln mir unsicher zu. So nach dem Motto: „So ist das bei den Kindern in dem Alter.“ Wobei ich nicht weiß, ob sie hinter der nächsten Straße diskutieren, ob sie jetzt die Polizei holen, weil dieser Psycho von einem Vater das Kind so quält oder es wirklich normal finden.

Bis jetzt sitze ich noch hier. Scheint also doch normal zu sein. Zum Glück waren wir dann irgendwann doch zu Hause, meine Frau da und Maultaschen im Kühlschrank, das hat den Tag dann noch irgendwie gerettet. Zum Abendessen lieferte der Sohn dann auch eine logische Erklärung für sein Verhalten: „Ich bin doch schon klein.“

Seine Schwester fand sein Verhalten auf jeden Fall super. Ich habe sie selten so viel lachen hören wie heute.

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