Der Tag begann mit einem Hochgeschwindigkeitsfrühstück, weil ich noch einen häuslichen Filmdreh vor mir hatte und meine Frau ein Arbeitstreffen. Unter freiem Himmel, wegen Corona. Und dazu kommen wie immer zwei Kinder, die unterschiedlich gute Laune haben.

Meine Tochter hatte keine gute Laune. Vielleicht ist sie auch einfach nicht so der Morgenmensch. Mein Sohn hingegen war zumindest Vormittags besser aufgelegt. Er offenbarte mir seine simple Weisheit, als ich ihn fragte: „Warum muss ich jetzt eigentlich dein Puzzle aufräumen?“ Antwort: „Wenn du aufräumst, räume ich nicht auf.“

Zwischendurch ließ ich ihn Kinderlieder hören und mit Münzen spielen. Tut mir leid, wenn er jetzt deswegen schon in frühen Jahren völlig dem Kapitalismus verfällt, aber mit einem Kind, das es gerade geschafft hat, das Portemonnaie zu plündern, diskutiert man besser nicht, sondern freut sich, dass man die wichtigen Karten noch unbemerkt verschwinden lassen kann.

A propos Verschwinden: Mein linker Schuh war irgendwann weg. Ich halte mich in solchen Fällen an die Regel, die eine Freundin mit Nachwuchs und beigebracht hat: Es taucht alles irgendwann wieder auf. Das stimmt. Gestern haben wir den Piloten vom Hubschauberpuzzle wieder gefunden. Nach zwei Monaten. Mal schauen, wie lange es bei meinem Schuh dauert.

Mein Sohn war mir auf jeden Fall dankbar für die neue Spielmöglichkeit und revanchierte sich mit einer neu erlernten Fähigkeit – Der Schmeichelei. Bei ihm hörte sich das so an: „Du hast lecker gekocht gestern… Das war lecker… Was du gebraten hast… Das war gut… Lecker… Hat gut geschmeckt… Du hast gut gekocht… Papa hat gut gekocht… Lecker… Hmm… Ja, das war gut… Gebraten.“ So ging das fünf Minuten ohne Pause. Irgendwann kam ich mir ein bisschen veralbert vor.

Beim Nachmittagsessen, als meine Frau wieder da war und ich wirklich erleichtert, diese Zeit hinter mich gebracht zu haben, hatte er noch eine Erkenntnis. Auf die Frage, ob er zu seinem Keks und seiner Schokolade auch ein bisschen Mango essen wolle, sagte mein Sohn nur: „Das passt nicht dazwischen.“ Konsequenterweise hat er die Mango zehn Minuten, nachdem er vergessen hatte, dass er sie nicht essen wollte, dann doch gegessen.

Meine Frau war mit den Kindern noch draußen. Ich konnte ja nicht, weil mir ein Schuh gefehlt hat und die Lust. Der Sohn ist dann noch eine halbe Stunde den steilen Hang, also den „Berg“, bei uns um die Ecke hoch gelaufen. Daher die letzte Information von seiner Seite, die man auch nicht alle Tage hört, als es gerade Abendessen geben sollte: „Ich bin müde. ich will schlafen. Jetzt.“

So wurde der Abend noch recht geruhsam. Unsere Tochter hat uns sogar ein bisschen Fernsehen lassen, natürlich nicht ohne jede im Bildschirm auftauchende Person auszulachen und nun müssen wir auch keinen Berg mehr hoch laufen, um festzustellen, dass wir müde sind.

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