Zu Hause – Tag 19

Hände waschen war heute so ein Thema. Ist es immer. Mein Sohn will selten Hände waschen und wenn dann nur, um das Waschbecken komplett unter Wasser zu setzen. Heute morgen hat er im Wohnzimmer Hände waschen. „Können wir jetzt bitte Hände waschen gehen?“ „Ja, mach ich doch Papa. Hier ist das Waschbecken.“ sagte er und wusch seine Hände in der Luft über dem Teppich. Da kann man natürlich wenig gegen sagen, wenn man selber so was oft auf der Bühne macht.

Außerdem scheint sich der Kleine Sorgen um meinen Appetit zu machen. Ich werde den ganzen Tag gefüttert. Alle zwei Minuten kommt er vorbei, hält mir die leere Hand hin und sagt Dinge wie: „Hier, Karotten…Da hast du ein Brot…“ Heute gab es sogar ein kleines Fest. Da musste ich vor einem kleinen Eimerchen sitzen und ein Nudelholz abkauen, das „Straciella“ war. Also Straciatella-Eis.

Später, ich bin gerade im Bad, höre ich eine Sirene. Als ich die Badtür öffne, verstehe ich: Meine Frau hat das Playmobil-Feuerwehrauto mit Batterien versorgt. Zum Glück steigt mein Sohn nicht so sehr darauf ein. Er kann seine Schwester problemlos zur Sirene machen, indem er ihr einen Bauklotz an den Kopf wirft. Seine Zuneigung ihr gegenüber drückt er gerne mal etwas gröber aus. Sie quietscht aber meistens vor Vergnügen.

Die Kleine baut ihren Jagdinstinkt weiter aus. Egal, was man ihr gibt – Kuli, Heuschnupfenmedikamentverpackung – Ladekabel – Armbanduhr – alles wird zielsicher geschnappt, durchgekaut und dann demonstrativ fallen gelassen.

Zur Entspannung der Mutter mit vollem Schreibtisch waren wir noch länger spazieren. Wir haben das nächstgelegene Gewächshaus inspiziert. Die Spielplatznot macht erfinderisch. Nach einem längeren Gang am so bezeichneten „Sumpf“ entlang, also dem Straßengraben und dem schönen Reim „Ach du Schreck, der Dreck ist weg.“ kamen wir wieder beim Schwärzlocher Hof vorbei.

Unser Ziel waren die Kühe. Immer wieder schön Kindern dabei zuzusehen, wie sie versuchen, Kühe mit Stroh zu füttern. Der Hinweis „Das fressen die Kühe nicht.“ bringt wenig. Der Sohn wirft Stroh hinter den Zaun , die Kuh guckt komisch. So kann man schon mal eine halbe Stunde verbringen. Dann fuhr der Bauer vorbei und die Kühe begrüßten ihn mit sonorem Muhen im Chor. Mein Sohn hat sich selten so hilfesuchend an meinem Hosenbein festgehalten. Ich war stolz, im Angesicht der brüllenden Kühe sein Retter in der Not zu sein. So hatten wir auch einen Grund, den Heimweg anzutreten.

Ein paar Schritte weiter trafen wir einen alten Bekannten dessen WG wegen eines Corona-Falls in Quarantäne ist. So schnell hatte uns die Realität wieder eingeholt. Was Quarantäne genau bedeutet, scheint nach wie vor nicht so genau definiert zu sein.

Zu Hause nach dem Abendessen hatten wir noch diesen schönen Dialog: „Gehen wir jetzt Hände waschen?“ „Ja! Gerne!“ Da dachte ich, es wird jetzt wirklich Zeit ins Bett zu gehen.

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