Heute hatte ich mal ein bisschen frei. So eine gute Stunde. Ein bisschen Zeit, um mal so etwas Verrücktes zu machen wie einfach nur Musik zu hören. Bin bei Ella Fitzgerald hängen geblieben. Gerade brauche ich wohl so was ganz solides und zeitloses.

In den Medien ist die Rede von der „Ruhe vor dem Sturm“. Hier fühlt es sich eher so an, als würden zwei kleine Tornados in regelmäßigen Abständen in der Wohnung vorbei schauen. Immerhin habe ich es mal geschafft, die Gitarre auszupacken und die Punk-Version von der „Vogelhochzeit“ darzubieten. Das kleine Hauskonzert ging eine Ewigkeit. Also zehn Minuten. Aber die waren echt schön.

Wir haben noch einen kleinen Ausflug gemacht. Auch andere Menschen kommen auf kreative Ideen in diesen seltsamen Zeiten. Bei uns in der Nähe ist so eine Art Hall of Fame, also so eine Wand auf der man sprayen darf. Normalerweise stehen da so coole Jungs und sprühen ihre Tags zu Rap-Mucke an die Wand. Heute stand da ein Vater, der vom Look her eher nach CDU aussah und ließ seine Kinder im Alter von so ungefähr sechs Jahren die Wand besprühen. Vielleicht wird diese Welt ja durch das Ganze doch ein besserer Ort.

Heute Abend nach dem Essen hat mein Sohn dann noch durchgesetzt, dass er in der Tiefgarage Dreirad fahren darf. So wie er vorher auch schon einen Keks ergaunert hat. Er sagt dann so Sachen wie: „Lieber Papa, liebe Mama, könnte ich bitte bitte noch einen Keks haben, ja?“ Und guckt dabei wie ein Eichhörnchen, das einen mit seiner Anmut hypnotisiert. So kommt man überallhin, oder zumindest in die Tiefgarage. Ich hab ihm gefühlte hundert Mal das Dreirad die Einfahrt hochgetragen. Seinem Gesichtsausdruck nach muss es sich angefühlt haben wie Achterbahn fahren.

In „Gegen den Tag“ von Thomas Pynchon geht es gerade um Sadomaso-Sex auf einer Pferderanch. Ich lass das mal so stehen.

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