Zu Hause – Tag 11

Heute wieder allein mit zwei Kindern. Zumindest zwei Drittel des Tages, die sich eher anfühlen wie zwei Wochen. Es war aber schon viel entspannter als am Montag. Lag auch an meinem bahnbrechenden pädagogischen Konzept: Ich habe meinen Sohn nach dem Aufstehen erstmal ein paar Folgen „Leo Lastwagen“ gucken lassen. So hatte ich immerhin Zeit zum Duschen und um die Kleine zu wickeln.

„Leo Lastwagen“ ist eine dieser unsäglichen Youtube-Serien für Kinder. Eine monotone Computerstimme beschreibt die Abenteuer des Lastwagens Leo, der sich durch eine schlecht animierte Fantasiewelt bewegt, in der Fahrzeuge und Roboter leben. In jeder Folge wird etwas gebaut. „Bauen“ heißt: Es erscheinen aus dem Nichts Bauteile für einen Laster, eine Tankstelle oder eine Kasse und diese Teile fügen sich dann vor den Augen der staunenden Roboter irgendwie selbst zusammen. Mein Sohn wird also mal sehr begeistert davon sein, Dinge selber zu basteln und immer daran scheitern, dass das Ikea-Regal sich eben nicht von selber in der Luft zusammenbaut. Ging mir auch schon so. Auch ohne Leo-Lastwagen-Videos.

Nachdem beide Kinder dann Milch beziehungsweise Müsli zu sich genommen oder stehen gelassen hatten, war ich dann auch an der Reihe. Um Acht war ich das erste Mal wach. Um elf konnte ich dann frühstücken.

Nach vielen vielen Puzzles dann eine kreative Idee meinerseits: Wir machen eine Collage! Das heißt in unserem Fall, mein Sohn klebt Zeitungsfetzen aufeinander und sagt: „Das ist der Kopf! Das ist die Hand! Das ist eine Ampel!“ und ich schmelze dahin.

Zwischendurch noch unter fachmännischer Aufsicht Knete aus dem Teppich gepult. Irgendwann hatte ich auch Zeit, auf meinem Handy die Corona-News zu checken. Die Zahlen relativieren sich immer mehr. Man weiß ja gar nicht, ob die Kurve jetzt wirklich flacher wird, oder es nur daran liegt, dass ein Labor in Tübingen die Tests aus Versehen nach Berlin geschickt hat, wo sie dann in einer Tierarztpraxis versehentlich verfüttert worden sind.

Der Bundestag hat mal schnell die Finazhilfen in Höhe eines Jahreshaushalts beschlossen. Politik wird schon sehr einfach, wenn es auf einmal ein echtes Problem gibt.

In „Gegen den Tag“ von Pynchon, immer noch meine Bettlektüre, hat das Monster aus dem Eis eine Stadt ausradiert, deren Verwaltung das Problem zunächst heruntergespielt hatte. Kommt mir irgendwie bekannt vor. Jetzt geht es um einen Lebenskünstler, der die Identität von jemand anderem übernehmen soll. Unter den gegebenen Umständen also ein recht behäbiges Buch.

Das Ereignis des Tages: Meine.Tochter. Hat. Sich.Gedreht! Ich wiederhole: Gedreht! Selber! Halt dich fest Welt, die Nachfolgerin von Albert Einstein, Angela Merkel und Mozart in einer Person ist schon auf dem Weg! Ich weiß, Menschen ohne Kinder schütteln bei so was nur den Kopf, aber wenn das eigene Kind so was macht, dreht man einfach durch vor Freude. Daneben verblasst jede Epidemie.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.