Ich koche gerade Gulasch, oder besser gesagt: Das Gulasch kocht. Es steht auf dem Herd, während ich hier am Rechner sitze. Ich weiß noch nicht, wie es wird, aber der Geruch ist allein schon die Sache wert. Für die kulinarisch Interessierten: Ich habe dieses Rezept verwendet.
Ich liebe Gerichte, die die meiste Zeit allein auf dem Herd oder im Ofen verbringen. Man kann nebenher etwas anderes tun und außerdem hat man dann ein Essen mit Biografie. Dieses Gulasch hat eine Entwicklung durchgemacht. Es hat auch etwas Mystisches, Geheimnisvolles, weil ich ja gar nicht so genau weiß, was in dem Topf passiert, während ich ihn stehen lasse. Genau genommen, weiß ich nicht mal, ob es noch kocht, oder überhaupt noch da ist. Nach dem Motto: Esse est percipi, oder so, also: Sein ist Wahrgenommenwerden.
Ich finde, von so einem Gulasch kann man eine Menge lernen: Einfach mal rumstehen und warten, was in einem passiert. Unsere Zeit neigt ja zur Beschleunigung, zum Kurzgebratenen, das nur gelingt, wenn man genau das richtige Timing hat, das Fleisch muss sozusagen zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Das Gulasch dagegen verlangt vor allem Geduld. Und es bringt auch gar nicht, den Vorgang beschleunigen zu wollen. Das Gulasch entzieht sich der Verknappung der Zeit.
Außerdem legt es auch keinen Wert auf Optik. Es sieht am Ende ziemlich undefiniert aus. Man kann vielleicht noch ein bisschen Petersilie drauf legen oder eine Garnitur aus Salat und Karotten daneben packen, aber das Gulasch bleibt, was es ist. Es besticht allein durch seinen Geschmack.
Ich denke ernsthaft darüber nach, einen Lebensratgeber mit dem Titel „Das Gulasch-Prinzip“ zu schreiben. Jetzt schaue ich mal, ob es noch existiert…

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