Jetzt ist es soweit: Bahnchef Hartmut Mehdorn hat seinen Rücktritt angeboten, wie man z.B. beim Spiegel lesen kann. Anlass ist seine Verwicklung in den Spähskandal. Fast schon traurig, da geht er hin und mit ihm ein liebgewonnenes Feindbild. Mehdorn galt ja schon lange als die Personifikation sämtlicher Übel, die wir gerne auf die Deutsche Bahn projizieren und die Deutsche Bahn wiederum ist ja eins der liebsten Hassobjekte der Deutschen, noch vor DSDS oder der eigenen Identität.

Ob es der Bahnstreik war, der Ausfall der ICEs, die Datenaffäre oder schlechtes Wetter: Mehdorn blickte einem stets mit einer absurden Mischung aus Starrsinn, Gleichgültigkeit und Unverständnis von den Titelblättern entgegen. Man muss schon ein verdammt harter Knochen sein, um so was so lange auszuhalten und bei allem Ärger nötigte mir seine stoische Art auch immer etwas Respekt ab. Vielleicht wusste er tatsächlich von dem allem nichts. Das wäre zumindest eine gute Strategie gewesen, für alles eigentlich – ein Repräsentant, der keine Ahnung hat und ab und zu vor die Presse tritt.

Den Email-Verkehr seiner Angestellten zu kontrollieren scheint auf den ersten Blick skandalös. Bei genauerem Hinsehen muss man aber einräumen, dass solche Formen der Überwachung und die anhängigen Skandale heute schon fast zur Normalität gehören. Jede Privatperson kann ja heute die Aktivitäten ihrer „Freunde“ in diversen Netzwerken überwachen. Email-Überwachung ist ja wohl eher der Trabbi unter den modernen Spionage-Methoden. Handykamera-Hacking! Das wäre was gewesen.

Immer öfter hat man ja in letzter Zeit das Gefühl, das Scheitern des Kommunismus sei eher eine Illusion gewesen mittels derer der wahre Kommunismus, also der sogenannte Kapitalismus seinen Siegeszug antreten konnte. Unsere Unternehmen überwachen ihre Mitarbeiter und werden nach und nach alle vom Staat übernommen, mal sehen, wo das noch hinführt…Zurück in die Zukunft, die andere Vergangenheit nennen? Oder zum bitteren Ende der Menschheit, die schon jetzt eher so eine Art Oberfläche zum Verschalten von Datennetzwerken darstellt?

Mehdorn kann das jetzt egal sein. Vielleicht sieht man ihn ja mal auf einer Bahnreise über Verspätungen stöhnend in der ersten Klasse sitzen. Ich bin schon sehr gespannt auf seinen Nachfolger. Vielleicht erbarmt man sich ja und stellt gleich einen Roboter ein, der dann ähnlich mechanische Statements wie Mehdorn von sich geben kann.

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