Der große Wandel III

Ole von Beust sitzt in seinem Büro und saugt an seiner Siegerzigarre. Mag sein, dass er die absolute Mehrheit verloren hat, aber er wird weiter regieren, und zwar mit den Grünen.

Der Gefreite Gerstensemmel steht bewegungslos in der Landschaft. Während seine Kameraden mit Gewehr im Anschlag über den Boden robben, gibt er sich einer völlig neuen Erkenntnis hin: Er hat eigentlich gar keine Lust dazu, auf jemanden zu schießen.

Bushido stapft durch Berlins dreckige Straßen. Es ist ein wenig mühsam, weil er es nicht mehr gewohnt ist, zu Fuß zu gehen und ein bisschen Angst hat er auch, weil überall so finstere Gestalten durch die Gegend ziehen, bei denen es sich vielleicht um echte Gangster handelt, die nicht nur darüber rappen, Leute zu verprügeln, sondern es wirklich machen.

Ole von beust versucht sich den Grünen anzunähern. Nachdem er ein bisschen, versucht hat zu stricken und seinen Mitarbeitern gesagt hat, sie dürften ab jetzt babsidemokratisch darüber abstimmen, wer die Kaffeekasse verwaltet, wobei natürlich klar ist, dass man jetzt nur noch Fair-Trade-Kaffee kauft, versucht er jetzt verzweifelt einen Joint zu bauen. Entnervt bittet er einen Praktikanten, ihm zu helfen.

Der Gerfreite Gerstensemmel blinzelt. Offenbar schreit ihn jemand an. Vor ihm steht sein Vorgesetzter und schreit: „Gefechtsposition einnehmen Gerstensemmel! Wohl zu viel Pornos gekuckt oder was?“ „Nein, ich will der Welt den Frieden bringen.“ „Ja, das wollen wir alle! Deshalb machen wir das hier ja. Jetzt packt er seine Waffe, verdammt noch mal!“ „Nein ich will richtigen Frieden!“ „Richtigen Frieden? Das ist wohl ein Fall von Lagerkoller. Jetzt hören Sie mal mit dem Scheiß auf!“

Bushido hat keine Lust mehr auf sein altes Image. Er will nicht mehr so gewalttätig tun. Er könnte keiner Fliege etwas zu Leide tun und außerdem ist ja gestern noch sein Hamster gestorben. Bushido ist traurig. Er weint ein bisschen, bis ihm eine alte Frau im Vorrübergehen ein Tempo gibt.

Ole von Beust ist schlecht. Er ist das Kiffen nicht gewohnt. Stricken kann er auch nicht. Die Kaffeekasse ist abgeschafft. Unter seinen Mitarbeitern haben sich zwei Parteien gebildet: Die Realos wollen billigen Discounter-Kaffee kaufen, weil das doch billiger sei. Die Fundis halten mit Tränen in den Augen die Porträts ausgemergelter Kaffeebauern in die Höhe.

Gefreiter Gerstensemmel küsst seinen Vorgesetzten. Der Vorgesetzte schmeckt widerlich. Er hat wohl Zwiebeln mit verbrannten Fingernägeln gegessen oder so. Gerstensemmel wird fürchterlich schlecht. So schmeckt also der Frieden. Der Vorgesetzte fällt in Ohmacht. Gerstensemmel wirft sich auf den Boden und bringt das Gewehr in Anschlag. Wenn er jetzt so tut, las wäre nichts passiert wird es wohl auch der Vorgesetzte vergessen. Wer gibt schon gerne zu, dass er mehr Angst davor hat, geküsst zu werden, als durch ein Minenfeld zu laufen..

Bushido will Schlager machen. Keinen Bock mehr auf diese dauernde aufgesetzte schlechte Laune. Er will sich lieber die Haare blond färben und davon singen wie schön die Welt ist und die Liebe zu seiner Margarete. Bushido räuspert sich. Dann trällert er: „Margarete oh Margarete, tut mir Leid, dass ich mich so verspäte, doch ich musste daran denken wie lieb ich dich hab, vergaß alle Zeit und kauft‘ dir nen Lockenstab…“. Bushido ist glücklich. Er hat eine große Zukunft vor sich.

Ole von Beust hat eine Lösung für seine Probleme gefunden. Er liest ein Buch über Management. Jetzt kann er doch noch ein richtiger Grüner werden, aber eben einer von heute.

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