Wie ich mir mal einen Hund gekauft habe

Mein Therapeut sagte mir: Herr Kienzler so geht es nicht weiter, Sie müssen ihre Ängste überwinden. Ich habe viele Ängste, eine der konkreteren ist die Angst vor Hunden. Kaufte mir also einen Hund. Son richtigen deutschen Schäferhund, mit dem sich jeder Uniformträger gut hätte fotografieren lassen können.

Da saßen wir dann in meiner Wohnung. Also der Hund saß nicht, der schnüffelte sich durch meine Wohnung und miefte sie voll mit seinem Hundegeruch. Ich saß auf dem Klo, das ich zu meinem eigenen Schutz abgeschlossen hatte und dachte mir: Na gut, wenn ich hier nie mehr rauskomme ist es auch kein Problem. Wenn ich aufs Klo muss, bin ich schon da, fließend Wasser gibt es auch und da es hier nicht so sauber ist, wird sich sicher bald irgendein Ungeziefer einfinden, das ich essen kann.

Nach zwei Wochen dachte ich dann: Na gut, jetzt rieche ich schlimmer als der Hund und so ein bisschen zerfleischt werden ist immer noch interessanter als hier auf dem Klo rumzusitzen. Hatte schon angefangen, die Zukunft im Klowasser zu lesen, weil mir so langweilig war. Vielleicht war der Hund ja auch schon tot.

Ich öffnete die Klotür und blinzelte in das stinkende Licht der Wohnung hinein. Der Hund war nicht tot, verblüffend. Trotz mangelnder Intelligenz war es ihm gelungen, den Kühlschrank zu plündern. Als er mich sah, sprang er auf mich zu und schnüffelte an meinem Schritt herum. „Nein, das kann man nicht essen.“ flüsterte ich. der Hund nieste ein bisschen und wich vor mir zurück. Mein zwei Wochen lang entwickelter Körpergeruch musste ihn betäubt haben. Meine Angst hielt sich in Grenzen. Nur zur Vorsicht schnappte ich mir mein größtes Küchenmesser und ging langsam rückwärts ins Wohnzimmer.

Interessiert schwanzwedelnd folgte mir der Hund. Ich stieg aufs Sofa, damit er mir nicht aus einer Laune heraus in den Fuß biss und sagte dann: „Also pass mal auf, wir müssen jetzt irgendwie eine Beziehung zu einander entwickeln und so. Ich bin der Harry und wie heißt du?“ Keine Antwort. Klar, war ja ein Hund. Konnte ja nicht sprechen. Bei einer Katze wäre das sicher was anderes gewesen, aber vor denen hab ich ja keine Angst.

„Ok, ich nenn dich Tante Agathe.“ Keine Reaktion. Schien den Hund nicht zu stören, dass er jetzt so nen albernen Namen hatte. Er hechelte mich nur an und machte diesen Hundeblick. „Ja, hmm. Gefressen hast du mich ja bis jetzt nicht. Scheint also gar nicht so schlimm zu sein.“ Vielleicht konnten wir ja doch noch eine Beziehung zueinander aufbauen. Ich stieg vom Sofa herunter. Der Hund legte sich auf den Boden. Jetzt war ich fast ein bisschen enttäuscht, dass er nicht japsend an mir hochsprang.

„Weißt du was, ich glaub, das war genug Beziehungsarbeit für heute. Ich geh mal pennen.“ Ich ging ins Schlafzimmer. Ich kam ziemlich schnell wieder raus. Der Hund war offensichtlich auch schon öfters da gewesen. Klar, ich hatte mich ja im Klo eingesperrt. Konnte der Hund also zwei Wochen nicht aufs Klo gehen. War er dann halt ins Schlafzimmer gegangen.

„Du, wir müssen umziehen“ sagte ich zu Tante Agathe und wir zogen um. Umbringen ging ja nicht. Da hätte mir mein Therapeut dann Beziehungsunfähigkeit vorgeworfen und außerdem hatte ich jetzt nicht mehr so viel Angst vor dem Hund, weil er sich dauernd schuldbewusst in der Ecke rumdrückte.

Wir zogen also um und überließen meinem Vermieter die Renovierung der Wohnung. Ich hatte sowieso nie Miete gezahlt, da wunderte ihn sowas auch nicht mehr. Durfte mich halt nicht mehr im Stadtviertel blicken lassen und musste meinen Namen ändern. Was man nicht so alles macht, um von seinen Ängsten loszukommen.

Im neuen Viertel war ich dann „Der mit dem Hund“. Mein Therapeut meinte, ich bräuchte ihn jetzt nicht mehr und es begann eine neue Zeit in meinem Leben mit einem treuen Freund an meiner Seite. Begann als erstes, Tante Agathe abzurichten, um mich endlich gegen nervige Vertreter und Geldeintreiber verteidigen zu können, aber das erzähl ich dann ein ander Mal…

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