Ich schreibe an meiner Zulassungsarbeit zum Staatsexamen in Germanistik. Schreiben bedeutet, ich sitze vor meinem Rechner und starre auf den leeren Bildschirm. Wenn ich es nicht mehr ertrage, auf den leeren Bildschirm zu starren, starre ich in das Buch, das da auf meinem Schreibtisch liegt zischen leeren Studentenfutterpackungen und gebrauchten Teebeuteln. Ich überlege, wieder mit dem Rauchen aunzufangen, um das Bild zu vervollständigen.
Ich verfluche mich dafür, nicht schon früher mit dem Schreiben angefangen zu haben und noch mehr verfluche ich mich dafür, dass ich schon in der Zeit, in der ich hätte schreiben können, wusste, dass ich mich später für mein Nichtstun verfluchen würde. Eigentlich war ich in dieser Zeit sehr produktiv. Ich las erstmal sehr viele Bücher über mein Thema, weil ich dachte, das würde mir was für meine Arbeit bringen. Das Schreiben einer solchen Arbeit scheint ein Erkenntnisprozess zu sein, der einem vor Augen führt, welche Bücher man sich sparen könnte. Als würde man sich endlich mal trauen, auch mal diese ganzen tollen Cocktails auszuprobieren, nur um dann festzustellen, dass einem Bier eben doch besser schmeckt.
Diese ganzen Bücher und Aufsätze, die ich da dauernd zitiere, weil ich damit irgendwas beweisen will, ohne zu wissen, ob der Typ, der den Aufsatz geschrieben hat, letztendlich nicht genau so wenig Ahnung hat wie ich selbst und nur eine elegantere Formulierung gefunden hat für den Satz „Ich hab auch keine Ahnung.“! Das Beste an dieser ganzen Fosrchungsliteratur sind aber nicht mal die Aufsätze, die sich dauernd gegenseitig aufeinander beziehen, so nach dem Motto: „Ich wars nicht, der da hat angefangen.“, sondern die tollen tollen Fachbegriffe, mit denen alle immer wie selbstverständlich um sich werfen, wie zum Beispiel „Diskurs“. So was wird gar nicht mehr großartig erläutert, weil ja jeder wissen müsste, was damit gemeint ist. Ja von wegen, versuch mal in einem Lexikon eine anständige Definition von „Diskurs“ zu finden, die mehr sagt, als dass das irgendie das Gleiche wie Text heißt, nur eben noch ein bisschen mehr. Scheint eher so eine Modeerscheinung zu sein, so wie man ja auch nicht mehr „Kaffee“ sagt, sondern „Moccachino mit Trüffelschaumhaube“, worauf die Bedienung dann bestimmt noch nachfragt: „Den Trüffelschaum grob oder fein geschlagen?“
Ich sollte mal mein Zimmer streichen. Mich überkommt eine unbändige Lust, mein Zimmer zu streichen. Wenn man sich dauernd nur mit so einer Arbeit beschäftigt, kommen einem dauernd solche Ideen, was man jetzt alles machen könnte und was man schon immer mal machen wollte. Eigentlich mache ich auch sonst nichst anderes außer Lesen und Schreiben, aber jetzt überkommt mich eine unbändige Lust, Wildwasserkanu zu fahren. Sobald ich auf den Bildschirm starre, sehe ich nur noch Strudel und Stromschnellen, die es todesmutig zu durchqueren gilt.
Dauernd lasse ich mich von irgendwas ablenken und mit dem Schreiben dieses Textes ist es jetzt schon wieder passiert.


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