Der Tag des Tannebaums naht und alle zählen die Tage. Wieder werden wir alle uns begegnen an einem Fest der Liebe, das diesen Namen nicht zu Unrecht trägt: Liebe kann schön und furchtbar sein.
In den Fußgängerzonen wedeln Menschen mit Geldscheinen, um von Händlern mit möglichen Geschenken beworfen zu werden. Backöfen schmelzen durch anhand der Plätzchenmassen, die man mit ihnen produziert.
Die Stadt ist ein einziger Markt, wenn man überall Glühwein trinken würde, wo man Glühwein trinken kann, wäre man schon tot. Ständig sind Feiern und Treffen und Jubiläen, Menschen marodieren in Grupen durch Theater und Restaurants.
Eine großartige Zeit. Das letzte Gefecht von Kultur und Gesellschaft. Alle wollen es noch einmal wissen. Wollen wissen, wem sie noch keine Karte geschrieben haben und wen sie an Weihnachten noch treffen könnten.
Andere bauen Mauern aus Kissen und Decken vor ihrer Tür auf, wappnen sich für den Sturm, mit dem sie nichts zu tun haben wollen und gerade dadurch so viel mehr zu tun haben.
Ich frage mich jede Weihnachten, ob ich das jetzt furchtbar oder ganz großartig finden soll. Ich denke, es ist eine Art Initiationsritual, das uns alle noch menschlicher macht, als wie schon sind. Es kehrt die guten und schlechten Seiten gleichermaßen nach außen: Gesangskünste, Tischsitten, Tannenbaumbehängungsstrategien… Wenn man das alles durchlaufen hat, kann das neue Jahr auf jeden Fall kommen.
Und außerdem ist es ja auch ein religiöses Fest, aber dafür bin ich kein Experte…Wir sehen uns unterm Weihnachtsbaum oder in der Fußgängerzone…

Wie Weihnachten feiern angesichts der Finanzkrise?

– Die Tanne im Wald besorgen. Manches Großstadtkind weiß ja gar nicht mehr, dass man Bäume nicht nur auf der Straße kaufen kann.

– Einfach mal das verschenken, was man nicht mehr gebrauchen kann. Gut, viele machen das schon. Interessant wird es, wenn z.B. der kleine Bruder seiner Schwester seine Schwester schenkt.

– Etwas richtig Gutes essen: Stimmt, das machen viele auch jetzt schon, aber man weiß ja nicht, wie es mit dem Essen im restlichen Jahr aussieht.

– Lieder singen und tanzen. Das hält einen in Bewegung und warm. Da verkraftet man auch die fehlende Heizung an der Bushaltestelle, an der man übernachten muss.

– Geschäfte plündern, aber nicht so wie sonst an Weihnachten, sondern ohne zu bezahlen.

– Als Security-Beamter Läden mit einem Flammenwerfer vor Plünderern schützen und sich etwas dazuverdienen und sich mit den Plünderer freuen, die sich in den warmen Flammen etwas aufwärmen können.

– Mal die ganzen Bekannten aus der Schulzeit wiedertreffen und Schulden eintreiben. Gibt ja mit der Zeit ganz schön Zinsen, so ein Pausenbrot.

– Einen richtigen Familienkrach anzetteln. Vielleicht kriegt Papa ja einen Herzinfarkt und man kommt endlich an das Erbe ran.

– Sich betrinken. Wird schwer mit Leitungswasser, aber manche Leute spielen auch ganz überzeugend, von Bananenschalen high zu werden, wenn der entsprechende Gruppenzwang vorherrscht.

– Im Tresorraum der eigenen Bank ein Schwimmbecken einrichten.

– Ganz lange weinen. Das hilft.

Was man an Weihnachten auch mal machen könnte:
Sich den Familienkrach sparen und einfach zu Hause bleiben bei Leuten, die einen wirklich mögen.
Mal die guten heidnischen Bräuche pflegen und unter dem Tannenbaum nicht nur Geschenke ablegen, sondern sie in einem großen Freudenfeuer den Göttern opfern.
Sich auch mal so eine tolle Blinkedekoration ins Fenster hängen, aber eine die mit Starkstrom läuft und blinkt wie ein Stroboskop.
Tannen pflanzen.
Um 12 ein paar Feuerwerkskörper loslassen umd vorher auf Null runterzählen, vielleicht macht spontan jemand mit.
Mit den Kindern auf den Weihmachtsmann warten und dann mal eine GRundsatzdiskussion mit ihm führen über Coca Cola und blöde Marketimggags.
Den Leuten auf dem Klassentreffen ein Video von vor zehn Jahren vorspielen, auf dem sie erzählen, was sie später mal machen wollen.
Mal im Kranknhaus auf der Geburtsstation anrufen und fragen, ob es irgendwelche besonderen Vorkommnisse gab.
Bei einer Hotline anrufen und schauen, ob selbst dann jemand da ist und wenn ja der armen Sau frohe Weihnachten wünschen.
Auch an die armen Leute denken, die an heilig Abend in einem Zug festsitzen.
Rentierbraten essen.
Als Sternsinger losziehen und den verwunderten Leuten sagen, man müsse ja nicht jedes Jahr so spät dran sein, nur weil die drei Könige damals so lange gebraucht haben.
Schon mal Osterhasen auf Vorrat kaufen.
So verzweifelten Menschen wie mir helfen, doch noch was Gutes an der Sache zu finden.

Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Lassen Sie mich mal eines unumwunden feststellen:

So kann es weitergehen!

Ich komme ja viel rum in letzter Zeit und überall sagen mir die Menschen das Gleiche:

Es geht uns gut!

Es ist immer das gleiche alte Lied:

Soo ein Tag, so wunderschön wie heute…

Lassen Sie mich dabei auch nicht unerwähnt lassen, was wir alle schon ahnen, auch wenn sich bisher keiner getraut hat, es auszusprechen:

Es geht uns nicht nur gut, es wird uns in Zukunft sogar noch besser gehen!

Selbst der verblendetste Starrkopf muss es doch irgendwann einsehen:

Die Sonne scheint. Die Menschen tragen ein Lächeln auf den Lippen.

Doch ich höre schon die Stimmen der ersten Zweifler sich erheben, die sagen:

Das kann doch gar nicht sein!

Und ich muss Ihnen sagen: (mehr …)

Die letzten Tage führten mir wieder einmal vor Augen wie auch ich ansonsten hoch vergeistigtes Wesen an meine animalischen Ursprünge gebunden bin. Kaum begann ich zu realisieren, dass die Sonne nun doch merklich früher als an schillernden Sommertagen hinter dem Horizont zu versinken pflegte, machten sich schon die ersten Anzeichen des nahenden Winters bemerkbar. Zunächst fielen mir ein paar äußerliche Anzeichen ins Auge: Es schneite und in den Regalen des Supermarktes häuften sich die Kapuzenmänner.
Doch meine Abneigung gegen die kalte Jahreszeit líeß mich diese Warnsignale abtun mit einigen dürftigen Argumenten, die mir zu Beginn jedoch recht plausibel erschienen: Zum einen hätte dieser Schnee ja auch den nahenden chaotischen April ankündigen können und zum anderen gibt es Weihnachtsmänner doch inzwischen fast das ganze Jahr über zu kaufen. (mehr …)