Manchmal beschleicht mich eine alte Angst, die jüngst in ganz modernem Gewand daherkommt: Dass der Tag, ja selbst die Sekunde meines Todes schon seit meiner Geburt feststehen. Der Film Gattaca zum Beispiel, den ich nur empfehlen kann, zeichnet ein düsteres Bild von einer Zukunft, in der man bei der Geburt einfach einen Papierstreifen aus einem ominösen Gerät laufen, auf dem man genau lesen kann, welche Krankheiten der kleine Knirps da mit welcher Wahrscheinlichkeit in seinem Leben noch bekommen wird.

Ein US-Forscher sagt jetzt: Alles Quatsch! Wir haben überhaupt nicht die Daten zur Verfügung, um solche Voraussagen machen zu können. Zum einen, weil viele Krankheiten glücklicherweise doch so selten vorkommen, dass es statistisch unmöglich ist, irgendwelche pauschalen Aussagen aus ihrer Verbreitung zu ziehen, zum anderen weil die gleiche Krankheit vielleicht bei jedem Kranken völlig unterschiedliche genetische Ursachen hat.

Ganz abgesehen davon gibt es ja auch noch andere Ursachen für Krankheit, die mit Genen überhaupt nichts zu tun haben. Erkältungen zum Beispiel, die bekommt man noch, weil man sich ansteckt. Kurios, aber wahr. Es ist also totaler Quatsch eine Firma, die eignene Gene analysieren zu lassen, um dadurch etwas über bevorstehende Krankheiten zu erfahren. Erst wenn die Analysen sich neuer Mittel bedienen wird das vielleicht möglich sein.

Viel wichtiger als ein Blick auf zukünftige etwaige Krankheiten bleibt sowieso der auf die echte akute Krankheit, mit der viele Menschen zu kämpfen haben. Da geht es wohl weniger um Analysen, sondern darum, wie man sich fühlt. Hier findet sich eine Seite, die versucht, das zu kommentieren, ins Leben gerufen von Christof Schlingensief. Da weiß man gar nicht mehr, was man selber noch zu sagen hätte.

Laut Spiegel Online plädiert ein Wissenschaftler dafür, Aliens gegenüber ehrlich zu sein und dementsprechend auch die Nachrichten zu gestalten, die man ihnen mit Forschungssonden schickt. Stets zeigt man dort schöne Menschen auf Goldplatten und wissenschaftliche Formeln, nur Gutes eben.

Ein ehrliches Anschreiben müsste natürlich ganz anders aussehen:

„Liebe Aliens (entschuldigung, so nennen wir euch auf der Erde, vielleicht nennt ihr uns ja auch so, haha), schön, dass ihr unsere Sonde gefunden habt. Das bedeutet, es ist endlich mal eines von den Dingern angekommen. Was ihr hier vor euch seht ist die Krone unserer Forschung und Technologie. Ja, klar, etwas enttäuschend.

Auf der Erde sieht es nicht ganz so futuristisch aus. Wir haben noch Atomktaft und verbrennen Öl, wenn wir irgendwohin wollen. Ansonsten sehen wir vor allem gerne fern. Wir schauen auf einem Bildschirm anderen Leuten dabei zu, wie sie seltsame Dinge tun.

Wenn wir gerade nicht fernsehen, essen wir, oder wir führen Krieg. Das können wir ganz gut. Wenn ihr also nicht wisst, wie ihr uns angreifen sollt: Es gibt einige Rüstungsfirmen bei uns, die helfen euch sicher gerne weiter.

Manchmal machen wir auch was anderes: Liebe zum Beispiel. Das ist das, was man auf dem Film mit dem ulkigen Titel sehen kann, den wir noch beigelegt haben.

Sonst gibt es eigentlich nicht so viel zu erzählen. Nur eine Sache noch: Wenn ihr mal bei der Erde vorbeikommt, könntet ihr mal kurz landen, aussteigen und einfach in eine der vielen Kameras sagen: „Hallo Menschheit, alles wird gut!“ ? Das würde die Stimmung hier sicher extrem verbessern.

So, na dann machts mal gut. Ach nur noch so: Wie nennt man einen Hund mit zu vielen Beinen? Einen Tentakel! Haha! Was haben fiese Versuchslabore und Ampeln gemeinsam? In beiden sind grüne Männchen eingesperrt! Ha! Wie bestellt man eine Maß Bier auf einer Raumsation? Einen Sateliter bitte! Haha, ich werd nicht mehr… Auf welchem Planeten kann man am besten Sport treiben? Auf dem Sa-turn! Ha! ….Ok…Das war Humor, haben wir auch noch auf der Erde. Gewöhnt euch dran. Tschüss!!“

Ist jetzt nur noch die Frage, was das alles auf außerirdisch heißt und wer das schwarze Loch bezahlt, das man damit vielleicht aus Versehen bestellt hat.

Beim Spiegel habe ich heute etwas mir eher Unbekanntes gesehen: Forscher nehmen an, dass es in unserem Sonnensystem früher noch einen Planeten namens Theia gab, der einst mit der Erde zusammenstieß. Aus den Überresten der Kollision soll dann der Mond entstanden sein.

Hätte mich jetzt auch interessiert, was mit Theia weiter passiert ist, worüber man in dem Filmchen jetzt leider nichts erfährt. Liegt vielleicht in einem interstellaren Rehazentrum und wird die Erde einst verklagen. Oder schlimmer: Theia ist draufgegangen. Wir selbst hatten ja nur Gutes davon: Den Mond. Was wäre die Erde ohne ihren Trabanten, der ihrer aufgeregten Lebendigkeit so cool, besonnen und grau entgegenschweigt?

Manchmal hat man das Gefühl, wir wissen gar nichts über unser galaktisches Umfeld, wenn man da eben mal noch einen  Planeten vermuten kann. Wahrscheinlich gibt es noch viel mehr Planeten, von denen keiner weiß. Wer sagt einem denn, dass Staubkörner keine Planeten sind. Ist ja alles Definitionssache. Der Mond ist zwar offiziell kein Planet, aber immerhin ein Himmelskörper, der einem gigantischen Staubkorn charakterlich recht nahe kommt.

Manchmal habe ich das Gefühl, selbst eher so eine Art Trabant zu sein, der die Themen seiner Texte eher umkreist, als glühend in ihre Atmosphäre einzudringen. Planet zu werden wäre mal was Neues. Dann könnte ich guten Gewissens um mich selber kreisen.

Der Mars-Roboter Spirit, macht der Nasa laut Spiegel Online ein bisschen Sorgen: Sein Computer wurde aus unerfindlichen Gründen zwei Mal neu gestartet. Tja, möchte man da unken, da fallen mir auf die schnelle noch ganz viele andere Computer ein, die öfters mal komische Sachen machen, wenn er nur neu startet, ist das eher Anlass zur Hoffnung als zur Panik.

Die wahrhaft Konspirativen unter uns wissen aber, dass das eine viel zu simple Erklärung wäre und packen eine andere aus: Aliens! Klaro, da sitzt ein Alien vor dem Roboterfahrzeug und versucht das Ding neu zu starten und flucht: „Scheißtechnik! In zwei Minuten fängt die Gladiatorenshow an, wo die Menschen andere Menschen zwingen, ihnen vorzusingen und dieser Computer rafft es einfach nicht!“

Na, wenn das mal keinen intergalaktischen Zwischenfall gibt. Wir können von Glück sagen, dass der Weltraum um die Erde herum so mit Satelliten zugemüllt ist, dass wir praktisch unangreifbar sind, sonst hätte uns schon längst ein genervtes UFO vom Himmel gepustet.

Vielleicht mache ich mir auch zu viele Gedanken. Wahrscheinlich ist der Computer des Roboters nur mit dem Virus infiziert, das morgen alle Computer lahmlegt und den Dritten Weltkrieg auslöst. Kann mich also beruhigt schlafen legen und davon träumen, wen ich zwei Absätze vorher mit den „wahrhaft Konspirativen“ meinte und was dieser ominöse Club jetzt wieder ausheckt.

Beim Spiegel kann man derzeit lesen, wie die Priester antiker Tempel, die staunenden Gläubigen zu begeistern wussten: Mit Tempeltüren, die sich automatisch öffneten, wie von Geister- bzw. Götterhand. Eine Apparatur, die mit Wasserdampf arbeitete ließ die Türen aufschwingen und die Menge vor Bewunderung aufjauchzen.

Zu Beginn wenigstens. Studenten und Gelehrte wussten sowieso, wie die Apparatur funktioniert und die Gläubigen, die tatsäschlich öfters in den Tempel gingen, sagten nach einiger Zeit wahrscheinlich auch nur noch: „Ach so, die Götter machen mal wieder die Tür auf. Die könnten sich auch mal was Neues einfallen lassen. Seit dem Trojanischen Krieg haben die ja nicht mehr viel zustande gebracht und der ist ja auch nicht so toll gelaufen.“

Heute kommt ja kein Mensch mehr darauf, angesichts einer Schiebetür in Verzückung zu geraten: „Haben Sie das gesehen? Die Tür! Einfach so aufgegangen! Verrückt! Und jetzt geht sie einfach wieder zu! Und klemmt den kleinen Zwergdackel da ein! Verrückt! Das müssen die Götter sein! Die Götter!“

Für uns ist es ja völlig normal, dass jede Form von Tempel, seien es nun Konsumtenpel, Bankentempel oder Sonnenstudiotempel, eine Tür hat, die zischend vor uns aufgeht. „Ja klar, Lichtschranke, weißte?“ erklärt man dann den anfänglich noch staunenden Kindern. Den allerkleinsten sagt man dann vielleicht noch, neben der Tür in der Wand stünden zwei kleine Weihnachtsmänner, die das Ding auf und zu schieben, das wars dann aber auch schon mit der Übernatürlichkeit.

Ich geh jetzt raus in die Sonne. Dass ich die nun doch noch genießen darf, dass grenzt zumindest für mich an ein Wunder, an dessen Erfüllung ich gar nicht mehr geglaubt hätte.